Geschäfte dicht wegen Corona: Kleine Einzelhändler beklagen Ungerechtigkeit

mlzCoronavirus

Am Dienstagabend hieß es, der Einzelhandel dürfe weiterhin öffnen. Stunden später dann die Wende. Bis auf einzelne Ausnahmen müssen ab Donnerstag (19. März) doch alle Geschäfte schließen.

Dortmund

, 18.03.2020, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Normalerweise verkauft Ute Kersting in ihrem Geschäft im Kreuzviertel viele unterschiedliche Blumen und beliefert mit ihrem Team Unternehmen und Veranstaltungen mit bunten Sträußen und Pflanzen. Wegen der anhaltenden Ausbreitung des Coronavirus ist das Geschäft zurzeit allerdings deutlich schwieriger geworden.

„Es ist gut, dass jetzt endlich was unternommen wird, aber in der jetzigen Form leiden natürlich vor allem die kleinen Geschäfte unter der aktuellen Situation“, unterstreicht Kersting, die auch Vorsitzende der Aktions- und Interessengemeinschaft Kreuzviertel ist, eines Zusammenschlusses von Händlern und anderen Unternehmern.

Endlich was unternommen - damit spielt die 58-Jährige auf den neuerlichen Erlass der NRW-Landesregierung vom späten Dienstagabend (17. März) an, demzufolge der Einzelhandel seine Türen bis auf Weiteres schließen muss. Wenige Stunden zuvor hieß es noch, dass die Geschäfte offen bleiben können.

Bestimmte Geschäfte sind von den Vorgaben ausgeschlossen

„Eine so kurzfristige Veröffentlichung der Nachricht ist unbefriedigend für alle Händler, die sich auf eine Ladenöffnung eingestellt haben“, betont der Vorsitzende des Dortmunder Cityrings, Dirk Rutenhofer.

Die überarbeitete Version der ursprünglichen Verfügung hat drastische Folgen für den kompletten Einzelhandel: Laut Erlass dürfen nur noch Geschäfte für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken, Sparkassen, Poststellen, Friseure, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel geöffnet werden.

Wichtig: In Dortmund wird die allgemeine Verfügung ab Donnerstag (19. März) wirksam. Dann müssen Einzelhandelsbetriebe - mit Ausnahme der genannten Geschäfte - geschlossen bleiben.

„Hin und Her durch behördliche Vorgänge“

Grundsätzlich sei der Erlass erst einmal „ein Schwenk auf die vorgegebene Linie der Bundesregierung“, erklärt Markus Kaluza vom Handelsverband Nordrhein-Westfalen. Die scheinbare Kurzlebigkeit einiger Entscheidungen hänge damit zusammen, so Kaluza, „dass es durch die unterschiedlichen behördlichen Vorgänge zu einem Hin und Her gekommen ist.“ Mit dem einheitlichen Erlass gebe es für die Kommunen nun keine Möglichkeit mehr, separate Maßnahmen zu treffen.

Für den Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulf Wollrath sind solche Maßnahmen zwar bedauerlich, aber gleichzeitig notwendig: „Das vorrangige Ziel muss es sein, den Infektionszeitraum zu verlängern, um einen Einbruch des Gesundheitssystems zu verhindern. Und da ist auch eine Schließung des Einzelhandels erforderlich.“

Jetzt lesen

Ute Kersting ist von der gesamten Vorgehensweise irritiert: „Es ist doch verwunderlich, dass man es bisher nicht gebacken bekommt, eine identische Vorgehensweise festzulegen.“

„Wenn wir lange schließen müssen, machen wir nicht wieder auf“

Auch die Grenze zwischen den Geschäften, die nun öffnen dürfen und denen, die geschlossen bleiben müssen, hält die Blumenhändlerin für unbegreiflich: „Ich verstehe nicht, wieso zum Beispiel Gartenbaumärkte öffnen dürfen, aber kleinere Unternehmen schließen müssen. Dadurch entsteht nicht nur in unserer Branche eine Chancenungleichheit.“ So würden viele kleine Betriebe die aktuelle Krise nicht überleben.

Ein Beispiel ist die Weinhandlung von Nicole Laubert. Die Unternehmerin und Vorsitzende der Werbegemeinschaft Kaiserstraße sieht die Zukunft ihres Geschäftes stark gefährdet: „Ich möchte eine solche Entscheidung auch nicht treffen müssen, aber wenn ich jetzt für mehrere Wochen das Geschäft komplett schließen müsste, machen wir nicht mehr wieder auf.“

Aufgrund der hohen Nachfrage verweist die IHK darauf, dass es eine eigens eingerichtete Corona-Hotline gibt. Unter Tel. (0231) 5 41 74 44 können Unternehmen erforderliche Informationen bekommen.
Lesen Sie jetzt