Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen Fahrlehrer: Gericht fällt Urteil

mlzGerichts-Prozess

Ein Fahrlehrer aus einer Dortmunder Fahrschule musste sich vor Gericht verantworten. Eine ehemalige Schülerin hatte ihm Vergewaltigung vorgeworfen. Trotz des Urteils sind noch Fragen offen.

Dortmund

, 03.11.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach Vergewaltigungsvorwürfen ist ein Fahrlehrer einer Dortmunder Fahrschule freigesprochen worden. Eine ehemalige Fahrschülerin hatte den 42-jährigen Familienvater angezeigt und schwere Anschuldigungen gegen ihn erhoben.

Im März 2018 sei es bereits in der ersten Fahrstunde zu einem sexuellen Übergriff gekommen. Später habe eine der Fahrstunden die Beiden auf einen einsamen Feldweg in Kley geführt, wo der Mann die damals 20-Jährige bedrängt und letztendlich auch vergewaltigt habe.

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In der Anklageschrift stellte die Staatsanwaltschaft fest: Die Fahrschülerin sei dem 42-Jährigen körperlich weit unterlegen gewesen. Daher habe sie nicht die Kraft gehabt, sich gegen den Übergriff zu wehren und schließlich aus Angst alles über sich ergehen lassen.

Zeugenaussage widersprüchlich

Nach der Vernehmung der Zeugin hatten die Richter am Dortmunder Landgericht jedoch erhebliche Zweifel daran, dass sich alles tatsächlich so zugetragen hat. Die junge Frau begann ihre Aussage zwar mit den Worten: „Alles, was ich damals bei der Polizei erzählt habe, ist auch so passiert.“

Als sie auf Nachfrage jedoch Einzelheiten schildern sollte, mussten die Richter erkennen, dass die Schilderung der angeblichen Vergewaltigung deutlich von der ursprünglichen Erzählung bei der Polizei abwich.

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Der Angeklagte hatte bereits am ersten Verhandlungstag intensive sexuelle Kontakte mit der 20-Jährigen eingeräumt. Diese seien jedoch von der jungen Frau selbst ausgegangen. „Sie hat meine Hand geführt“, hatte der Angeklagte erklärt. Und: „Ich habe viermal nein gesagt, beim fünften Mal bin ich dann schwach geworden.“

„Sie hat ja gesagt“

Auf dem Feldweg ist es also nach dieser Schilderung zu einvernehmlichen sexuellen Kontakten gekommen. Zwang habe dabei überhaupt keine Rolle gespielt. Im Gegenteil: „Ich habe sie gefragt, ob sie das möchte – und sie hat ja gesagt“, so der Fahrlehrer.

Wer von beiden nun recht hat, mussten die Richter am Ende gar nicht hundertprozentig aufklären. Für sie stand nach der Aussage der Frau fest, dass darauf ganz jedenfalls keine Verurteilung gestützt werden konnte. Der Freispruch für den Fahrlehrer war daher unvermeidlich.

Angeklagter will Lizenz zurück

Ob der 42-Jährige jetzt auch Chancen hat, seine Lizenz zurückzubekommen, muss ein anderes Gericht klären. Tatsache ist, dass er seinen Job und seine Zulassung bereits am Tag nach der Anzeigenerstattung verloren hat. Gegen diese Maßnahme läuft ein Verfahren am Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen.

Entschieden ist dort natürlich noch nichts. Der Freispruch am Landgericht dürfte die Erfolgsaussichten des Angeklagten jedoch garantiert nicht verschlechtert haben.

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