Greenpeace-Protest bei Rewe und Netto bringt Zustimmung - und deutliche Kritik

mlzDiskussion um Fleischkonsum

Wie billig darf Fleisch sein, und was macht das mit der Tierhaltung? Greenpeace-Aktivisten diskutierten mit Kunden vor zwei Dortmunder Läden. Damit stoßen sie nicht nur auf Zustimmung.

Dortmund

, 25.01.2020, 14:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob wir Fleisch essen wollen oder nicht - und wenn ja wie - ist längst zu einer Gewissensfrage geworden. Wir stellen sie uns oder blenden sie aus - besonders beim großen Samstagseinkauf. Die Aktivisten von Greenpeace, die sich am kalten Samstagvormittag vor den Rewe an der Möllerbrücke und vor den Netto an der Hohen Straße stellen, setzen genau hier an und machen den Fleischkonsum der Dortmunder zum Thema.

Sie stellen sich vor die Geschäfte und verteilen Infomaterial. Grundlage ist eine von Greenpeace gestartete Umfrage, wonach die großen Einzelhandelsketten aufgefordert waren, anzugeben, unter welchen Bedingungen das Fleisch, das sie verkaufen, produziert worden war. „Bei den Eigenmarken haben es die Konzerne in der Hand. 88 Prozent des Frischfleisches wird immer noch unter tierschutzwidrigen Bedingungen produziert“, sagt Kira Deltenre von der Dortmunder Greenpeace-Gruppe.

Kunden sollen Protestkarten im Geschäft abgeben

An diesem Samstagvormittag kommen viele Kunden zum Rewe Sanecki an der Möllerbrücke. Viele sprechen mit den Greenpeace-Aktivisten. Sie erhalten eine Karte, auf der sie den Ladeninhaber auffordern, nur Fleisch zu verkaufen, das unter Haltungsbedingungen der Kategorie 3 und 4 produziert wurde. Viele Fleischprodukte werden seit dem vergangenen Jahr mit einem Label gekennzeichnet. Das Label beschreibt die Produktionsbedingungen und teilt diese in vier Kategorien ein. Kategorie 1 beschreibt die Stallhaltung, nach Kategorie 3 kommen die Tiere auch mal nach draußen. Die Karte sollen sie dann im Geschäft abgeben.

Greenpeace-Protest bei Rewe und Netto bringt Zustimmung - und deutliche Kritik

Vor dem Rewe an der Möllerbrücke bezogen die Greenpeace-Aktivisten Stellung. Hier gab es viel Zustimmung von den Kunden. Vom Laden gab es Kritik. © Dennis Werner

Im Rewe-Markt an der Möllerbrücke kommt die Greenpeace-Aktion gegen Billigfleisch nicht gut an. Aus dem Markt heißt es, man fühle sich in ein schlechtes Licht gerückt. Ungerechtfertigt. Man hätte sich doch vorher im Markt erkundigen sollen, dass dort gar kein Billigfleisch verkauft werde. Auch müssten die Marktleitung und die Mitarbeiter im trubeligen Samstagsbetrieb nun die Karten entgegennehmen, die Greenpeace draußen den Kunden zum Ausfüllen an die Hand gegeben hatte.

Lidl, Aldi, Netto und Rewe im Fokus von Greenpeace

Tatsächlich richte sich die Aktion an der Möllbrücke nicht ausdrücklich gegen diesen Rewe-Laden, betont Aktivistin Deltenre. „Wir haben den Ort ausgewählt, weil hier viel Durchlauf ist und wir so mit vielen Kunden ins Gespräch kommen können“, sagt sie. Grundsätzlich sei die Rewe aber mit Blick auf Tierhaltung nicht anders als andere Marken wie Lidl, Aldi oder Netto. Sie alle adressiert Greenpeace mit der Aktion.

Für Greenpeace ist die Aktion der Auftakt für eine weitere Untersuchung. Der Verein will nun schauen, ob es Unterschiede beim Fleischangebot je nach Region oder in Dortmund sogar je nach Stadtteil gibt.

Die Aktion im Kreuzviertel jedenfalls scheint für Greenpeace eine Art Heimspiel zu sein. Die Aktivisten erhalten viel Zustimmung, den Kunden scheint sehr bewusst, was das Tierwohl angeht. Kunden wie Steffen Heimann: „Ich lebe vegan, finde die Aktion von Greenpeace gut, wobei ich es besser fände, wenn überhaupt kein Fleisch mehr zum Verzehr produziert würde.“ Läden, die Fleisch anbieten, boykottieren könne er in Dortmund nicht - aus Mangel an Alternativen: „Leider gibt es hier keine rein veganen Geschäfte.“ Ein weiterer Kunde hat zwar nichts gegen die Aktion, hält sie aber für „Quatsch“. Solange noch Fleisch für China produziert werde, ändere sich nichts. „Mir ist der Appetit auf Fleisch ohnehin längst vergangen“, sagt er.

Vor dem Netto an der Hohen Straße kommt die Aktion ebenfalls gut an. „Wir haben schon fast keine Karten mehr“, sagt eine Greenpeace-Mitstreiterin. Doch Kunden gehen auch häufig an den Aktivisten in Grün vorbei. „Man muss sich teures Fleisch erst mal leisten können“, sagt eine Kundin. Eine Passantin, Ebru Saglih, meint: „Ich esse weniger Fleisch, dann aber gutes. Und das kaufe ich beim Fleischer.“

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