Für Gastronomen gibt es eine Versicherung gegen die Corona-Krise - Carlos hat sie nicht

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Carlos Couto ist seit 20 Jahren eine feste gastronomische Größe in Dortmund. Auch er muss wegen Corona um seine drei Restaurants fürchten. Doch allein gelassen fühlt er sich nicht.

Dortmund

, 26.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Carlos Couto dachte wie viele: „In vier Wochen ist alles vorbei“. Er nahm das Coronavirus anfangs eher gelassen. Doch nun hat der portugiesische Kult-Gastronom mit Restaurants in Dortmund, Lünen und Schwerte seine drei Betriebe geschlossen.

Es war am Flughafen, als er am 15. März aus Portugal zurückkam und das erste Mal die gespenstische Atmosphäre wahrnahm. Er hatte gerade einen Auftrag für seinen Foodtruck – eine Veranstaltung mit 1500 Personen – verloren. Abgeblasen.

„Du Schatz“, sagte er zu seiner Frau, „wir müssen handeln, allein schon wegen der Mitarbeiter.“ Auch wegen der betagten Mutter zuhause und der Schwiegereltern, die Vorerkrankungen haben. Zu groß ist die Ansteckungsgefahr. Das hat Carlos Couto bei seiner Rückkehr nach Deutschland begriffen.

„Leute, jetzt wird‘s ernst“

Am Samstag (21.3.) nach Feierabend rief er alle 70 Mitarbeiter in dem Restaurant in Schwerte zusammen. „Leute, jetzt wird‘s ernst“, hat er ihnen gesagt, er werde alles versuchen, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

Ein Blick in das Restaurant Carlos in Benninghofen

Ein Blick in das Restaurant Carlos in Benninghofen © Archiv

Kurzarbeit wird er anmelden. Einen Lieferservice anzubieten – darauf verzichtet er, obwohl Stammgäste ihn wissen ließen: „Jetzt ein schönes Hähnchen, das würde ich auch abholen.“ Doch ein Lieferservice würde sich für ihn nicht lohnen angesichts der Nebenkosten. „Und alleine schaffen es meine Frau und ich nicht. Dann bräuchten wir Mitarbeiter.“ Und die will er schützen.

Sein Bankberater hat ihm noch am Dienstag (24.3.) gesagt, dass er wohl drei Monate auf Geld vom Staat warten müsse. „Wenn das wirklich drei Monate dauert, dann bin ich im nächsten Monat platt“, sagt Carlos. Die Hälfte der ausstehenden Löhne zahlt er komplett selbst, für die Kurzarbeit tritt er in Vorkasse.

Betriebsschließungsversicherung

Doch so schlimm, dass Carlos Couto seine Restaurants für immer schließen muss, wird es hoffentlich nicht. „Da finden wir eine Lösung“, sagt sein Dortmunder Versicherungsmakler Christoph Brücher, geschäftsführender Gesellschafter von Marx & Marx. Eine Möglichkeit wäre eine Bürgschaftsversicherung.

Christoph Brücher, geschäftsführender Gesellschafter von Marx & Marx, versucht mit seinen 30 Mitarbeitern, der heimischen Wirtschaft in der Krise zu helfen.

Christoph Brücher, geschäftsführender Gesellschafter von Marx & Marx, versucht mit seinen 30 Mitarbeitern, der heimischen Wirtschaft in der Krise zu helfen. © Stephan Schütze

Besser aber wäre eine sogenannte Betriebschließungsversicherung, die manche Dortmunder Gastronomen schon vor langer Zeit abgeschlossen haben, berichtet Brücher. Das gibt es für Gastronomie- und Lebensmittel verarbeitende Betriebe. „Diese Versicherung gibt es schon ewig und drei Tage, ein alter Hut“, sagt Brücher. Gedacht ist sie zum Beispiel für den Fall, dass sich jemand eine Infektion oder eine Lebensmittelvergiftung einfängt, die dazu führt, dass das Gesundheitsamt beziehungsweise das Ordnungsamt einen Betrieb schließt. Corona hatte damals noch niemand auf dem Plan.

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Carlos Couto ist nicht allein

Wer heute so eine Versicherung hat, kann durchatmen. Carlos Couto würde sie auch gern abschließen, doch inzwischen haben sich die Versicherungsbedingungen geändert. Gegen solche Krankheiten wie Covid-19 will keine Versicherung mehr das Risiko übernehmen.

Carlos Couto ist dennoch nicht allein: „Hast du eine Bank, die hinter dir steht, wie ich sie habe, und Unterstützung vom Versicherungsmakler und Steuerberater, der sich viel Mühe gibt, wirkt das zumindest beruhigend“, sagt er.

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„Es geht um unsere Existenz“, betont Couto, „aber es geht auch um die Gesundheit aller, um Menschen, die vielleicht morgen nicht mehr da sind.“ Seine Schwester, Leiterin des Restaurants in Benninghofen, musste sich testen lassen, weil ihre Hausärztin infiziert war. Das Ergebnis lautete: negativ. Carlos Couto: „Da habe ich gesehen, wie schnell das geht und wie nah man an der Geschichte dran ist.“

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