Die Schulbusse sind insbesondere in den Morgenstunden oftmals überfüllt. © picture alliance/dpa
Schulen und Corona

Gedränge in Bussen zu Schul-Zeiten: Wie das Problem gelöst werden soll

Geld für zusätzliche Busse stellt das Land in der Corona-Krise zur Verfügung. Stadt und DSW21 wollen die Fördermittel auch nutzen. Doch das Angebot des Landes hat gleich mehrere Haken.

Es ist oft eng in Bussen und Bahnen auf dem Weg zur oder von der Schule. Und das macht nicht nur vielen Schülern und Eltern mit Blick auf die möglichen Ansteckungsgefahren in Corona-Zeiten Sorgen. Auch die Politik ist alarmiert.

Einen zeitlichen versetzten Unterrichtsbeginn an benachbarten Schulen und zusätzliche Buskapazitäten fordert jetzt die CDU-Ratsfraktion. Dazu sollen Landesfördermittel genutzt werden, um Busse von privaten Busunternehmen zu akquirieren.

„Das NRW-Verkehrsministerium stellt den Kommunen Fördermittel in Höhe von insgesamt 13,5 Millionen Euro zur Verfügung, um damit zusätzliche Busse für den Schülertransport zu organisieren. Ein Großteil der Fördermittel bleibt bislang jedoch ungenutzt“, erklärt die schulpolitische Sprecherin der CDU, Dr. Eva-Maria Goll.

Fördermittel sind beantragt

Nötig ist die in einer Pressemitteilung erhobene Forderung an die Verwaltung, aktiv zu werden, allerdings nicht. Denn beide Anliegen sind längst in Arbeit.

Schon Anfang August, wurden die Schulen mit der Bitte angeschrieben, vor allem in größeren Schulzentren den morgendlichen Unterrichtsstart zeitlich zu entzerren, teilt Stadtsprecherin Anke Widow auf Anfrage mit.

Das Problem: Die Verantwortung für die Organisation des Stundenplans liegt bei den Schulen und Schulleitungen, für die die Stadt nicht der „Dienstherr“ ist. Einige Schulen sind der Bitte schon zum Schulstart nachgekommen, andere folgten nach den Herbstferien. Es ist aber noch Luft nach oben, ist aus den Reaktionen von Stadt und DSW21 herauszuhören.

DSW21 ist als zuständiges Verkehrsunternehmen mit im Boot. Es hat den Linienverkehr bei Bus und Bahn schon zu Schuljahresbeginn an die Corona-Bedingungen angepasst und bietet statt der früher üblichen E-Busse und –Bahnen zusätzliche Fahrten zu den Schulen an. Bis zu den Herbstferien sei das Konzept getestet worden, teilt die Stadt mit.

Die vorläufige Bilanz: Nach anfänglichen Beschwerden und teilweise vorhandenen Akzeptanzproblemen zu den neue eingerichteten Fahrten „hat sich der angepasste Fahrplan bewährt“, heißt es in einem Bericht der Stadt an das Land. Da, wo es noch keinen Erfolg und weiterhin Beschwerden gab, habe man noch einmal mit den Schulleitungen gesprochen. Oft wurde dann nach den Herbstferien ein Konzept mit angepassten Schulzeiten umgesetzt.

Der Bericht über die eingeleiteten Maßnahmen im Schülerverkehr gehört zu den Richtlinien, die mit der Sonderförderung verbunden sind. Er wurde, wie vom Land verlangt, von der Stadt bis zum 31. Oktober vorgelegt. Die Fördermittel müssen bis zum 30. November beantragt werden – und auch das ist erledigt.

„Die Stadt Dortmund hat gemäß den Förderrichtlinien Mittel beantragt und wird diese Fördermittel an DSW21 weitergeben“, teilt Stadtsprecherin Anke Widow auf Anfrage mit. Wie viel Geld vom Land am Ende fließt, bleibt abzuwarten. Man habe DSW21 auch gebeten, die Nutzung weiterer Busse durch private Unternehmen zu prüfen.

Von dieser Option mache man bereits Gebrauch, heißt es wiederum bei DSW21. „Als die Schulen im Frühjahr nach dem ersten Lockdown den Unterricht wieder aufgenommen haben, hat DSW21 unverzüglich zehn zusätzliche Busse von externen Unternehmen gebucht“, berichtet Verkehrsvorstand Hubert Jung.

Allerdings seien auch bei den privaten Busunternehmen die Kapazitäten begrenzt, gibt DSW-Sprecherin Britta Heydenbluth zu bedenken. Das gilt vor allem für das nötige Personal. „Viele sind schon am Anschlag“, stellt Heydenbluth fest.

Hoffen auf flexiblen Schulbeginn

Grundsätzlich sei man bei DSW21 für alle Lösungen offen, erklärt Britta Heydenbluth. Und man sei auch gern bereit, den Schulen bei der Planung flexibler Unterrichtszeiten zu helfen. Denn das ist aus Sicht des Verkehrsunternehmens die sinnvollste Lösung.

„Für die Entzerrung des Schülerverkehrs weitaus effektiver als der Einsatz einiger zusätzlicher Busse wäre eine in den Stadtbezirken und zwischen den Schulen abgestimmte Staffelung des Schulbeginns“, erklärt Jung. Gespräche mit Schulen, die die Idee noch nicht aufgegriffen hätten, liefen zur Zeit. „Nächste Gelegenheiten für Änderungen bestehen beim Wiederbeginn der Schule nach den Weihnachtsferien beziehungsweise beim Wechsel vom ersten auf das zweite Halbjahr.“

Dazu kommt als weiterer Haken, dass die Fördermittel des Landes nur zeitlich begrenzt helfen. Ursprünglich waren sie bis zu den Herbstferien befristet, sind aber inzwischen bis Jahresende verlängert.

Fördermittel weiter nötig

Dabei sei die Förderung durchaus sinnvoll und notwendig, wie die Stadt in dem Bericht zum Förderantrag erklärt. Denn die Kosten für die eingerichteten Sonderfahrten überschritten sowohl das vorgesehene Budget der Stadt als Schulträger wie auch das von DSW21. „Dauerhaft können die zusätzlichen Fahrten nicht finanziert werden“, heißt es in dem Bericht.

Um auch nach dem Förderzeitraum mit einem auskömmlichen Budget arbeiten zu können, würden in der Zeit bis zu den Weihnachtsferien mit den Schulen, für die zusätzliche Fahrten eingerichtet wurden, Gespräche geführt. „Zielrichtung ist hier eine weitere Optimierung des Fahrplanes im Hinblick auf ein nachhaltiges und finanzierbares System“, schreibt die Stadt bürokratisch etwas verklausuliert.

Einen Trost hat man bei DSW21 noch: Mehrere wissenschaftliche Studien hätten belegt, dass in Bussen und Bahnen kein besonderes Infektionsrisiko bestehe, betont Hubert Jung.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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