Gastronom: „Ich habe die Batterie gezündet“

Silvester-Drama im Jammertal

Im „Böller-Prozess“ gegen einen Gastwirt (51) aus Lütgendortmund hat der Angeklagte am Dienstag noch einmal beteuert, dass er - und nicht sein minderjähriger Sohn - die „Unglücksbatterie“ vor dem Hotel Jammertal gezündet hat. Die Staatsanwaltschaft hat genau das bis zuletzt infrage gestellt.

DORTMUND/DATTELN/BOCHUM

, 14.11.2017, 15:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einer Frau musste nach den Vorfällen am 1. Januar 2016 der rechte Fuß amputiert werden und 14 weitere Verletzte wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht.

Einer Frau musste nach den Vorfällen am 1. Januar 2016 der rechte Fuß amputiert werden und 14 weitere Verletzte wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. © Foto: Marcel Kusch

„Entweder stellte er sie selbst auf und brachte sie zur Zündung oder aber er ließ seinen Sohn dies mit seiner Zustimmung vornehmen, ohne jedoch einzugreifen“, heißt es in der Anklageschrift wörtlich.

Auf Nachfrage von Richterin Susanne Schön-Winkler, ob es sein könne, dass der Angeklagte sich möglicherweise vor seinen Sohn werfe, indem er im Prozess die alleinige Verantwortung übernehme, antwortete der Gastronom mit fester Stimme: „Nein. Es ist so gewesen, wie ich es schon gesagt habe: Ich habe die Batterie gezündet.“

Sohn war bei Silvesterfeuerwerk vor Ort

Dass sein Sohn beim Silvesterfeuerwerk am Hotel Jammertal dabei gewesen sei, sei richtig. Auch habe er gemeinsam mit dem 16-Jährigen nach dem verheerenden Feuerwerks-Unglück gesehen, dass es die von ihnen mitgebrachte Raketenbatterie gewesen ist, die umgekippt war – und dadurch Querschläger in Richtung Menschenmenge getrieben hatte.

Danach habe er selbst seinem Sohn gegenüber die Devise ausgegeben: „Sag‘ davon am besten erstmal gar nichts.“ Und so sei es dann auch passiert. Der Angeklagte: „Er hat das Thema dann auch nicht weiter angesprochen und hat immer nur gesagt, lass mich zufrieden damit.“

Angestellte des Hotels verlor Unterschenkel

Fakt ist: Zahlreiche Personen erlitten damals am 1. Januar 2016 Knalltraumata und Verbrennungen - einer Angestellten des Hotels in Datteln musste sogar ein Unterschenkel amputiert werden. Der Lütgendortmunder Gastronom hatte bereits zum Prozessauftakt zugegeben, kurz nach dem offiziellen Hotel-Feuerwerk eine eigene Raketenbatterie gezündet zu haben.

Laut Anklage war die in China produzierte und in Tschechien vertriebe „Unglücksbatterie“ allein für Großfeuerwerk gedacht. Sie war weder in Deutschland zugelassen, noch für den Privatgebrauch gedacht. Der Gastronom hatte berichtet, dass er den Raketen-Karton kurz zuvor von einem Vertreter in seinem Lokal gegen vier Pizzas eingetauscht habe. Der Prozess wird fortgesetzt.

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