Gefährden alte Stollen im Untergrund die Bauarbeiten an der Hellerstraße?

mlzZeche Gottessegen

Wenn in Dortmund neu gebaut wird, wird nach Bergbauhinterlassenschaften gesucht. Denn kaum eine Gegend ist vom Bergbau so unterhöhlt wie das Ruhrgebiet. Manchmal gibt es Überraschungen.

Löttringhausen

, 09.04.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bagger sind schon am Werk. Es wird ausgeschachtet auf dem Wiesengrundstück an der Hellerstraße Ecke Schneiderstraße. Häuser entstehen hier und die Hellerstraße wird verschwenkt, weil das Feuerwehrgerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr in Löttringhausen einen neuen Anbau bekommt.

Ganz in der Nähe befinden sich die Werkstätten Gottessegen. Eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, deren Name auf eine ehemalige Zeche hindeutet. Die hatte zwar nicht dort ihren Hauptsitz, wo sich jetzt die Gebäude der Einrichtung befinden, aber die Bergleute haben die Stollen unter ganz Löttringhausen hergetrieben. So auch unter dem Baugebiet Hellerstraße /Schneiderstraße. Gottessegen war eine sogenannte „Flächenzeche“, die mehr in die Breite als in die Tiefe ging.

Gefährden alte Stollen im Untergrund die Bauarbeiten an der Hellerstraße?

Die Kleinzeche Gute Hoffnung in Löttringhausen im Jahr 1965. © Bücking

Einer, der sich mit den Tätigkeiten unter Tage bestens auskennt, ist Heinz-Ludwig Bücking. Der ist nicht nur Mitglied im Verein bergbauhistorischer Stätten und unterhält mit seinen Mitstreitern das Besucherbergwerk Graf Wittekind in Syburg, sondern kennt sich auch bestens mit der Bergwerksgeschichte rund um Löttringhausen aus.

Zu der Zeit herrschte große Kohlenot

Und da gab es vor allem im Bereich der Hellerstraße manche Kuriosität. Da gab es nämlichen einen gewissen Erwin Schmidt. Der gute Mann bekam nach dem Zweiten Weltkrieg die Erlaubnis, Kohle abzubauen. Es war große Kohlennot und auf dem Hof Friek war eine dieser Kleinzechen. Und zwar bediente dieser Schmitt sich an den Resten, die die Ausläufer der Zeche Gottessegen übrig gelassen hatten. „Alles, was noch tagesnah war“, sagt Bücking. Das waren zumeist „Stützpfeiler“ aus Kohle, die die Bergleute stehengelassen haben, um die „abgegrabenen“ Stollen vor dem Einsturz zu bewahren.

Gefährden alte Stollen im Untergrund die Bauarbeiten an der Hellerstraße?

Der Eingang zu einer Kleinzeche an der Löttringhauser Straße. © Bücking

Passiert sei bislang noch nichts. Und wenn, dann sei es schon eine Zeitlang her, dass sich der Boden aus diesem Grunde gesenkt habe, sagt Bücking. Der katalogisiert zurzeit die Gebiete im Bereich Löttringhausen nach der Bergbaugeschichte. Und eben auch das Gebiet an der Hellerstraße.

Hier hat es nämlich auch einmal einen alten Schacht gegeben. Genau auf dem Wiesenstück zwischen Hellerstraße und Schneiderstraße. Rund 40 Meter tief war er und hat die Nummer 340. Mehr weiß man eben nicht. „Hier ist der Bergbau umgegangen“, sagt Bücking. Auch lange vor der Zeit der Zeche Gottessegen. Hier war es die Zeche Güldene Sonne. Die ging 1835 in Betrieb und die Gruben gingen später in die Zeche Gottessegen über. Die wurde 1962 geschlossen. Das Flöz Mausegatt gab die meiste Kohle ab. Viele der ehemaligen Schächte und abgebauten Flöze sind ausgefüllt worden, einige aber nicht.

Man hat unter dem Baugelände lockere Massen gefunden

Was bedeutet das nun aber für die Bauarbeiten an der Hellerstraße? Suchbohrungen haben lediglich lockere Massen gefunden. Schächte, die verfüllt worden sind. „Passieren kann hier eigentlich nichts mehr“, sagt Bücking. „Es ist ein Gebiet, was zwar etwas kritisch ist, aber eine vernünftige Bodenplatte sollte die Bauten vor eventuellen Schäden schützen.“

Wo überall unter Löttringhausen herumgewühlt wurde, kann man gar nicht mehr genau sagen. Es müssen nach dem Krieg aber wilde Zeiten geherrscht haben. Mittendrin war Erwin Schmitt. „Er hat es sogar geschafft, dass der Leiter des Oberbergamtes aufgrund einer Unterredung mit ihm anschließend einen Waffenschein beantragt und ihn auch bekommen hat“, sagt Bücking. „Auch die Bundesbahn war damals auf den Herrn Schmitt aufmerksam geworden“. Es würde ein Schreiben aus dem Jahr 1953 existieren, wonach sich die Bahn beschwert habe, dass unter ihren Schienen Bergbau betrieben wurde und dass hier jemand eingreifen müsse, sagt Bücking. „Man kann dort bauen, man muss eben bestimmte Sicherheitsvorkehrungen einhalten“, sagt Bücking.

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