Beim Weihnachtsessen für Obdachlose der Diakonie Dortmund im Jahr 2019 durften die Besucher noch ihre Köpfe zusammen stecken. Aber auch in diesem Jahr soll eine Feier unter Hygienekonzepten stattfinden. © Oliver Schaper
Weihnachten

Gibt es trotz Pandemie Weihnachtsfeiern für Obdachlose?

Es hat sich zur Tradition entwickelt, dass einige Dortmunder Einrichtungen zu Weihnachten ein Essen für Obdachlose veranstalten. Doch ist das unter den aktuellen Umständen überhaupt möglich?

Wer an den Weihnachtstagen das Wohnzimmer für einen Spaziergang verlässt, etwa hin zum Dortmunder U, und dabei die neu errichtete Obdachlosen-Anlaufstelle passiert, wird allenfalls der Freude über die solidarische Geste wegen ein weihnachtliches Gefühl verspüren, nicht aber in der Vorstellung, selbst dort das Weihnachtsessen zu sich zu nehmen.

Für Obdachlose, die die Feiertage womöglich noch im Schneeregen verbringen müssen, könnte die Vorstellung, ein paar Minuten lang in der Wärme über einer heißen Mahlzeit zu sitzen, allerdings durchaus ausreichen, um die Nerven in Weihnachtsstimmung zu massieren. Als Zeichen der Solidarität möchte deshalb auch in diesem Jahr das Dortmunder Gast-Haus am traditionellen Weihnachtsessen festhalten.

Bis zu 350 Obdachlose werden am Zelt neben dem U erwartet

„Mit der Ausweitung unserer Kapazitäten auf das Zelt neben dem Dortmunder U haben wir nun eine Anlaufstelle geschaffen, die es ermöglicht, auch in diesem Jahr ein Weihnachtsessen zu veranstalten”, erklärt ein Mitarbeiter des Gast-Haus. Und auch die Essens-Spender, darunter die „Kana – Dortmunder Suppenküche”, zeigten sich weiterhin wohlwollend. Eine Herausforderung könne allerdings die logistische Umsetzung des Projektes bedeuten:

Die neue Obdachlosen-Anlaufstelle in Zeltform (neben dem Dortmunder U) bietet Platz für 73 Personen zu einem Zeitpunkt.
Die neue Obdachlosen-Anlaufstelle in Zeltform (neben dem Dortmunder U) bietet Platz für 73 Personen zu einem Zeitpunkt. © Schaper © Schaper

Damit das Hygienekonzept intakt bleibt, dürfen sich nicht mehr als 73 Menschen zu einem Zeitpunkt im Zelt aufhalten. An Weihnachten rechneten die Organisatoren erfahrungsgemäß allerdings mit bis zu 350 Interessierten. „Um ein Überlaufen der Veranstaltung mit langen Schlangen zu verhindern, werden wir den Termin des Weihnachtsessens im Vorfeld nicht genau bekannt geben”, sagt der Mitarbeiter. „Nur so viel sei verraten: Es wird an einem der Weihnachtstage stattfinden und von außen für jeden ersichtlich sein.”

Obdachlosen-Speisung als Veranstaltung der Grundversorgung

Auch die Diakonie Dortmund möchte an ihrer 30-Jährigen Tradition des Weihnachtsessens für Obdachlose festhalten. Traditionsgemäß werden an Heiligabend in den Räumlichkeiten des Reinoldinum-Tagungshauses bis zu 150 Obdachlose bewirtet und zu einer Weihnachtsandacht eingeladen. Für dieses Jahr wurden die Räumlichkeiten ebenfalls gebucht, und auch das Ordnungsamt habe bereits sein „Okay” geben.

Da es sich bei einer Kirchenandacht um eine innerhalb der Corona-Bestimmungen zulässige Veranstaltung handele, könne man laut dem Diakonie-Vorsitzenden Niels Back auch in diesem Jahr daran festhalten. Und auch das gemeinsame Essen zähle in der Form einer Obdachlosenspeisung zu einer Veranstaltung der Grundversorgung und sei damit zulässig.

Kostenlose Eintrittskarten können erworben werden

Um die Sicherheit für Gäste und Besucher zu gewährleisten, sollten es in diesem Jahr allerdings nur 120 Gäste in zwei Gruppen à 60 Personen unter Hygienekonzepten sein. „An zwei Diakonie-Anlaufstellen, dem Wichernhaus und dem Haus der Diakonie an der Rolandstraße können innerhalb der nächsten Tage dann personifizierte Eintrittskarten kostenlos erworben werden”, erklärt Back. Dazu genüge im Falle einer Obdachlosigkeit bereits die Angabe des jeweiligen Namens.

Aufgrund der Corona-Krise seien laut Back, der an Weihnachten auch die Andacht für die Obdachlosen abhalten wird, noch zusätzliche Belastungen für die Wohnungslosen hinzugekommen. So herrsche neben der ohnehin schon ständigen Unsicherheit der Betroffenen nun auch noch die Frage, ob angesichts der vielen neuen Sicherheitskonzepte und Einschränkungen überhaupt noch Anlaufstellen zur Verfügung stünden.

Daher sei es auch ein Zeichen im Namen der Gemeinschaft, das diesjährige Weihnachtsfest nicht ausfallen zu lassen – und es, wenn auch unter Einschränkungen, gemeinsam zu begehen.

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