Warnung vor Beginn der Maskenpflicht: „Eigenschutz fast nicht vorhanden“

mlzCoronavirus in Dortmund

Am Montag kommt die Maskenpflicht in ÖPNV und Geschäften in NRW. Wie hilfreich sind einfache Gesichtsmasken? Was schützt wirklich? Ein Dortmunder Experte klärt auf.

Dortmund

, 23.04.2020, 07:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kaum ein Bild könnte die derzeitige Situation in der Corona-Krise so gut veranschaulichen wie die hitzig diskutierten Schutzmasken. Viele Bundesländer haben bereits am Dienstag (21.4.) auf die weitreichenden Lockerungen reagiert und das Tragen eines solchen Mund-und-Nasenschutzes in der Öffentlichkeit zur Pflicht gemacht.

Am Mittwoch zogen auch die zunächst zögernden Länder, darunter Nordrhein-Westfalen, nach: Hier gilt die Pflicht ab Montag, 27.4. Dabei bieten die Schutzmasken laut Experten keine ausreichende Sicherheit.

Schutzmasken helfen nur bedingt

Dr. Bernhard Schaaf ist Infektiologe und Direktor des Lungenzentrums im Klinikum Dortmund. In den Augen des Fachmanns können selbstgenähte Mund-und-Nasenschutze und selbst professionelle OP-Masken bei der Vermeidung einer Ansteckung mit dem Coronavirus nur bedingt helfen:

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„Die Masken schützen nur die Umgebung des Trägers, falls dieser infiziert ist. Der Eigenschutz ist fast nicht vorhanden. Viele Menschen denken, dass sie mit einer solchen Maske sicher gegen eine Infektion sind. Das ist aber leider nicht der Fall.“

„Maskenpflicht darf kein Freibrief sein“

Wenn man das Coronavirus in sich trage, verhindere man durch eine Schutzmaske zwar, dass „die Luft beim Ausatmen aus meinem Mund fliegt und andere infiziert“, so Schaaf weiter. Diese Maßnahme sei allerdings nur notwendig, sobald man einer Person näher als zwei Meter komme. „Ansonsten reicht der Mindestabstand.“

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Das Tragen eines Mund-und-Nasenschutzes darf laut Schaaf daher kein „Freibrief“ sein, um die übrigen Sicherheitsvorkehrungen zu vernachlässigen. Nach wie vor seien Abstand halten und eine ausreichende Durchlüftung von geschlossenen Räumen die besten Möglichkeiten, um die Infektionsgefahr zu verringern. Deshalb müsse auch im öffentlichen Nahverkehr eine ordnungsgemäße Luftzirkulation ermöglicht werden.

„Natürlich können Masken einen kleinen Effekt haben. Vielleicht fällt es den Menschen dann leichter, den notwendigen Abstand auch tatsächlich einzuhalten. Dann ist es aber auch eher eine psychologische Unterstützung“, erklärt der Fachmann.

Erfolg der Maskenpflicht hängt von vielen Faktoren ab

Der Erfolg einer flächendeckenden Maskenpflicht hängt dem Experten zufolge von vielen Faktoren ab. So komme es schlussendlich vor allem darauf an, wie sich die Menschen ansonsten verhalten. Besonders schlecht wäre es, „wenn sich alle mit einer Maske sicher fühlen würden und auf andere Vorsichtsmaßnahmen verzichten.“

Denn: Sobald der notwendige Abstand nicht mehr eingehalten werde, verspreche eben auch das Tragen einer Schutzmaske keinen weitreichenden Infektionsschutz mehr.

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