Geburten zu Corona-Zeiten: die Konzepte der Dortmunder Kliniken

mlzCoronavirus

Werdende Eltern haben derzeit viele Fragen: Darf beispielsweise der Vater mit in den Kreißsaal? Wir haben die Angebote und Regeln der Dortmunder Geburtskliniken in der Übersicht.

Dortmund

, 16.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn das Coronavirus nicht wäre, wäre in Dortmunds Kreißsälen alles wie immer: Das Kind kommt, der Vater ist dabei, Freunde und Familie kommen nach ein paar Stunden ins Krankenhaus, um sich das Baby anzusehen. Das ist gerade aber nicht möglich.

Eine Bestandsaufnahme der derzeitigen Corona-Regelungen in den vier Geburtshilfe-Stationen zeigt eine große Gemeinsamkeit: Die Väter dürfen bei der Geburt selbst dabei sein. Unterschiede gibt es allerdings im Davor und Danach.

Auch für die beliebten Kreißsaalführungen, die auch nicht wie gewohnt stattfinden können, haben die Kliniken unterschiedliche Konzepte.

Das Johannes-Hospital im Klinikviertel beantwortet die wichtigsten Fragen in einem FAQ auf der Homepage - als Ersatz für die Kreißsaalführungen vor Ort.

Demnach darf die Begleitperson der Mutter bei der Geburt und auch beim Kaiserschnitt dabei sein. Sobald Kind und Mutter auf die Station verlegt werden, muss aufgrund der strengen Hygieneregeln die Begleitung das Krankenhaus verlassen. In der Regel bleiben bis dahin rund zwei Stunden gemeinsame Zeit.

Familienzimmer, in denen Mutter, Vater und Kind unter sich sind, könne das „Joho“ derzeit nicht anbieten: „Wir hoffen, dass sich die Lage bald entspannt.“ Eine virtuelle Kreißsaalführung sei zudem gerade in Arbeit (Stand 15. April, 14 Uhr).

Jetzt lesen

Auch im benachbarten Klinikum darf der Vater oder eine andere Bezugsperson bei der Geburt dabei sein, heißt es auf Anfrage: „Wer im Familienzimmer untergebracht ist, darf die komplette Zeit nach der Geburt begleiten, muss aber auf dem Zimmer bleiben.“

Das Klinikum an der Beurhausstraße hat eine von vier Geburtshilfe-Stationen in Dortmund.

Das Klinikum an der Beurhausstraße hat eine von vier Geburtshilfe-Stationen in Dortmund. © Stephan Schütze (Archiv)

Diejenigen, die kein Familienzimmer haben, müssen dennoch nicht getrennt bleiben. Zwischen 15 und 16 Uhr könne die Begleitperson, die auch bei der Geburt war, Mutter und Kind im Klinikum besuchen: „Es sollte aber immer die gleiche Person sein.“

Kreißsaalführungen bietet das Klinikum eigentlich einmal im Monat an, der nächste planmäßige Termin ist der 4. Mai. „Dieser Termin ist noch nicht abgesagt“, so das Klinikum. Sollte er ausfallen, verweist das Krankenhaus auf die bestehenden Online-Angebote. So gibt es bei Youtube eine Führung per Video aus dem Februar 2018. „Wir überlegen derzeit, eine aktuelle Version zu machen“, so das Klinikum.

Das St.-Josefs-Hospital in Hörde mit seiner Geburtsklinik Josefino werde gerade von „Geburten überrannt“, wie Chefarzt Dr. Christoph Hemcke sagt. Und doch: „Es ist eigentlich ganz entspannt gerade.“

Denn die fehlenden Besucher-Kohorten sorgen anscheinend dafür, dass die frischgebackenen Mütter gerade mehr Ruhe für sich und ihr Kind haben als in der Nicht-Corona-Zeit, wo laut Hemcke schon strenge Besuchszeiten gelten.

Die gute Nachricht für werdende Väter in Dortmund: Sie dürfen bei der Geburt dabei sein.

Die gute Nachricht für werdende Väter in Dortmund: Sie dürfen bei der Geburt dabei sein. © picture alliance/dpa

Auch in Hörde darf der Vater nach vorheriger Absprache bei der Geburt dabei sein. Und damit er möglichst wenig Kontakt zu anderen Patientinnen hat, hat sich das Josefs etwas einfallen lassen. „Wir haben ein verlassenes Treppenhaus reaktiviert und es als Zugang für die Väter geöffnet.“

Jetzt lesen

Wenn die Väter einmal da sind, müssen sie auch drin bleiben - eine Wiederkehr ist nicht vorgesehen. Sofern Mutter, Vater und Kind in einem Familienzimmer untergebracht sind, können alle so lange zusammen bleiben, bis Mutter und Kind entlassen werden. „Sie dürfen die Station in der Zeit nicht verlassen“, sagt Hemcke. „Die Familien kommen meist ohnehin mit gepackten Taschen - und Essen gibt es bei uns auch.“ Tipp vom Chefarzt: auch an Wechselwäsche für den Vater denken.

Veranstaltungen vor Ort inklusive Kreißsaalführungen sind in Hörde allesamt bis zum 30. April abgesagt. Eine Ausnahme bilden Kurse, die ohnehin als Online-Modul konzipiert gewesen sind. Die bisherigen Führungen vor Ort sind ersatzlos gestrichen worden. Ob die nächste Kreißsaalführung am 5. Mai stattfindet, ist noch nicht klar. Dr. Christoph Hemcke verweist neben Mail und Telefon auf Videos und 360-Grad-Bilder auf der Homepage.

Das Knappschaftskrankenhaus in Brackel hat seine jüngste Kreißsaalführung vom Krankenhaus ans Telefon verlegt. „Das ist ganz gut angelaufen“, sagt Klaus-Peter Wolter, Sprecher des Klinikum Westfalen, zu dem auch das Krankenhaus in Brackel gehört. Gerade sei man dabei, eine Führung per Video zu entwickeln. „Wir wollen so viele Infos wie möglich anbieten“, so Wolter.

Das Knappschaftskrankenhaus in Brackel bietet in Corona-Zeiten eine etwas andere Art der Kreißsaal-Führung an.

Das Knappschaftskrankenhaus in Brackel bietet in Corona-Zeiten eine etwas andere Art der Kreißsaal-Führung an. © Dieter Menne (Archiv)

Und wie sieht es bei der Geburt aus? Da könne der werdende Vater „selbstverständlich“ anwesend sein, heißt es auf der Homepage: „Er muss sich aber nach der Geburt entscheiden, ob er nach Hause geht oder konsequent im Rahmen einer Begleitung im Familienzimmer bis zum Ende des Aufenthaltes auf der Station verbleibt.“

Zwar seien Familienzimmer nur begrenzt verfügbar, aber Wolter zufolge sei es selten, dass der Wunsch nach einer solchen Unterbringung nicht erfüllt werden könne.

Außerhalb von Dortmund gibt es ebenfalls nahe Geburtskliniken: das St. Rochus in Castrop-Rauxel, das St. Marien in Lünen, das Katharinenhospital in Unna, das Marienkrankenhaus in Schwerte und das Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke.

Wie Alexandra Schürmann vom Herdecker Krankenhaus auf Anfrage erklärt, darf der Vater oder eine Begleitperson bei der Geburt dabei sein. Sofern die Zimmer nur mit jeweils einer Mutter belegt sind oder ein Familienzimmer gebucht ist, darf der Vater auch länger bleiben. Ein Video als Ersatz für die Kreißsaalführung ist schon online, „auch ein Live-Chat“, so Schürmann, ist geplant.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt