Gefährlicher Schulweg: Sechs Striche werden Kindern in Deusen zum Verhängnis

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Für viele Deusener Kinder ist der Weg zur Kita oder zur Schule Anfang dieses Jahres deutlich gefährlicher geworden. Schuld ist eine Forderung der Anwohner, die eigentlich anders gemeint war.

Deusen

, 02.09.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anwohner der Straßen Wulfgraben, Deuser Wiesen und Kreyenbachweg haben sich für ihre Siedlung weitere Stellplätze gewünscht. Anfang dieses Jahres hat die Stadt diesen Wunsch in die Tat umgesetzt. Allerdings anders, als es sich die Anwohner vorgestellt haben. „Niemand hat uns gefragt, wo die Parkbuchten sinnvoll wären“, sagt Claudia Brückel.

Zwei neue Stellplätze sind an der Straße Wulfgraben eingezeichnet worden: Sechs Striche, die die Anwohner und vor allem die Kinder vor Probleme stellen. „Von den Maßen her ist alles in Ordnung“, sagt Reiner Schramowski, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Deusen. „Aber diese Stelle hier ist jetzt komplett unübersichtlich.“

Ältere Damen klettern auf das Gartenmäuerchen

Ein Problem, das insbesondere die Kinder der Siedlung betrifft. „Das hier ist der Weg zur Grundschule, zur Kita, zum Bus“, erklärt Anwohnerin Irmgard Kolberg-Egden. „Seit die Stellplätze eingezeichnet sind, kommt es immer wieder zu brenzlichen Situationen. Die Kinder werden teils sogar weggehupt.“

Denn möchte ein Auto an den parkenden Autos vorbei, bleibt für Fußgänger, die ihnen ausweichen wollen, kein Platz mehr. Schließlich gibt es keinen Bürgersteig. „Keiner weiß, wohin, wenn ein Auto kommt“, sagt Irmgard Kolberg-Egden. „Letztens habe ich sogar eine ältere Dame beobachtet, die vor lauter Verzweiflung auf ein Gartenmäuerchen geklettert ist.“ Sie deutet auf eine kleine Mauer, die ein Blumenbeet begrenzt.

Ein zusätzliches Problem sei die Geschwindigkeit vieler Autofahrer, die trotz Spielstraße mindestens 30 km/h schnell fahren. „Die Leute gucken nicht und fahren einfach“, erzählt Irmgard Kolberg-Egden. Gerade kleinere Kinder werden so hinter den parkenden Autos leicht übersehen.

Gefährlicher Schulweg: Sechs Striche werden Kindern in Deusen zum Verhängnis

Sind die Stellplätze nicht besetzt, bleibt wesentlich mehr Platz für Fußgänger. © Carolin West

„Alle Eltern sagen natürlich, die Kinder sollen gucken, bevor sie gehen“, sagt Claudia Brückel. „Aber wenn sie in Gedanken sind oder es eilig haben, wird das schnell vergessen.“ Zudem passieren auch große Autos wie Feuerwehr- und Krankenwagen oder der Eiswagen die Straße. „Dann wird es hier richtig eng“, sagt Brückel.

Vorher hat niemand an der Stelle geparkt

Bevor die Stellplätze eingezeichnet wurden, habe niemand an der Stelle geparkt. „Überall haben die Leute Probleme mit wilden Parkern“, erzählt Claudia Brückel. „Hier gibt es das nicht – stattdessen machen uns plötzlich legale Parkplätze Schwierigkeiten.“ Auch, weil seitdem hinter den eingezeichneten Flächen Autos stehen.

Grundsätzlich seien weitere Stellplätze sinnvoll, allerdings an anderer Stelle. Wo genau, wissen die Anwohner aber nicht. „Da würden wir gerne mit der Stadt zusammen schauen, wo die Plätze rechtens und sinnvoll sind.“

Einen Antrag, die Stellplätze zu verlegen, haben die Anwohner bereits an die Bezirksvertretung Huckarde gestellt. Inzwischen liege der Antrag der Verwaltung vor. „Uns wurde dann ein Ortstermin versprochen, aber bisher ist nichts passiert“, sagt Brückel. Eine Anfrage der Redaktion an die Stadt nach dem aktuellen Stand läuft.

Brückel: „Lieber zwei Stellplätze weniger, als ein Kind weniger“

Es gehe den Anwohnern vor allem um den Schulweg, auch wenn grundsätzlich alle Fußgänger von dem Problem betroffen seien. Besonders in der nahenden dunklen Jahreszeit befürchten sie gefährliche Situationen. „Lieber zwei Stellplätze weniger, als ein Kind weniger“, sagt Claudia Brückel.

Zusätzlich zu der Verlegung der Stellplätze wünschen sich die Anwohner deshalb ein Schild unter dem Spielstraßen-Schild, dass auf die Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h hinweist. „Viele wissen ja offenbar nicht, was Schrittgeschwindigkeit bedeutet“, sagt Claudia Brückel. Verkehrsberuhigende Maßnahmen wie eine Baumscheibe anstelle der Parkplätze würden zudem eine bessere Übersicht bieten.

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