"Für Kunst war keine Zeit"

25. Geburtstag hat das Künstlerhaus am Sunderweg gestern gefeiert. 2000 Künstler haben sich in 250 Ausstellungen vorgestellt, 100 haben unter dem Dach des Künstlerhauses seit 1983 gearbeitet. Julia Gaß sprach mit Gründungsmitglied Antje Hassinger (47).

13.01.2008, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie entstand die Idee, das Künstlerhaus zu gründen?

Hassinger: Viele Gründungsmitglieder, auch ich, haben in diesem Haus studiert. Damals war die Fachhochschule für Objekt-Design drin. Als die auszog, sollte das Haus abgerissen werden. Wir haben das Klima geliebt, das war so familiär, wir haben uns wohlgefühlt, deshalb wollten wir nicht raus.

Und da haben Sie das Haus besetzt?

Hassinger: Wir wollten keine Hausbesetzer sein. Es war eine Gründungszeit, aber auch eine Zeit, in der Kulturzentren wie der Heidehof und das Kulturhaus Wischlingen geschlossen wurden. Wir haben das große Glück gehabt, dass das Land uns schnell unterstützt hat.

Gab es Vorbilder?

Hassinger: Das Kunsthaus Bethanien in Berlin, mit dem hatten wir auch Kontakt. Und wir haben uns etablierte Künstler dazu geholt wie Jürgen Spiler.

Haben Sie mehr Zeit mit dem Renovieren oder mit künstlerischer Arbeit verbracht?

Hassinger: Wir haben anderthalb Jahre nur renoviert. Für die Kunst war keine Zeit.

Was war das für ein Gefühl bei der ersten Ausstellungseröffnung?

Hassinger: Das war 1986. Überwältigend. 1000 Besucher standen vor der Tür, die passten gar nicht alle rein.

Sie waren damals im 3. Semester. Heute sind sie eine bekannte, etablierte Künstlerin. War das Künstlerhaus eine Hilfe auf diesem Weg?

Hassinger: Ja. Ich habe hier 16 Jahre unterm Dach gearbeitet und gewohnt. Das Atelier war gut fürs Selbstwertgefühl. Wir hatten viel Austausch, viel Platz und viele Möglichkeiten.

Künstler aus allen fünf Kontinenten haben hier ausgestellt. Hat das den Horizont der Künstler erweitert?

Hassinger: Sicher, der Austausch hat mich auch künstlerisch beeinflusst. Unser Ziel war von Anfang an, nicht nur Ausstellungsflächen für uns zu schaffen, sondern auch für internationale Künstler.

Warum sind Sie nach 16 Jahren ausgezogen?

Hassinger: Um Platz für Jüngere zu machen. Und sich so engagieren, das kann man nur ein paar Jahre. Die Organisation war anstrengend.

Hat sich die Kunstszene verändert seit 1983?

Hassinger: Ich glaube, die jungen Künstler heute haben viel mehr Lebenskonzept. Die würden nicht so viel Zeit wie wir verschwenden.

60 000 Euro Jahresetat hat das Künstlerhaus. Reicht das, und was wünschen Sie dem Haus für die Zukunft?

Hassinger: Weitere Unterstützung von der Stadt. Anfangs haben uns alle belächelt, das hat sich geändert. Viele Politiker haben nie deutlich gemacht, dass sie das Haus mögen. Als bei der Beerdigung von Prof. Theo Uhlmann statt Kranzspenden um Geld für das Künstlerhaus gebeten wurde, hat mich das sehr gerührt.

Jetzt wird das Museum im Dortmunder U in fußläufiger Nachbarschaft eröffnet. Eine Chance fürs Künstlerhaus?

Hassinger: Eine Chance ist das, aber wenn ich hier noch drin wäre, würde ich vorschlagen, mit dem Künstlerhaus ins Ostwall-Museum zu ziehen.

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