Kofferleichen-Fund: „Bitte kommen Sie schnell, hier ist ein riesiger Blutfleck“

mlzGrausame Details zum Prozessauftakt

Zerstückelt in einem Koffer wurde eine Leiche im Juli 2019 in Lütgendortmund gefunden. Jetzt hat der Prozess begonnen - und weitere Details zur grausamen Tat kommen ans Tageslicht.

Dortmund

, 27.01.2020, 15:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Staatsanwaltschaft hat den 24-jährigen Mokhtar H. wegen Totschlags angeklagt. Mit 76 Messerstichen soll er in Lütgendortmund seine Ehefrau getötet und die Leiche anschließend in einen großen Koffer gepackt haben. Den Koffer stellte er später offenbar in einer Garage in der Nähe des S-Bahnhofs ab.

Als die Polizei zum ersten Mal in die Tatwohnung im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses an der Westricher Straße gerufen wurde, fehlte von der Leiche noch jede Spur. Klar war aber schon an diesem Sonntag, 28. Juli, dass etwas Schlimmes geschehen sein musste. Ein Freund der Wohnungsinhaberin hatte den Auftrag gehabt, die beiden Kinder der Frau aus der Wohnung zu holen und hatte dabei einen großen Blutfleck auf dem Wohnzimmerboden entdeckt.

Schwierige Verhältnisse vor Ort

Der Zeuge hatte daraufhin die Beamten alarmiert. „Kommen Sie schnell, hier ist ein riesiger Blutfleck.“ Die Polizei hatte jedoch zunächst einige Schwierigkeiten, die persönlichen Verhältnisse vor Ort aufzudröseln. Die Wohnungsmieterin, die Mutter der beiden fünf und neun Jahre alten Kinder, hielt sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Lütgendortmund auf. Sie hatte ihre Freundin gebeten, auf ihren Sohn und ihre Tochter aufzupassen. Jene Freundin war die 21-jährige Ex-Frau von Mokhtar H. die wenige Wochen zuvor zu Besuch gekommen und jetzt so plötzlich verschwunden war.

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Weil schnell klar war, dass es zwischen den Eheleuten einen Streit gegeben haben musste, geriet der 24-Jährige logischerweise ins Visier der Ermittler. Diese machten den Afghanen am Tag darauf an dessen Wohnort in Zwickau ausfindig und nahmen ihn fest.

Neunjähriger Junge wurde befragt

Bis zu diesem Zeitpunkt war noch immer nicht klar, was der 21-Jährigen zugestoßen war. Sehr vorsichtig hatten die eingesetzten Polizistinnen jedoch versucht, die Kinder zu vernehmen - und dabei Erfolg gehabt. Der neunjährige Junge erzählte den Beamtinnen von seiner „Tante“, die auf ihn und die Schwester aufgepasst habe, am Sonntagmorgen aber einmal ganz laut gebrüllt habe. Später habe deren Mann, der „Onkel“ in der Tür gestanden und gesagt, er würde mal schnell wegfahren, um Pizza zu holen. „Der Junge sagte, der Onkel habe so viele rote Punkte im Gesicht gehabt“, berichtete eine Polizistin am Montag vor Gericht.

Nach seiner Festnahme soll Mokhtar H. den Ermittlern den Hinweis auf das Versteck der Leiche gegeben haben. Er hatte den Körper seiner toten Ehefrau in einen Koffer gepfercht und diesen auf dem Weg zum S-Bahnhof in einer Garage abgestellt.

Zahlreiche innere Verletzungen

Bei der Obduktion der Leiche stellten die Ärzte unzählige schwere innere Verletzungen fest. Die Brusthöhle war sowohl von hinten als auch von vorne mehrfach eröffnet worden. Beide Lungenflügel waren kollabiert. Als Todesursache steht Verbluten eindeutig fest.

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Klar ist aber wohl auch, dass der Täter die 21-Jährige im Todeskampf außerdem mit einem Schnürsenkel stranguliert hat.

Trotz der offensichtlichen Grausamkeit, mit der der Täter vorgangen ist, sieht die Staatsanwaltschaft derzeit ein Mordmerkmal noch nicht gegeben. Die Anklage lautet daher - zumindest vorerst - auf Totschlag. Die Höchststrafe dafür beträgt 15 Jahre Haft. Auf die Frage, ob Mokhtar H. im Falle einer Verurteilung auch mit der Abschiebung in seine Heimat Afghanistan rechnen muss, hält sich Staatsanwalt Christph Köster vorerst noch bedeckt. Er sagte am Montag jedoch: „Natürlich steht auch das im Raum.“

Der 24-jährige Angeklagte soll sich seit rund drei Jahren in Deutschland aufhalten. Seine Frau soll zuletzt nicht bei ihm in Zwickau, sondern in Schweden gelebt haben. Für Deutschland hatte sie wohl keine Aufenthaltserlaubnis bekommen.

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