Freie Tanz- und Theaterszene feiert Festival wegen Corona digital

mlz"Szene machen!"

Das Festival "Szene machen!" wollte einen Monat lang an verschiedenen Spielorten 24 Inszenierungen von Theater, Tanz bis Performances oder Hörstücken präsentieren. Dann kam die zweite Welle.

Dortmund

, 12.11.2020, 14:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Monatelang wurde das Festival „Szene machen!“ geplant - mit Programmheft, Homepage und einer Premiere am 31. Oktober. Den ganzen November hindurch sollte es Tanz und Theater geben. Doch dann kam alles anders.

"Wir hatten die Hoffnung, es mit guten Hygienekonzepten und in einem kleineren Rahmen umsetzen zu können", so Nilüfer Kemper vom Verein "dott – Dortmunder Tanz-und Theaterszene e.V.", der das Festival veranstaltet. Die Veranstalter hatten sich mit der Ankündigung der verschärften Infektionsschutzmaßnahmen ab November bereits für die Absage der Premiere am 31.10. entschieden. Es wäre aus ihrer Sicht das falsche Zeichen gewesen, zwei Tage vor der Schließung aller Kulturorte noch eine solche Veranstaltung durchzuführen. Zeitgleich sollte aber auch eine Lösung für das gesamte Festivalprogramm gesucht werden.

Metamorphose statt Festivalabsage

"Es war schnell klar, dass wir nicht absagen möchten, sondern das Format ins Digitale transformieren", sagt Kemper. "Metamorphose statt Festivalabsage" war das neue Ziel. Die Abwägung zwischen Digitalisierung und Ausverkauf der Kunst, weil man nun sein Schaffen kostenfrei ins Netz stellt, war und ist dabei nicht einfach. Doch man stellte es den beteiligten Gruppen und Häusern frei, ob und wie sie sich bei dem digitalen Format einbringen.

Dabei soll das eigentliche Ziel des Festivals, die Sichtbarmachung der so vielfältigen freien darstellenden Szene, bleiben – und womöglich ist dies gerade jetzt wichtiger denn je.

Geplant waren 24 Inszenierungen in 30 Tagen

Zumal das Format "Szene machen!" in dieser Art bisher einzigartig ist. Geplant waren 24 unterschiedliche Inszenierungen in 30 Tagen. Dabei sollte ein facettenreiches Programm der szenischen Künste präsentiert werden – von Theater, Kinder- und Figurentheater, Tanz, Performances oder Hörstücken bis hin zu Filmen und Workshops.

Als Spielorte waren das Roto Theater, das Fletch Bizzel, das Theater im Depot, das sweetSixteen Kino, das Dietrich-Keuning-Haus sowie der Nachbarschaftsraum im Musik- und Kulturzentrum in der Güntherstraße geplant.

Digitale Plattform als neue Bühne

Von nun an werden nach und nach die geplanten Stücke, ihre jeweiligen Transformationen oder auch neue digitale Inszenierungen online veröffentlicht. Neben Hörspielen, Videobeiträgen und Interviews sind dabei noch partizipative und experimentelle Formate angedacht.

Geplant ist, alle paar Tage etwas Neues online zu präsentieren und dies dann auch den Dezember durch online zu lassen. "Es ist sowohl für uns als auch für die Künstler ein Experiment", so Kemper. Die ersten beiden Produktionen als Hörspiel und Film liefen bereits und weitere stehen zur Veröffentlichung bereit. Dabei sind Tanzvideos, Selbstinterviews, Online-Lesungen, Musikrevues oder auch audiovisuelle Experimente.

Live gespielt und live gefilmt: die Inszenierung "Positionen" von vier.D mit Pia Alena Wagner und Constantin Hochkeppel ist ebenfalls online zu sehen.

Live gespielt und live gefilmt: die Inszenierung "Positionen" von vier.D mit Pia Alena Wagner und Constantin Hochkeppel ist ebenfalls online zu sehen. © Jan Reckweg

Für alle beteiligten Künstler ist es eine schwierige Zeit. Die erneuten Einschränkungen des öffentlichen Lebens bringen eine Digitalitätsmüdigkeit mit sich. Zugleich ist es zermürbend, nie Planungssicherheit zu haben und sich immer wieder neu auszurichten und neu aufzustellen. Die freie Szene braucht also Unterstützung.

Termine des digitalen Festivals

Die Festivalbeiträge sind auf der Homepage des Vereins www.dott-netzwerk.de kostenlos zu sehen. Die nächsten Termine für Veröffentlichungen dort sind:
  • 13.11.: Team59 mit einem Videobeitrag zu Herren SPEZIAL
  • 16.11.: Interview mit Barbara Müller sowie eine Bilderstrecke zur Produktion „Das Blaue vom Himmel“
  • 20.11.: Auseinandersetzung von Jutta Seifert mit dem Stück „Der letzte Vorhang“.
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