Himbeeren im Dezember: Händler Mustafa Arslan verkauft das ganze Jahr über ungezählte Obstsorten, die aus allen möglichen Winkeln der Welt stammen. © Michael Schuh
Corona

Gewinner der Krise: Dortmunder Großmarkt hat mehr Umsatz durch die Pandemie

Die Händler auf dem Dortmunder Großmarkt verzeichnen teilweise deutliche Umsatzsteigerungen im Jahr 2020. Das hat auch mit der Corona-Pandemie zu tun.

Das Coronavirus legt den kompletten Handel lahm und sorgt allerorten für massive finanzielle Einbrüche? Von wegen – beim Dortmunder Großmarkt ist das Gegenteil der Fall. „Wir haben jede Menge zu tun“, sagt Marktmeister Lutz Straßer, „die Händler hier sind alle zufrieden.“

Die Haupt-Einkaufszeit ist zwar schon längst vorbei, doch auch um kurz nach 6 Uhr ist in den Hallen der Firma Marlene Meya noch einiges los.
Die Haupt-Einkaufszeit ist zwar schon längst vorbei, doch auch um kurz nach 6 Uhr ist in den Hallen der Firma Marlene Meya noch einiges los. © Michael Schuh © Michael Schuh

Um kurz nach sechs ist der große Andrang zwar schon vorbei, doch bei der Marlene Meya GmbH laufen noch immer viele Käufer zwischen Kisten voller Kürbisse, Äpfeln und Beeren, aber auch zwischen Mais, Kräutern, Kastanien, Milchprodukten und Fleisch umher.

„Essen geht immer“

Die Angebotspalette wurde kontinuierlich ausgebaut, seit Seref Aksoy den Großmarkt-Handel Marlene Meya in den 1990er-Jahren übernahm. Ähnlich wie die Warenvielfalt in den vergangenen Jahrzehnten habe im Jahr 2020 die Nachfrage zugenommen, sagt Juniorchef Gökhan Aksoy. „Es gab zuletzt eine massive Steigerung – Essen geht immer.“

Beim ersten Lockdown im Frühjahr sei es – nicht zuletzt aufgrund fehlender Erntehelfer – noch zu einigen Engpässen gekommen. Doch die anfängliche Panik vieler Händler aufgrund der Ungewissheit sei schnell einer großen Nachfrage gewichen, weiß Aksoy: „Wir sind die Branche, die Profit macht.“

Marktmeister Lutz Straßer (l.) und Händler Gökhan Aksoy können sich trotz der Pandemie über mangelndes Kundeninteresse nicht beschweren.
Marktmeister Lutz Straßer (l.) und Händler Gökhan Aksoy können sich trotz der Pandemie über mangelndes Kundeninteresse nicht beschweren. © Michael Schuh © Michael Schuh

Und dabei spiele Corona eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Das Virus hat den Menschen gezeigt, dass es schnell bergab gehen kann“, sagt der Juniorchef. „Viele haben angefangen, sich bewusster zu ernähren.“

Der preiswerte Einkauf im Discounter gehöre inzwischen oftmals der Vergangenheit an: „Der Trend geht in Richtung Bio-Lebensmittel.“

Gesundes statt Fast Food

Und von all den Menschen, die nun zu Hause gesunde Mahlzeiten kochen anstatt mal eben Fast Food herunterzuschlingen, profitieren Großmarkt-Verkäufer wie Aksoy, die vor allem Einzel- und Markthändler mit Ware versorgen.

„Wenn die Ware frisch und gut ist, dann kommen die Kunden auch“, hat Mustafa Arslan, Geschäftsführer von Hartmann´s Frucht, ebenfalls keinen Grund zur Klage. 10 bis 20, vielleicht sogar 30 Prozent mehr habe er im Vergleich zu den Vorjahren im Jahr 2020 umgesetzt.

Essverhalten sorgt für Plus

Zwar seien einige Restaurants als Kunden weggefallen, doch der von vielen Gastronomen ins Leben gerufene Lieferservice habe zumindest einen Teil dieser Verluste wieder aufgefangen.

Und für ein ordentliches Plus sorgte letztlich auch bei Hartmann´s das bewusstere Essverhalten der Bevölkerung. „Mittlerweile kochen sehr viele selbst“, sagt Arslan. „Und ich glaube, es werden noch mehr.“

Wenn langsam die Sonne aufgeht, haben die meisten Kunden das Gelände des Großmarktes schon wieder verlassen.
Wenn langsam die Sonne aufgeht, haben die meisten Kunden das Gelände des Großmarktes schon wieder verlassen. © Michael Schuh © Michael Schuh

Marktmeister Straßer kennt einen weiteren Grund, warum der Dortmunder Großmarkt nicht erst seit diesem Jahr selbst für Kunden aus Osnabrück oder Venlo die erste Adresse ist: Im Zuge der Flüchtlingswelle seien zahlreiche Menschen aus arabischen Ländern wie Syrien oder dem Irak nach Dortmund gekommen.

Diese Menschen hätten neue Geschäfte eröffnet, in denen viele vegetarische Lebensmittel verkauft würden. Und auf die gestiegene Nachfrage nach Gemüse und Obst, das in hiesigen Regionen bis dato weitgehend unbekannt war, reagierten die Großmarkt-Händler prompt.

Bratpaprika und Mini-Auberginen

Die positive Folge: Inzwischen finden auch große Mengen an früher kaum verlangten Spezialitäten wie Bratpaprika, langen Peperoni zum Einlegen oder Mini-Auberginen ihre Käufer auf dem Großmarkt.

Ein Klassiker: Neben exotischen Obst- und Gemüsesorten gibt es im Winter auf dem Großmarkt natürlich auch Grünkohl.
Ein Klassiker: Neben exotischen Obst- und Gemüsesorten gibt es im Winter auf dem Großmarkt natürlich auch Grünkohl. © Michael Schuh © Michael Schuh

Ein Händler, dessen Umsatz in Corona-Zeiten zurückgegangen ist, findet sich aber doch. Taylan Akzorba beliefert vor allem Restaurants, die aufgrund der Schließung nun weniger Ware abnehmen. Allerdings hielten sich die Einbußen im Rahmen: „Das ist nicht allzu dramatisch.“

Denn auch Akzorba, ein Urgestein des Dortmunder Großmarktes, verzeichnet in einer Sparte deutliche Zuwächse: „Gerade türkische und arabische Geschäfte kaufen zurzeit mehr ein.“ Gemüse und Obst sind eben im Trend wie nie. Die Krise macht´s möglich.

Info

Lebensmittel für 3,5 Millionen Verbraucher

  • In den Jahren 1951 bis 1952 baute die Stadt Dortmund auf dem Bundesbahngelände am Bahnhof Dortmund-Süd einen neuen Großmarkt.
  • 1976 gründete sich die Genossenschaft Großmarkt Dortmund eG und kaufte der Stadt die Anlage für 2,5 Millionen D-Mark ab. Seitdem führen die ansässigen Unternehmen den Großmarkt auf privater Basis.
  • Geöffnet ist der Großmarkt am Heiligen Weg 60g montags bis samstags von 3 Uhr bis 11 Uhr, vor Feiertagen von 2 Uhr bis 11 Uhr. Das Hauptgeschäft geht in den ersten Stunden über die Bühne.
  • 22 Unternehmen verkaufen derzeit ihre Ware in den einzelnen Hallen. „Und die Nachfrage nach Hallen-Vermietungen ist enorm“, sagt Marktmeister Lutz Straßer.
  • Kein Wunder, werden vom Dortmunder Großmarkt aus doch über 3,5 Millionen Verbraucher mit frischen Lebensmitteln versorgt.
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