Brackeler Friseurmeisterin schlägt Alarm: „Wir finden keine Angestellten“

mlzHandwerk

Muss der Brackeler Friseursalon Coiffeur-Charisma demnächst seine Öffnungszeiten reduzieren, weil er keine Angestellten mehr findet? Diese Gefahr sieht Inhaberin Renate Zimmer.

Brackel

, 09.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Friseurmeisterin Renate Zimmer von Coiffeur-Charisma am Brackeler Hellweg 109 schlägt Alarm: Wenn sie keine Nachfolgerin für eine Kollegin findet, die zum 1. April ausscheidet, muss sie die Öffnungszeiten reduzieren. Momentan ist ihr Friseurgeschäft, das sie bereits seit 22 Jahren betreibt, an sechs Tagen in der Woche - also auch montags -geöffnet. Das werde dann nicht mehr möglich sein.

„Früher musste ich 30 Bewerbungen verschicken“

„Früher, als ich selbst angefangen habe“, sagt Renate Zimmer, „musste ich 30 Bewerbungen verschicken, um eine Stelle zu bekommen.“ Das sei heute komplett anders, und zwar nicht nur im Fall ihres Salons - das gelte allgemein für die Branche. Womöglich habe der Friseurberuf einfach nach wie vor einen zu schlechten Ruf. Er sei anstrengend und man müsse den ganzen Tag stehen, heiße es allgemein. Aber, man verdiene gar nicht so schlecht, wie das gemeinhin angenommen werde, sagt Renate Zimmer. Ein weiterer Grund für die Misere sei vielleicht: „Heute machen viel mehr junge Leute Abitur und studieren danach. Diejenigen, die sich für eine Lehrstelle - zum Beispiel als Friseur - interessieren, werden weniger.“ Und bei denen sei die Arbeitsmoral nicht immer besonders ausgeprägt. Sie habe vom Arbeitsamt sechs mögliche Azubis zugewiesen bekommen, gemeldet habe sich bei ihr nie jemand von denen.

Der Coiffeur Charisma am Brackeler Hellweg 109 ist auf der Suche nach einer neuen Friseurin oder einem neuen Friseur

Der Coiffeur Charisma am Brackeler Hellweg 109 ist auf der Suche nach einer neuen Friseurin oder einem neuen Friseur. © Andreas Schröter

Dabei gebe es viele gute Seiten ihres Berufs, den sie liebe: Besonders schön sei es doch, dass es eine kreative Arbeit sei, bei der man gestalterisch tätig sein könne. Auch der Kontakt mit den Kunden sei oft bereichernd: „Manche Stammkunden werden sogar zu Freunden, und wir freuen uns, wenn wir sie sehen.“

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Zu wenige Kunden habe sie jedenfalls nicht, sagt Renate Zimmer und führt das auf eine konsequente Stammkunden-Pflege zurück. Sie halte nichts von speziellen Sonderaktionen, die dann vorübergehend viele fremde Menschen ins Geschäft spülen, die dann aber auch nie wiederkommen. Sicher habe es auch mal schwierige Zeiten gegeben, aber im Moment laufe das Geschäft gut. Ihr Salon, der früher dem Friseur Taugs gehörte, ist übrigens einer der allerersten in Brackel.

Innungs-Meister sieht Licht am Horizont

Auch der Dortmunder Friseur-Innungs-Meister Frank Kulig (63) bestätigt die Schwierigkeiten der Friseure, an geeignete Nachwuchskräfte zu kommen: „Vor 25 Jahren gab es 1200 Friseur-Azubis in Dortmund und Lünen, heute sind es 250.“ Dennoch sehe er einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Die Tendenz werde in letzter Zeit wieder besser. Grund sei vielleicht eine Ausbildungsoffensive der Kreishandwerkerschaft. Was allerdings seiner Ansicht nach bei Jugendlichen oft fehle, sei die richtige Arbeitshaltung für einen anstrengenden Beruf. Dabei gebe gerade dieser Beruf einem so viel zurück.

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