Griechischer Einwanderer wartet in Wambel verzweifelt auf einen Kindergartenplatz

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In Dortmund haben Eltern mit mindestens dreijährigen Kindern ein Recht auf einen Kindergartenplatz. Aber warum muss ein griechischer Einwanderer dann ein Jahr darauf warten?

Wambel

, 27.02.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vasileios Tselios ist verzweifelt. Weil seine Frau eine Stelle als Lehrerin in der griechischen Schule in Wambel angenommen hat, ist er mit ihr und dem dreijährigen Söhnchen Odysseas im September 2019 von Griechenland nach Dortmund gezogen. Sofort habe er sich, so sagt er, beim Jugendamt um einen Kindergartenplatz für den Filius beworben.

Als er vier Monate später noch nichts zu seinem Antrag gehört hatte, wandte er sich erneut an das Jugendamt - und musste dort zu seiner Überraschung erfahren, dass der Name seines Sohnes nirgendwo gespeichert war. So als hätte es die Bewerbung im September gar nicht gegeben. Nun jedoch ist Bewegung in das Thema gekommen. Die Stadt hat der Familie einen Kindergartenplatz ab August 2020 angeboten. Das wäre dann fast ein Jahr, nachdem sie nach Dortmund gezogen ist.

Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz

Er verstehe das nicht, sagt Vasileios Tselios, schließlich habe er doch ein Recht auf einen Kindergartenplatz. Das stimmt. Auf der Website der Stadt Dortmund heißt es ganz unmissverständlich: „Ihr Kind hat ab dem vollendeten dritten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kita.“

Die Familie hat es mit einem Platz bei einer Tagesmutter versucht. Weil dort jedoch nur kleinere Kinder unter drei Jahren sind, war das nicht die richtige Umgebung für Odysseas. Vater Vasileios wünscht sich für seinen Sohn gleichaltrige Spielgefährten und ein Umfeld, in dem er die deutsche Sprache lernen kann.

Mangelnde Sprachkenntnisse

Die mangelnden Sprachkenntnisse sind auch für den Vater momentan noch der größte Hemmschuh, in Deutschland Fuß zu fassen, obwohl ihm Dortmund als Stadt gut gefalle. Doch weil er auf seinen Sohn aufpassen müsse, könne er sich nicht so intensiv um das Lernen der Sprache kümmern, wie er es sich wünsche. Langfristig würde er gern als Musiklehrer arbeiten. Er habe an der Aristoteles-Universität in Thessaloniki Musikwissenschaft studiert.

Wichtig sei ihm, dass nicht nur sein Sohn einen Kindergartenplatz erhalte, sondern alle Dortmunder Kinder und ihre Eltern, die in einer vergleichbaren Situation seien.

Die Stadt teilt via Sprecherin Anke Widow mit, es habe zwei Probleme mit diesem Fall gegeben. Zum einen sei anfangs noch nicht klar gewesen, wohin in Dortmund die Familie genau ziehen wolle, sodass es zu diesem Zeitpunkt noch keinen Sinn gemacht habe, gezielt nach Einrichtungen zu suchen. Außerdem sei die Verständigung schwierig gewesen, weil die Antragsteller nur Englisch und Griechisch sprechen. Inzwischen habe die Familie das Angebot für August angenommen. Falls es weiteren Klärungsbedarf gebe, empfehle sie, noch einmal beim Jugendamt vorzusprechen und einen Dolmetscher mitzubringen.

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