Gefahr durch Raupen: Stadt sperrt ganzen Fredenbaumpark wegen Eichenprozessionsspinnern

mlzGefährliche Raupen

Er ist wieder da: der Eichenprozessionsspinner. Vor wenigen Tagen wurden die ersten Raupen in Kirchderne am Beisenkamp gesichtet. Jetzt überschlagen sich die Ereignisse.

Kirchderne, Brackel, Nordstadt

, 04.06.2019, 16:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Eichenprozessionsspinner haben schon im vergangenen Jahr die Verantwortlichen auf Trab gehalten. Nun geht es nach dem ersten Fund in Kirchderne Am Beisenkamp offenbar wieder los: Am Montag (3. 6.) fand die Stadt bei einer Kontrolle die Tiere in der Grünanlage am Brauksweg in Brackel. 24 Stunden später folgt der Alarm aus dem Fredenbaumpark. Der gesamte Park samt Big Tipi ist gesperrt – bis auf Weiteres. Das bestätigt die Stadt am Dienstagnachmittag auf Anfrage dieser Redaktion. Bereits jetzt habe man mehr als 200 betroffene Bäume gezählt. Dabei sei erst die Hälfte des Parks überprüft. Die Stadt geht davon aus, dass noch einmal genauso viele Bäume dazukommen – eine Mammutaufgabe.

Im Fredenbaumpark waren bereits im vergangenen Jahr ganze Bereiche wegen des Eichenprozessionsspinners gesperrt. Bei Baumkontrollen Ende Mai war dort noch alles gut, jetzt sind die Raupen wieder da.

Den Bäumen tun die Tiere nichts, für Menschen kann es gefährlich werden

Dass die Tiere für Aufregung sorgen, hat einen Grund: Während die Raupen den Bäumen nichts tun, sind die Tiere für Menschen gefährlich. Die Haare verursachen Juckreiz, Hautrötungen und Bindehautentzündungen. Gelangen sie in die Atemwege, führt dies zu Entzündungen und Atemnot.

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Seit Dienstagmorgen mühen sich Bernhard Nottbeck und Markus Alex von einer Fachfirma aus Bottrop-Kirchhellen mit Zweigniederlassung in Castrop-Rauxel ab, die Tiere von den Bäumen zu holen. Seit Tagen schon ist die Straße Am Beisenkamp abgesperrt. Die beiden Männer werden auch noch Tage zu tun haben – denn die Bäume sind voll mit den Raupen. Zehn Eichen haben sie bisher geschafft, aber es sind wohl mindestens 50, die hier befallen sind.

Gefahr durch Raupen: Stadt sperrt ganzen Fredenbaumpark wegen Eichenprozessionsspinnern

Bernhard Nottbeck vor einer der betroffenen Eichen am Beisenkamp in Kirchderne. © Britta Linnhoff

Bis zu 20 Nester haben Nottbeck und sein Kollege an nur einem einzigen Baum entdeckt. „Manchmal sind es auch nur vier“, sagt Nottbeck, während sein Kollege, in einen weißen Schutzanzug verpackt, per Hubwagen in die Höhe zu den Raupen steigt. Mit einem Sauger löst er die Tiere vom Baum.

Gefahr durch Raupen: Stadt sperrt ganzen Fredenbaumpark wegen Eichenprozessionsspinnern

Der Eichenprozessionsspinner: Für die Eiche ungefährlich, für Menschen hingegen nicht. © dpa

Er trägt eine Atemmaske, einen Schutzhelm und Handschuhe. Ärmel und Hosenbeine sind mit Tapeband verklebt, damit bloß keines der feinen Härchchen auf seine Haut gelangt. Ein harter Job bei den hohen Temperaturen.

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Langsam steigt Markus Alex mit dem Hubwagen in die Höhe. Vor ihm stehen noch jede Menge Bäume - und damit liegt noch jede Menge Arbeit vor ihm. © Britta Linnhoff

Nottbeck versteht die Menschen nicht, die trotz der Absperrungen den Weg gehen. Vor allem dann nicht, wenn sie mit ihren Hunden unterwegs sind: „Man sieht die Haare gar nicht“, sagt er, „so fein sind die.“ Er vergleicht die Wirkung Härchen mit den Folgen von Asbest. Die Folgen des Einatmens merke man erst viel später, sagt er. Hat man die Haare an der Kleidung, „dann müssen sie die kochen, einfach waschen reicht da nicht“, betont Nottbeck. Die Schutzanzüge kommen später in einen Sack und werden verbrannt.

Nach dem Absaugen werden die Härchen mit einem Sprühlack fixiert

Im großen Saugrohr von Markus Alex sind inzwischen weitere Nester verschwunden. Jetzt sprüht er diese Stellen des Baumes mit einem Lack ein, fixiert die Härchen, damit sie auf jeden Fall bleiben, wo sie sind – und nicht doch noch Mensch oder Tier verletzen.

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Hier am Brauksweg in Brackel ist der Fuß- und Radweg nahe der Sportanlage des SF Brackel gesperrt. © Britta Linnhoff

Der Befall im Fredenbaumpark ist besonders dramatisch: Rund ums Big Tipi tummeln sich viele Menschen. Hier tut Eile Not. Generell, so teilt die Stadt mit, hätten bei der Beseitigung der Raupen immer die Bereiche im Stadtgebiet Vorrang, in denen sich gerne Kinder und generell viele Menschen aufhielten.

Wenn es hier im Fredenbaumpark also schnell gehen muss, bedeutet das aber auch, dass man anderswo wird warten müssen. Denn, da ist sich Stadtsprecher Christian Schön sicher, „da kommen noch mehr“.

Hoffnung gibt es für den Brauksweg in Brackel. Der Fuß- und Radweg in unmittelbarer Umgebung der Sportanlage des SF Brackel soll, so teilt die Stadt mit, möglichst bis Donnerstag, 6. Juni, wieder sauber sein.

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