SOS: Restaurants rufen mit 1000 Stühlen auf dem Friedensplatz um Hilfe

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Dortmundern, die am Samstag (9.5.) über den Friedensplatz gehen wollten, wurde der Weg von rund 1000 Stühlen blockiert. Die Organisatoren der Aktion sind „langsam entmutigt“. Darum geht‘s.

Dortmund

, 09.05.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Flugzeug-Besatzungen, die am Samstagvormittag (9. Mai) über die Dortmunder City flogen, waren vermutlich kurz überrascht. „Sind hier Menschen gestrandet?“, könnte man meinen. Denn in roten, großen Lettern wurde ein „SOS“ auf dem Friedensplatz geformt.

Gestrandet ist hier aber niemand. Gerettet werden will die Dortmunder Gastro-Initiative trotzdem, denn die steckt hinter der Aktion.

Die Öffnung wird zum Problem

Rund 1000 schwarze und rote Stühle wurden im Rahmen einer angemeldeten Aktion ab 9 Uhr vor dem Rathaus aufgebaut. Vereinzelte Passanten blieben stehen und blickten verwirrt über den bestuhlten Friedensplatz.

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Das „Gastrostillsterben“ ist eine Art stiller Protest. Denn laut des Mit-Initiators Philip Winterkamp (43) von der Muto-Gastronomie sei man „langsam entmutigt“. Denn die Corona-Pandemie mit ihren Schutzmaßnahmen und Schließungen treffe besonders die Gastronomie stark.

Zwar dürfe man ab Montag (11.5.) wieder öffnen, aber nur im kleinen Rahmen, unter halber Auslastung. Das sei zwar „toll“, aber auch ein Problem, so Winterkamp.

Die Aktion wurde von Markus Riepe, Jörg Prüser und Philip Winterkamp (v.l.) von der Gastro-Initiative organisiert.

Die Aktion wurde von Markus Riepe, Jörg Prüser und Philip Winterkamp (v.l.) von der Gastro-Initiative organisiert. © Robin Albers

Denn selbst wenn die erlaubte Auslastung erreicht werde, reiche das nicht, um den laufenden Betrieb zu refinanzieren. Häufig lebe man im Gastro-Gewerbe „von der Hand in den Mund“. Die Einnahmen decken gerade so die Ausgaben – auch in gut laufenden Restaurants.

Das sei besonders problematisch für kleinere Unternehmen, da „würde ich mir dreimal überlegen, ob ich überhaupt aufmache“, findet Markus Riepe von den Ringhotels, ebenfalls einer der Organisatoren der Aktion.

Appell an die Politik

Doch zu den finanziellen Engpässen kommt noch etwas dazu: Noch sei laut Winterkamp nicht klar, wie die genauen Auflagen für die Öffnung der Gastronomie in Dortmund lauten. Die Zeit für eventuelle Vorbereitungen ist am Samstag also schon knapp. „Vermutlich lesen wir am Dienstag, wie wir am Montag hätten aufmachen dürfen“, scherzt Winterkamp.

Die Aktion der Gastro-Initiative ist ein Hilferuf, aber auch ein Appell an die Stadt Dortmund und den Staat. Das Kurzarbeitergeld und die Auffang-Kredite seien zwar hilfreich, aber bei weitem nicht ausreichend, findet Jörg Prüser. Er hat ein Catering-Unternehmen, ihn treffe die Corona-Pandemie besonders hart: Da Veranstaltungen bis auf Weiteres untersagt sind, habe er auch keine Aufträge.

Die Gastro-Initiative wünscht sich von der Politik mehr Wertschätzung und weiterreichende Unterstützung, Fonds, wie zum Beispiel in Leverkusen. Oder mehr staatliche Fördermittel. Winterkamp, Riepe und Prüser sind sich sicher: Trotz Öffnung komme ab Montag die „Pleitewelle erst richtig ins Rollen“.

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