Hilferuf des FZW: Viele Clubs sind bald pleite und müssen schließen

mlzKeine Konzerte wegen Corona

Das FZW in Dortmund hat gemeinsam mit anderen Livemusik-Stätten einen Hilferuf gesendet. Je länger der kulturelle Lockdown dauert, umso mehr Clubs müssten schließen. Es gibt viele Probleme.

Dortmund

, 15.05.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das FZW in Dortmund fürchtet wie viele andere Live-Musik-Clubs in Deutschland um seine Existenz. Das wird in einem Schreiben deutlich, das von den Betreibern von über 30 Locations zwischen Hamburg und Nürnberg unterzeichnet ist.

Volker May, Geschäftsführer der FZW Event GmbH, sagt: „Für einen großen Teil unserer Gesellschaft wäre es fatal, wenn die Bedeutung von Club-, Nacht- und Konzertkultur weiter unterschätzt wird und die entsprechenden Betriebe schließen müssen, weil sie nicht ausreichend unterstützt werden.“

FZW-Chef: Clubs sind der „soziale Klebstoff“ der Gesellschaft

Clubs seien „sozio-kulturelle Treffpunkte und stellen damit den sozialen Klebstoff für den jüngeren und älteren Teil unserer Gesellschaft dar“, Sie seien „identitätsprägend für ihre Stadt oder Region“.

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Die körperliche Nähe bei Konzerten oder Clubabenden ist dabei nach Ansicht der Clubbetreiber nicht zu ersetzen. Nach aktuellen Coronaschutzvorgaben von Bund und Ländern läge zukünftig bei Clubs unter 1000 Quadratmetern die maximale Auslastung der meisten Clubs bei rund 20 Prozent. Im FZW entspräche dies bei einem ausverkauften Konzert in der Halle rund 250 Personen.

Betreiber benennen konkrete Probleme in der Finanzierung

„Damit können die Kosten nicht aus den Einnahmen der Tickets und Getränken gedeckt werden, denn die Preise können nicht derart erhöht werden. Unabhängig davon, dass sich niemand eine solche Konzertsituation oder Clubnacht vorstellen mag“, heißt es in dem Schreiben aus der Live-Musik-Szene.

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Hierin sind sehr konkret die aktuellen Probleme in der Finanzierung der ungenutzten Spielorte aufgeführt.

  • Absehbare Zahlungsunfähigkeit: Der Liquiditätsbedarf ist hoch, weil Veranstaltungen ausfallen. Banken seien deshalb in vielen Fällen nicht gewillt, weiterzuzahlen, da der Zeitpunkt der Rückkehr zum Geschäftsmodell ungewiss ist. „Vor allem mittelgroße Unternehmen erhalten entweder keine weiteren Kredite oder müssen außergewöhnlich viel Eigenkapital und Sicherheiten stellen“, so die Club-Betreiber.
  • Überschuldung: Da es keine Einnahmen gibt, laufen viele Betriebe auf eine „bilanzielle Überschuldung“ - und damit auf die Insolvenz - zu.
  • Fixkosten: Neben der Miete laufen viele Fixkosten für vorgeschriebene technische Wartungen und Prüfungen, Personalschulungen oder Schädlingsbekämpfung weiter. Dass man diese Kosten durch spätere Einnahmen kompensieren kann, sei unwahrscheinlich: „Eine erhöhte Wirtschaftlichkeit nach Wiedereröffnung, die notwendig wäre, ist wenig realistisch“, heißt es in dem Schreiben.

Diese Forderungen hat die Livemusik-Wirtschaft an die Politik

Der Zusammenschluss Kultur-Unternehmen um das Dortmunder FZW fordert bessere Rahmenbedingungen für die Branche. Die Vorschläge in einem „Appell“ an die Politik lauten:

  • Kreditprogramme sollten so gestaltet sein, dass sie ohne Bedingungen und vollständig abgesichert mit deutlich längeren Laufzeiten und längerer anfänglicher Tilgungsaussetzung möglich sind. Private Rücklagen oder Rücklagen zur Altersvorsorge dürfen nicht verloren gehen.
  • Mit dem Werkzeug des „Verlustrücktrags“ sollte sichergestellt werden, dass Unternehmen gerettet werden können, die in der Vergangenheit erfolgreich gewirtschaftet und regelmäßig Steuern gezahlt haben.
  • Es sollte einen Fixkostenzuschuss durch einen weiteren Nothilfefonds von 2 Prozent des durchschnittlichen Jahresumsatzes aus dem Jahr 2019 geben.
  • Ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent auf Getränke/Essen bei Konzerten

FZW-Geschäftsführer Volker May sagt: „Die Clubs zu verlieren, würde bedeuten, jahrzehntelange Aufbauarbeit gering zu schätzen und zahlreichen Menschen die Möglichkeit zu nehmen, ihre Form von Kultur zu leben.“

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