Fünf Flops aus der Amtszeit von Oberbürgermeister Ullrich Sierau

mlzZum Abschied

Oberbürgermeister Ullrich Sierau ist ein Meister des Marketings, spricht von seiner Stadt häufig in Superlativen. Aber nicht alles in seiner Amtszeit war Gold: fünf Flops.

Dortmund

, 30.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vieles ist Oberbürgermeister Ullrich Sierau in seiner elfjährigen Amtszeit gelungen, Dortmund steht in vielerlei Hinsicht besser und erfolgreicher da als andere Ruhrgebietsstädte, doch Sierau musste auch einiges an Kritik einstecken, davon manches zu Recht.

Das eine oder andere hat er später eingeräumt und sich auch entschuldigt, doch das meiste würde er wohl wieder so machen. Die Redaktion hat fünf Flops ausgemacht.

1. Projekte, die gescheitert sind oder auf der Stelle treten

Trotz seiner Energie ist Sierau daran gescheitert, das einst groß gedachte Bahnhofs-Projekt auf die Schiene zu setzen. Jetzt bekommt Dortmund einen modernisierten Provinzbahnhof. Auch bei der Verkehrswende und dem Ausbau von Radwegen tritt die Stadt auf der Stelle, obwohl Sierau selbst passionierter Radfahrer ist. Die City hat in Sachen Attraktivität Nachholbedarf. Die Umgestaltung der Kampstraße ist eine unendliche Geschichte. Wer die Bürgerdienste unter der Telefonnummer 500 zu erreichen versucht, muss viel Geduld haben.

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2. Modernisierung der Verwaltung geht zu langsam voran

Corona verschafft zwar auch der Stadtverwaltung einen Schub in Sachen Digitalisierung, doch diese ist in den vergangenen Jahren zu langsam vorangegangen. Die Stadt ist ihrem Titel „Digitalste Stadt Deutschlands“, den sie von der „Stiftung Lebendige Stadt“ im Jahr 2018 verliehen bekommen hat, bislang nicht gerecht geworden.

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3. Der rote Filz ist wieder aufgelebt

Es sollte bei der Besetzung von Führungspositionen in der Stadtverwaltung nach fachlicher Qualifikation gehen und nicht nach Parteibuch – mit diesem Anspruch war Sierau angetreten. Wenn auch bei der Frauenförderung erfolgreich, hat es einige Filz-Rückfälle und Versuche gegeben, verdiente Genossen in attraktive Positionen zu hieven: So wurde Wirtschaftsförderer Udo Mager (SPD) Flughafenchef (inzwischen im Ruhestand) und der ehemalige Geschäftsführer der SPD-Ratsfraktion, Christian Uhr, Personaldezernent der Stadt. Der Versuch, Jens Peick, Referent im OB-Amt und Vize-Vorsitzender der Dortmunder SPD, auf den Posten des Arbeitsdirektors im Klinikum zu setzen, scheiterte allerdings.

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4. Sieraus Auftreten gab wiederholt Anlass zur Kritik

Die einen sagen, Ullrich Sierau hat Durchsetzungsvermögen und zeigt klare Kante, andere nennen es unangemessenes Benehmen und mangelnde Kritikfähigkeit, wenn er sich in seiner aufbrausenden Art schon mal im Ton vergreift. So machte im Jahr 2011 sein Auftreten gegenüber Polizeibeamten Schlagzeilen, die ihn mit dem Handy telefonierend auf dem Fahrrad erwischten, und die er dann zusammenstauchte. Sierau entschuldigte sich später und machte eine Spende an die Verkehrswacht.

Den „Dortmund-Tatort“ wollte er abschaffen und Ermittler Peter Faber (Jörg Hartmann) in Pension schicken, als ihm bei einer Folge wegen der dargestellten Klischees die Hutschnur riss. Später trank er mit Jörg Hartmann ein Versöhnungs-Pilsken auf Phoenix-West.

Erst vor wenigen Wochen kam es erneut zu umstrittenen Äußerungen. Sierau hatte in seiner Wut übergeordnete Entscheidungsträger des Landes in Clan-Jargon heftig attackiert, weil sie die Kommunen finanziell nicht ausreichend unterstützen würden: „Ihnen ist es egal, weil sie glauben, dass wir nicht wissen, wo sie wohnen. Aber das ist rauszubekommen.“

5. Sierau betreibt Dortmund-Marketing – und übertreibt oft dabei

Sierau ist Dortmunder aus Leidenschaft und betreibt als Botschafter Marketing für seine Stadt, übertreibt dabei aber zuweilen, wenn er etwa das Potenzial der Nordstadt mit dem angesagten Londoner Stadtteil Notting Hill vergleicht. Durch die großspurigen Superlative, die er häufig für Dortmund und die Stadtverwaltung benutzt, schüttet er offensichtliche Probleme wie die anhaltende Kinderarmut und das soziale Gefälle in Dortmund zumindest verbal zu.

Fünf Tops aus Sieraus Amtszeit

Wir haben uns natürlich nicht nur mit dem beschäftigt, was in Ullrich Sieraus Amtszeit schiefgelaufen ist. Fünf Dinge, die er als Oberbürgermeister richtig gut gemacht hat, haben wir hier zusammengestellt:
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