„Ich komme mir ja als Priester schon wie ein Missbrauchstäter vor“

mlzSexuelle Übergriffe auf Kinder

Der Druck auf die katholische Kirche wird größer, wenn es um die Verhinderung von Kindesmissbrauch geht. Der Pastoralverbund Am Phoenix-See hat nun ein Präventionskonzept veröffenlicht.

Berghofen

, 06.12.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der katholische Pastoralverbund Am Phoenix-See hat das „Präventionskonzept“ gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt veröffentlicht, das für die sieben Gemeinden in Dortmund gilt. Darin stehen auf 24 Seiten Regeln für diejenigen, die beispielsweise mit Kindern arbeiten, aber auch die Wertevorstellungen, die dem Verbund zugrunde liegen.

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Doch es geht nicht nur um Prävention: „Es geht für uns als Kirche auch darum, das Vertrauen der Menschen wiederzugewinnen“, sagt Matthias Boensmann, Leiter des Pastoralverbundes Am Phoenix-See.

Elisabeth und Wolfgang Herbrand, die als Präventionsfachkräfte an der Schrift mitgearbeitet haben, und Elisabeth Mölder (Präventionsbeauftragte) sind sich sicher, dass nicht nur „geduldiges Papier“ entstanden ist.

Das steht konkret im Konzept

Im Konzept steht beispielsweise, dass alle Mitglieder des Verbundes, die regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, eine „zwölfstündige Intensivschulung“ verpflichtend besuchen müssen. Für diejenigen, die mindestens drei Monate regelmäßigen Kontakt mit Kindern und Jugendlichen haben, ist eine „sechsstündige Basisschulung“ vorgesehen.

Die „dreistündige Minimalschulung“ ist verpflichtend für alle, die „kurze Zeit“ mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und keine Übernachtungs-Veranstaltungen betreuen.

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Die Mitglieder des Verbundes müssen einen Verhaltenskodex unterschreiben und versichern, dass bei ihnen keine „Straftat im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt“ vorliegt. Sie verpflichten sich außerdem, dem Pastoralverbund zu melden, sollte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden. Boensmann sagt, dass sowohl Ehrenamtliche als auch Hauptamtliche, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, zusätzlich verpflichtet sind, ein polizeiliches Führungszeugnis einzureichen.

Das Wichtigste an dem Konzept ist für Boensmann: „Erst einmal sollen die Menschen für gewisse Dinge sensibilisiert werden.“

Kirche unter Generalverdacht

Was Boensmann persönlich zum Thema Missbrauch denkt? „Die Kirche hat sehr am Pranger gestanden, ich komme mir ja als Priester schon wie ein Missbrauchstäter vor“, sagt er. Er räumt aber ein: „Natürlich ist es heftig, wie unsere Obrigkeit mit dem Thema umgegangen ist. Da müssen wir jetzt offensiv dran, den Arsch hochkriegen und an dem Thema arbeiten.“

Im Pastoralverbund soll es, laut Boensmann, keinen Fall von sexueller Gewalt gegeben haben. „Ich bin jetzt ja schon 13 Jahre hier in der Gemeinde tätig.“ Mit dieser Art von Gewalt habe er noch nichts zu tun gehabt.

„Da müssen wir jetzt offensiv dran, den Arsch hochkriegen und an dem Thema arbeiten.“
Matthias Boensmann

Mit Pöbeleien und kleinen Handgreiflichkeiten schon. „So etwas passiert schon mal, wenn die Jugend ins Zeltlager fährt“, sagt Boensmann. „Aber selten – und wir werden auch schnell aktiv, wenn so etwas zu uns dringt.“

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