Gegen Terrorgefahr: Stadt Dortmund prüft versenkbare Poller

Nach Anschlag von Barcelona

Nach dem Anschlag von Barcelona soll Dortmund wie alle anderen NRW-Kommunen konkrete Sicherheitsmaßnahmen gegen eine Terror-Attacke entwickeln. Nun wird geprüft, ob versenkbare Poller etwa am Westenhellweg eingebaut werden. Oberbürgermeister Ullrich Sierau warnt jedoch vor Aktionismus - und kritisiert die Landesregierung.

DORTMUND

, 22.08.2017, 20:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gegen Terrorgefahr: Stadt Dortmund prüft versenkbare Poller

Der Westenhellweg ist eine der belebtesten Einkaufsmeilen Deutschlands.

Nach dem Terroranschlag in Barcelona hat das NRW-Innenministerium die Polizeidienststellen des Landes aufgefordert, mit den Städten konkrete Sicherheitsmaßnahmen vor allem für die Innenstädte abzustimmen – feste Lösungen für belebte Fußgängerzonen und flexiblere für große Veranstaltungen. Ein entsprechender Erlass, nach dem die Städte über Maßnahmen und Personal selbst entscheiden sollen, erreichte die Stadt Dortmund am vergangenen Freitagnachmittag.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau reagierte auf diese Art des Verwaltungshandelns von CDU-Innenminister Herbert Reul wenig erfreut: „Die Kommunen sollen das Problem lösen. Damit ist der Minister aus dem Schneider. Das ist ein wenig armselig. Er soll sagen, wie er sich das vorstellt.“

Wassertanks? "Aktionismus", sagt Sierau

Große Wassertanks wie in Duisburg, die die Zufahrt in die Fußgängerzone versperren, wird es in Dortmund nicht geben. Das sei Aktionismus, so der OB, gefragt seien aber „Fingerspitzengefühl, Verhältnismäßigkeit und Psychologie“.

Dass die Stadt Dortmund darüber verfüge, habe sie immer wieder unter Beweis gestellt, beim Stillleben auf der B 1, bei der Loveparade, bei BVB-Meisterfeiern und Karnevalszügen. Bei der Pokaljubelfeier im Mai und beim letzten Weihnachtsmarkt habe man LKW-Verbote verhängt und mit mobilen Straßensperren nachgesteuert.

Versenkbare Pöller sind teuer

Schon lange entwickle man Konzepte, sagte Ordnungsdezernentin Diane Jägers. Doch man könne die Stadt nicht verbarrikadieren und damit auch Rettungs- und Zuwege blockieren. Die mobilen Sperren hätten gut funktioniert. Es gelte aber zu untersuchen, ob die Stadt an einigen Stellen in der Innenstadt versenkbare Poller einbaue. „Das kostet einen siebenstelligen Betrag allein in der Innenstadt“, gab Jägers zu bedenken.

Barcelona, wo ursprünglich die Kathedrale das Anschlagsziel gewesen sei, habe gezeigt, dass die Attentäter schnell auf andere Instrumente umschalteten, sagte Jägers. Attentäter könnten auch mit Messer oder Maschinengewehr durch die Fußgängerzone gehen.

Dortmund ist immer ein "potenzielles Ziel"

„Wir sind immer ein potenzielles Ziel“, betonte OB Sierau, „das ist uns bewusst.“ Jede größere Veranstaltung werde immer wieder neu bewertet und gemeinsam mit Polizei und Rettungsdienst daraufhin untersucht, ob über die abstrakte Terrorgefahr hinaus eine konkrete Gefahr vorliege, ergänzte Jägers. Bei konkreten Gefahren gebe es entsprechende Bereitschaftsdienste.

Auch beim Micro-Festival an diesem Wochenende und bei den Citykonzerten vom 1. bis 3. September werde es Sicherheitsvorkehrungen geben – wohldosiert. Die Dezernentin: „Ich will nicht, dass ein LKW auf den Friedensplatz rast.“

 

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