Gemeindehaus-Einbrecher wollen mit kurioser Beute fliehen – werden aber geschnappt

mlzAufmerksame Zeugen

Sieben Einbrüche in sieben Jahren – dieses Gemeindehaus ist bei Einbrechern beliebt. Am Sonntag (22.9.) kam gleich ein diebisches Quartett. Allerdings lief aus dessen Sicht alles schief.

Marten

, 24.09.2019, 14:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gemeindehäuser üben nach wie vor eine große Anziehungskraft auf Einbrecher aus. Und das, obwohl dort in der Regel weder Bargeld noch Wertsachen zu finden sind. Erst im Sommer 2018 verschafften sich brutale Täter gewaltsam Zutritt ins Pfarrhaus der St.-Urbanus-Gemeinde in Huckarde und schlugen dort auf den Gemeindepfarrer ein, als er sie überraschte.

Am Sonntagabend (22.9.) wollte sich nach einem Einbruch ins evangelische Elias-Gemeindehaus am Bärenbruch in Marten ein Einbrecher-Quartett gegen 22 Uhr mit einem Tresor unter dem Arm aus dem Staub machen. Doch aufmerksame Nachbarn und ein ausgeklügeltes Alarmsystem vereitelten den Plan: Noch vor Ort beziehungsweise in der Nähe des Tatorts schnappte die Polizei die vier Dortmunder im Alter zwischen 17 und 21 Jahren.

In dem Tresor sind nur Siegel und Sicherungsbänder für die EDV

Über ihre Beute hätten sich die jungen Leute, wären sie denn unentdeckt geblieben, am Ende nicht gefreut: „In dem Tresor sind nur Siegel und Sicherungsbänder für unsere EDV“, berichtet Gemeindesekretärin Susanne Kunschek im Gespräch mit dieser Redaktion. Auch sie betont: „Hier gibt es nichts Wertvolles, selbst in unserer Kirche gibt es kein Tafelsilber.“ Ein dickes Lob spricht sie den aufmerksamen Nachbarn aus: „Als sie Geräusche gehört und verdächtige Personen im Hinterhof gesehen haben, riefen sie sofort die Polizei.“

Weil die Elias-Gemeinde seit 2012 sieben Einbrüche verzeichnet, wurde das Martener Gemeindehaus mit einem aufwendigen Alarmsystem gesichert. „Es gibt nicht nur einen akustischen, sondern auch einen optischen Alarm. Wir haben rotes LED-Licht auf dem Dach“, so Kunschek. Auch der Wachdienst sei daher schnell vor Ort gewesen.

Gemeindehaus-Einbrecher wollen mit kurioser Beute fliehen – werden aber geschnappt

Auch drei Innentüren traten die Einbrecher gewaltsam ein, Schlösser und Zargen flogen dabei heraus. © Susanne Kunschek

Einbrecher schnitten Netzwerkkabel durch

„Als die Polizisten am Tatort in der Straße Bärenbruch eintrafen, flüchtete die Gruppe. Eine Person konnte direkt, die anderen drei konnten durch weitere Polizeikräfte und erneute Zeugenhinweise in Tatortnähe ebenfalls festgenommen werden“, berichtet Polizeisprecher Gunnar Wortmann. Während der Flucht ließen sie den gestohlenen Tresor fallen.

Der Schaden, den die vier Einbrecher angerichtet haben, ist immens. „Sie haben die Terrassentür aufgehebelt, drei Innentüren mit so viel Wucht eingetreten, dass Schlösser und Zargen herausgeflogen sind und sie haben die Netzwerkkabel durchgeschnitten. Wahrscheinlich wollten sie dadurch das Alarmsystem kappen“, berichtet Susanne Kunschek. Die Schadenssumme müsse erst noch ermittelt werden.

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Seit Montagmittag sei das Netzwerk wieder repariert, „wir sind also wieder online“, so die Gemeindesekretärin. Schreiner, Fensterbauer und Maler hätten noch einiges zu tun. Der Tresor sei bei der Polizei: „Urkunden und Bescheinigungen können wir derzeit nicht ausstellen“, so Kunschek.

Gemeindehaus-Einbrecher wollen mit kurioser Beute fliehen – werden aber geschnappt

Auch Schränke und Schubladen durchwühlten die Einbrecher. Sie hinterließen ein großes Chaos. © Susanne Kunschek

Alle Tatverdächtigen sind laut Polizei wegen ähnlicher Delikte polizeilich schon bekannt. Die Beamten übergaben den 17-Jährigen seinen Erziehungsberechtigten. Die drei volljährigen Tatverdächtigen wurden am Dienstag (24.9.) dem Haftrichter vorgeführt. Dieser erließ für alle drei einen Untersuchungshaftbefehl.

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