Die Fahrschulen äußern sich kritisch zu den aktuellen Bedingungen, unter denen sie praktische Fahrstunden anbieten dürfen. © picture alliance/dpa
Pandemie

Frust der Fahrschulen: Mehr Unterricht erlaubt – doch nicht alle finden das gut

Auf viel Hin und Her haben sich die Dortmunder Fahrschulen seit Beginn des Lockdowns einstellen müssen. Fahrstunden sind nun teils wieder erlaubt –doch das finden nicht alle gut.

Erst fanden sie wieder statt, dann nicht mehr und mittlerweile zumindest zum Teil: praktische Fahrstunden. Die Regeln ändern sich immer wieder: Was gilt wann und warum – Fragen, die sich einige Fahrschul-Mitarbeiter in Dortmund nur schwer beantworten können. Die Meinungen zur aktuellen Situation sind gespalten.

Ausnahme in aktueller Corona-Schutzverordnung

Noch Ende Dezember sowie in den Anfängen des Januars war sowohl der praktische als auch der theoretische Unterricht in Fahrschulen beinahe komplett untersagt. „Der Betrieb von Fahrschulen ist nur für berufsbezogene Ausbildungen zulässig“, legte die Corona-Schutzverordnung des Landes NRW fest.

Diese Formulierung gilt noch immer, doch mit der neuen Verordnung vom 11. Januar kamen Ausnahmen: Fahrschüler, die bis zum Beginn des Lockdowns bereits „mehr als die Hälfte der verpflichtenden Ausbildungsstunden absolviert“ haben, dürfen ihre praktische Ausbildung einschließlich der Prüfung fortsetzen.

Natürlich gelten dabei die üblichen Infektionsschutzmaßnahmen. Maske tragen, regelmäßiges Desinfizieren, Lüften. Doch die Einhaltung des Mindestabstands fällt dabei unter den Tisch.

Unverständnis über neue Lockerung

„Wir sind deutschlandweit scheinbar die Einzigen, die sich nicht anstecken, egal ob man Abstand hält oder nicht“, sagt Christian Bottmer mit ironischem Unterton. Er ist Fahrlehrer an der Fahrschule Szymanski, die es sowohl im Kreuzviertel als auch in der Nordstadt an der Schützenstraße in Dortmund gibt.

„Ich persönlich finde es ziemlich bescheuert, dass alle gelockdownt werden und wir sitzen jeden Tag so nah dran an verschiedenen Personen.“

Dies sehe er durchaus als „gesundheitlich heikel“. „Im ungünstigsten Fall sitzen Kollegen elf Mal 45 Minuten pro Tag jeweils mit verschiedenen Fahrschülern im Auto“, so Bottmer. „Auf die ganze Woche hochgerechnet, will man sich das Risiko gar nicht ausmalen.“

Schnelle Entwicklungen machen langfristige Planung unmöglich

Doch die Arbeit nun zu schmeißen, wäre ebenfalls riskant, denn staatliche Förderung könnte dann wegbrechen. Mittlerweile könne rund die Hälfte der Belegschaft wieder in gewohntem Ausmaß arbeiten, doch wie lange diese Regelung nun anhält, sei kaum absehbar.

„Um eine langfristige Planung mache ich mir gar keinen Kopf“, sagt der Leiter der Fahrschule, Andreas Szymanski. „Das macht einfach keinen Sinn, dafür entwickelt sich alles zu schnell.“

Man probiere, die Regelungen nicht mehr zu hinterfragen, sagt er, „aber die Sinnhaftigkeit geht gegen Null.“ Grundsätzlich sei er der Meinung: „Gesundheit ist natürlich wichtiger. Und Geld verdienen kommt dann eben an zweiter Stelle.“

Andere Fahrschulen auf praktische Fahrstunden angewiesen

Doch für einige Fahrschulen überwiegt eben doch der finanzielle Aspekt. Serkan Saglik von der Fahrschule Serkan nahe des Borsigplatzes ist froh, dass er wieder arbeiten kann.

Und doch reiche es unter den aktuellen Bedingungen nicht aus. Denn die meisten seiner Fahrschüler seien Neulinge, haben also noch nicht die Hälfte ihrer praktischen Fahrstunden abgeleistet.

Aktiv fahre der Einzelunternehmer derzeit mit fünf Schülern. Die Einnahmen halten sich also weiterhin in Grenzen. Warum Neulinge nicht fahren dürfen, könne er nicht verstehen: „Haben die Corona und die anderen aber nicht?“

Er plädiert für eine einheitliche Lösung – nur so könne er sein Geschäft retten. „Ich habe genug Sorgen. Andauernd auf staatliche Hilfen zu warten, die eh nicht kommen – was bringt mir das?“

FFP2-Masken sollen vor Ansteckung schützen

Jörg Victor, Inhaber der Fahrschule Gerlach an der Märkischen Straße, ist „froh, dass wir überhaupt wieder arbeiten dürfen.“ Er begrüße die aktuelle Regelung und sorge sich nicht um die mögliche Ansteckungsgefahr.

„Noch ist mir kein Fall bekannt, bei dem sich ein Fahrlehrer bei einem Schüler angesteckt hat.“ Er vertraue auf die FFP2-Masken, die beide Parteien im Auto tragen müssen.

Ohne Führerschein keinen Job

Und auch für einige Fahrschüler ist es wichtig, dass Fahrstunden wieder stattfinden dürfen. Stark betroffen von der aktuellen Situation ist nämlich auch Fahrschüler Sevket Aslan.

Über das Jobcenter habe er einen Job gefunden, für den er jedoch einen Führerschein brauche. Nach Genehmigung durch das Jobcenter habe Aslan sich daraufhin schon im Juni vergangenen Jahres an einer Fahrschule in Dortmund angemeldet.

Lockdown zögert Führerscheinprüfung hinaus

Als er schließlich die ersten Stunden fahren konnte, kam der Lockdown. „Ich weiß, dass alle Fahrschüler warten, bis es weitergeht. Aber bei mir fragt halt das Arbeitsamt immer nach.“

Er werde natürlich nicht für die Situation verantwortlich gemacht und „die helfen auch und verstehen das. Aber trotzdem hab ich einfach Angst, dass sie irgendwann nicht länger warten, bis ich den Führerschein habe“, sorgte sich Aslan bereits im Gespräch vor der ersten Verlängerung des schärferen Lockdowns.

Dabei ist es nun an Aslan selbst, zu warten. Denn prinzipiell dürfte er zwar mittlerweile die nächsten Fahrstunden antreten, doch ist im Laufe der Zeit, als dies nicht erlaubt war, die Förderungs-Bewilligung des Jobcenters abgelaufen.

„Jetzt fehlt das Geld“, erklärt er. Und ohne diese finanzielle Unterstützung könne er die Kosten des Führerscheins derzeit nicht stemmen. „Für Menschen, die gerade arbeitslos sind, wird das Geld immer knapper.“

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1998 im Rheinland geboren und seit ein paar Jahren zum Studieren im Ruhrgebiet Zuhause. Verschiedene Menschen und ihre Geschichten - das möchte ich erleben und darüber berichten.
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Tabea Prünte

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