Mitarbeiter wehren sich - Sierau will Schließungen noch abwenden

mlzGaleria Karstadt Kaufhof

Tatenlos will Dortmund die Schließungspläne von Galeria Karstadt Kaufhof nicht hinnehmen: Die Mitarbeiter starten jetzt Unterschriftensammlungen, im Rathaus kommt eine Krisenrunde zusammen.

Dortmund

, 22.06.2020, 16:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schockstarre hat sich gelegt: Die 350 Beschäftigten von Galeria Karstadt Kaufhof und die knapp 100 Mitarbeiter von Karstadt-Sport stemmen sich gegen die Schließungspläne - und hoffen auf die Solidarität der Dortmunder.

Ab Dienstag (23.6.) sollen in allen drei Häusern Unterschriftenlisten ausgelegt werden, in die sich Kunden eintragen können. Ab Mittwoch (24.6.) soll es ab 9.30 Uhr auch Info-Stände mit Unterschriftenlisten vor den Häusern geben.

Eine größere Aktion mit der Gewerkschaft Verdi ist in der zweiten Wochenhälfte geplant. „Wir werden Flagge zeigen und kämpfen“, kündigt Betriebsratsvorsitzender Gerhard Löpke an. „Der erste Schock ist vorbei, jetzt kommt die Wut.“

Inzwischen hat Oberbürgermeister Ullrich Sierau für Montagabend (22.6.) Vertreter aus mehreren gesellschaftlichen Gruppen zu einem „Runden Tisch“ ins Rathaus eingeladen. Dem Auftakt soll bereits am Dienstag (23.6.) ein weiteres Treffen folgen.

Die Teilnehmer wollen herausfinden, wie ernst es dem Konzern mit seinen Schließungsplänen ist. Gibt es Verhandlungsspielraum? Im optimalen Fall soll eine Strategie geschmiedet werden, mit der die Schließungen doch noch vom Tisch kommen. Eingeladen sind unter anderem der DGB, die Gewerkschaft Verdi sowie Betriebsräte und Vertreter von IHK und Handelsverband.

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Auch für den OB bleibt das Vorgehen des Unternehmens „in keiner Weise nachvollziehbar“. Dass der Konzern sowohl das Karstadt- als auch das Kaufhof-Gebäude schließen will, hatte bereits am Freitag (19.6.) für einen Schock gesorgt. Das I-Tüpfelchen kam am Samstag (20.6.), als Galeria Karstadt Kaufhof den Abgesang auch für das Sporthaus anstimmte.

Konzern soll Karten offenlegen

2002 eröffnet, hatte der Karstadt-Konzern das von ihm gemietete Sporthaus noch auf eigene Kosten mit Technik (Rolltreppen, Lüftung, Heizung) ausgestattet. „Das ist vollkommen unverständlich“, winkt Betriebsratsvorsitzender Löpke ab. „Mit dem Sportangebot hatten wir in der City fast ein Alleinstellungsmerkmal.“

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Mit Verwunderung registrieren die Stadtspitzen, dass der Konzern die Stadt über die Schließungspläne offiziell noch immer nicht informiert hat. Nach wie vor ergibt sich auch für Sierau kein klares Bild. Die Ankündigung, „sich durchgängig von allen A-Standorten zurückzuziehen, ist nicht plausibel“, sagte der OB auf Anfrage.

„Uns erschließt sich nicht, wie ein Unternehmen mit einer solchen Strategie auf gesunde Füße kommen sollte“, so Sierau, der engen Kontakt mit den Oberhäuptern weiterer betroffener Städte hält. Im Rathaus soll analysiert werden, ob und wie es gelingen kann, den Kahlschlag in Dortmund zu verhindern. Vor allem wird gerätselt, welche Forderungen der Konzern dabei auf den Tisch legen könnte.

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