Geister-Konzert in der Phoenix Halle

Elektronische Musik

DORTMUND „Geister in Concert“ – augenzwinkerndes Motto für ein Konzert elektronischer Musik am Freitag in der Phoenix Halle. Inspiriert von der Ausstellung „Wach sind nur die Geister“, die unter dem selben Dach mit unseren Erwartungen an das Übersinnliche jongliert.

Dortmund

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 04.10.2009, 13:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Formation "multer" beim Geisterkonzert.

Die Formation "multer" beim Geisterkonzert.

Oft atonal und arhythmisch fordert sie Aufmerksamkeit und meditative Versenkung, weil sie mit minimalen Akzentverschiebungen arbeitet. Es kann ein oszillierendes Tuckern sein, das wuchert und anschwillt, zu einem brummenden Vibrato wird, angenehm einlullt und hypnotische Qualität entfaltet. So zu hören im Set des Schweden Carl Michael von Hausswolff. Der entlockt den Geräten einen Maschinenpuls, dessen Bassfrequenz das Trommelfell zum Schwingen bringt, um sich dann in der Bauchregion bemerkbar zu machen: Jeder Zuhörer sein eigener Klangkörper.Spannende Akustik-Reise Eröffnet wurde die akustische Reise von der Dortmunder Formation multer, die den Sound einer Gitarre so camoufliert, dass man eine Orgel zu hören glaubt. Umspielt von wattigem Dampfen, voluminösen Crescendi, Brandungsrauschen hören wir ein Stimmsample: „...in eine jenseitige Stimme verlieben“. Am Ende braut sich ein elektroakustischer Teilchensturm zusammen. Spannend.

Avantgardistisch Tim Hecker versenkt süßliches Wispern hinter wasserfallartigem Tosen und befeuert einen Schmelzofen der Klänge, wo mächtige Pseudo-Oboen mit erhaben hallenden Gitarren(?) sich mischen. Scanner schließlich war der Melodischste von allen: Barocke Streicher treffen auf Arienfetzen. Technoides Geknurpsel, zittrige Perkussion formiert sich zu einem Beinahe-Beat, abgelöst von einem wuchtigen Marschtritt. Darüber thront sakrales, hymnisches Jubilieren. Musik-Avantgarde, die Spaß machte und Lust auf mehr.

Lesen Sie jetzt