Giona Gaßner (17) würde noch Jahre für Klimaschutz demonstrieren, wenn sich nichts ändert

mlzFridays For Future

Weltweit demonstrieren Schüler und Studenten für eine nachhaltige Klimapolitik- auch in Dortmund. Unter ihnen ist die 17-jährige Giona Gaßner- und sie meint es wirklich ernst.

Dortmund

, 22.02.2019, 17:17 Uhr / Lesedauer: 3 min

Giona Gaßner sagt: „Immer, wenn ich über Umweltpolitik nachdenke, rege ich mich auf, weil nicht genug Wert auf Nachhaltigkeit gelegt wird und unsere Generation alles ausbaden muss, was geldgierige, unumsichtige Politik bis heute verbrochen hat.“

Sie besucht die 11. Klasse der Gesamtschule Brünninghausen, ist seit der ersten Demo auf dem Friedensplatz dabei und ist auch im Organisationsteam der Bewegung. So wie sie, denken auch die anderen Demonstranten.

Parolen und Transparente auf der Demo

Zu hören sind Parolen wie „Widerstand hat keinen Zweck, die Kohlebagger müssen weg“. Zu sehen sind Transparente, auf denen steht: „Es geht nicht um euer Geld! Es geht um unsere Welt!“ oder „Rettet die Pinguine“.

Der Einsatzleiter der Polizei sagt vor Ort: „Es ist eine friedliche Veranstaltung, bisher gab es keine Zwischenfälle.“ Er schätzt, dass etwa 120 Demonstranten dabei sind. Die Demo-Anmelder sprechen von 150 Teilnehmern.

Interesse nimmt ab, Angst nimmt zu

Laut Giona Gaßner waren es in den Wochen zuvor sogar bis zu 300. Mittlerweile habe das Interesse bei einigen nachgelassen, vermutet Giona Gaßner. Die Studentin Therese Kah, die ebenfalls im Orga-Team ist, denkt dass viele Schüler aus Angst nicht mehr am Protest teilnehmen.

Giona Gaßner (17) würde noch Jahre für Klimaschutz demonstrieren, wenn sich nichts ändert

Etwa 120 Demonstranten kamen auf den Friedensplatz. Die meisten sind Schüler. © Said Rezek

In einer Mitteilung des NRW-Ministeriums für Schule und Bildung, die an alle Schulen versandt worden ist, werde zivilgesellschaftliches Engagement und demokratisches Handeln von Schülern zwar begrüßt, dies setze jedoch nicht die allgemeine Schulpflicht außer Kraft, heißt es in dem Text. Auf diese Mitteilung beruft sich Marietta Koschmieder, die Direktorin der Gesamtschule Brünninghausen.

Fehlstunden für das Klima

Giona Gaßner lässt sich davon nicht beeindrucken und nimmt trotzdem an der Demonstration teil. Unentschuldigte Fehlstunden nimmt sie in Kauf, „weil ich es wichtig finde und mir Fridays For Future am Herzen liegt“, sagt sie überzeugt.

Giona Gaßners Worten auf der Demo folgen auch Taten im Alltag. Sie ernährt sich vegan, kauft so gut es geht regionale und Bio-Produkte, verzichtet weitestgehend auf Plastikflaschen und fährt fast immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Forderungen an Politik und Wirtschaft

Von der Politik erwartet sie konkrete und schnelle Maßnahmen zur Verbesserung der Umwelt. „Konzerne sollen einsehen, dass sie sich von nun an nachhaltiger verhalten sollen, damit auch in 100 Jahren unsere Welt noch lebenswert ist. Solange demonstriere ich, auch wenn es Monate, Jahre oder länger dauert. Unsere gesamte Zukunft ist es wert, jetzt viel Zeit zu investieren“, sagt Giona Gaßner und meint es wie ihre Mitstreiter sehr ernst.

Weitere Forderungen der Jugendlichen sind unter anderem „ein Kohleausstieg bis 2030 und das Abstoßen von RWE Aktien durch die kommunalen Energieträger“, so die Veranstalter. „Es ist lächerlich, dass die Menschen, die in den letzten 40 Jahren keinen Finger für unser Klima gerührt haben, jetzt uns verbieten wollen dafür zu kämpfen“ sagt die 18-jährige Therese Kah.

Kanzlerin Angela Merkel zu den Protesten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am 16. Februar zu den Klimaprotesten der jungen Menschen geäußert: Sie brachte die Bewegung in Zusammenhang mit der „hybriden Kriegsführung“, beispielsweise aus Russland.

Darunter versteht man, dass neben der herkömmlichen Kriegsführung, auch Propaganda-Kampagnen aus dem Internet genutzt werden. Es sei laut der Kanzlerin merkwürdig, dass die Kinder plötzlich „einfach so“, ohne äußeren Einfluss, auf die Idee kämen, zu streiken - auch wenn sie sagte, dass Thema durchaus wichtig sein.

Der deutsche, überregionale Account der Fridays For Future Bewegung in Deutschland stellte auf Twitter klar, dass es sich um eine selbst organisierte Bewegung handele und äußerte, dass sie die Bemerkung von Angela Merkel nicht hinnehme.

Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert stellte per Twitter klar, dass die Bundeskanzlerin die Bewegung lediglich als Beispiel für die Mobilisierung durch Kampagnen im Netz genannt hatte - das Engagement der Schüler findet sie „ausdrücklich gut“.

Protest hat Ursprung in Schweden

Die Klimaproteste haben ihren Ursprung in Schweden. Im August vorigen Jahres begann die mittlerweile Neuntklässlerin Greta Thunberg (16) der Schule fern zu bleiben, um gegen die Nicht-Einhaltung des Pariser Abkommens zu protestieren.

Am Donnerstag forderte Thunberg die Europäische Union auf, den CO2-Austoß um mindestens 80 Prozent bis 2030 senken.

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