Fred Ape hat das Corona-Jahr musikalisch verarbeitet

mlzDortmunder Kultur

Er ist ein Urgestein der Liedermacher-Szene und produktiver denn je: „Bedingungslos“ heißt die neue Scheibe von Fred Ape, die er im Fletch Bizzel vorgestellt hat. Wir haben schon reingehört.

Dortmund

, 31.10.2020, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir leben in Zeiten, in denen vieles in Bewegung ist. Wer mit wachen Augen durch die Welt geht, wird genug erleben, das ihn frustriert oder wütend macht. Diesen Frust zu kanalisieren, Blödsinn auf die Schippe zu nehmen, Ross und Reiter zu benennen, war schon immer ein Anliegen der deutschen Liedermacher-Szene, zu deren Veteranen Dortmunds Fred Ape zählt.

Viele der 13 Lieder von Apes neuer CD „Bedingungslos“ lassen sich als Sonden verstehen, die dem Zeitgeschehen und seinen Akteuren den Puls fühlen. Am Thema Corona führt dieser Tage kein Weg vorbei. In mehreren Songs geht Ape auf die Verwerfungen ein, die das Virus uns beschert hat.

Selbsternannte Querdenker

„2+2=5“ beginnt mit der hysterischen Stimme einer Volksrednerin, wie sie auf Demos selbsternannter „Querdenker“ zu hören sind. „Und die Erde ist nicht rund, zwei und zwei ist fünf“, murmelt gebetsmühlenartig ein Chor. Ein sparsam instrumentierter Folksong über verbiesterte Faktenleugner.

„Wovon leben Sie denn so“, eine Ballade zur Akustikgitarre, reportiert das Gespräch mit einem Kreditberater, der einem (wohl von Corona gebeutelten) Künstler finanziell aus der Klemme helfen soll: „Ach, ein Musiker sind Sie? Wir brauchen Sicherheit, das tut uns wirklich leid.“

Schalk und Galgenhumor

Schalk und Galgenhumor geben sich bei „Risikogruppe“ die Hand. Ein Lied über die Alten, die isoliert wurden. „Wir sind die Risikogruppe, wir sind eine riesige Truppe! Wir müssen hinter Scheiben winken, müssen uns alleine betrinken.“ Ein Versuch, dem Elend ein kleines Zwinkern entgegen zu setzen.

Mit einer neu getexteten, wehmütig akkordeonseligen Version von Peter Alexanders „Die kleine Kneipe“ greift Ape das Kneipensterben in der Krise auf: „Aus diesem Zapfhahn fließt nie mehr das Bier. Ein letzter Gruß vom Wirt hängt an der Tür.“

Ein Lied wie ein Weckruf

„Du hast nur Glück gehabt“ markiert Apes Weckruf an alle, die ihr privilegiertes Dasein im reichen Europa mit eigener Leistung verwechseln und andere von Europa fernhalten wollen. Irrtum: „Du hast nur Glück gehabt, dass Du hier geboren bist. Du hattest Glück - gib was zurück!“

Mit „Nie zu alt“ findet sich ein Liebeslied auf der neuen CD, und mit „Manni“ auch eine Ode an den 2019 gestorbenen Manfred Burgsmüller, einst in Diensten des BVB: „Legende meiner Fußballwelt, fünf Tore gegen Bielefeld.“

„Bedingungslos“ bietet solides Songwriter-Handwerk, sanften Folk-Sound mit vielen guten Melodien. Im Studio stand mit Guntmar Feuerstein ein musikalischer Tausendsassa an Apes Seite.

„Bedingungslos“ (erschienen bei Ruhrfolk) ist für 15 Euro erhältlich.
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