Grippe-Impfstoff: Warum dauert es so lange, bis Nachschub kommt?

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Wieso kann man Grippe-Impfstoff nicht einfach nachbestellen? Wieso muss man lange warten, wenn er aufgebraucht ist? Eine Apothekerin aus Dortmund erklärt, welche Rolle Ärzte dabei spielen.

Dortmund

, 18.11.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es beginnt lange vor der Grippesaison. Im Frühling, wenn es wärmer wird, alle weniger schniefen. Wenn immer weniger Menschen Fieber haben, wenn sich aber alle auf den Sommer freuen.

Dann telefoniert Gisela Ausbüttel mit den Hausärzten in Dortmund, dann geht es in E-Mails darum: Wie viel Impfstoff gegen Grippe brauchen wir wohl im nächsten Herbst und Winter?

Der Kampf der Menschen gegen die Influenza-Viren ist kompliziert. Eine echte Grippe ist keine Erkältung. Sie bringt hohes Fieber mit sich und Erschöpfung. Jahr für Jahr sterben viele daran, vor allem Ältere und Kranke.

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Impfstoff gegen Grippe ist kaum noch zu bekommen

Grippeviren mutieren. Jeden Winter kommen neue, sodass die Antikörper vom Vorjahr nichts mehr bringen. Deshalb raten Ärzte seit vielen Jahren: Ältere und Kranke sollen sich impfen lassen, sollen sich vergleichsweise harmlose Grippeviren-Bestandteile spritzen lassen, damit der Körper trainiert wird.

Dieses Trainings-Serum ist momentan aus. Oder so gut wie. In Dortmund ist es aktuell so gut wie gar nicht mehr zu bekommen.

Bestellung muss schon im Frühjahr passieren

„Im Frühjahr kommen die pharmazeutischen Hersteller auf uns zu“, erklärt Gisela Ausbüttel. Sie und ihre Familie besitzen mehrere Apotheken in Dortmund. Sie ordern auch für viele Praxen in der Stadt die Medikamente.

„Wir telefonieren unsere Ärzte ab und fragen: Wie viel sollen wir vorbestellen?“ Darüber gibt es schon im März Verträge zwischen Apotheken und Ärzten, damit geregelt ist: Wer nimmt am Ende wie viele Dosen Impfstoff?

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Das Problem kennt auch Gisela Ausbüttel: „Keiner kann so richtig sagen, wie viel er braucht.“ Und die Ärzte seien natürlich eher vorsichtig. Nicht, dass Impfstoff ungenutzt im Kühlschrank bleibe, schlecht werde, am Ende nicht ordentlich mit der Krankenkasse abgerechnet werden könnte.

„Wir gehen immer noch ein bisschen on top“, sagt Ausbüttel. Soll heißen: Die Apotheker wissen, dass die Ärzte insgesamt immer noch etwas mehr Impfstoff brauchen, als sie im Frühjahr sagen. Zur Sicherheit hat sie 2020 doppelt so viel geordert wie von den Ärzten gewünscht. „Später kommen ja immer noch Anfragen von dem einen oder dem anderen, ob wir noch etwas haben.“

Virus vermehrt sich in Hühnereiern

Aber wieso diese frühe Abfrage? Das Grippevirus wird in Hühnereiern gezüchtet. Nicht in x-beliebigen aus der Legebatterie, sondern in speziell zertifizierten, ganz sauberen, ganz genormten.

Das Virus wird ins Ei gespritzt, wo es sich prächtig vermehrt. In einem komplizierten Prozess entstehen am Ende Einzelteile des aktuellen Grippevirus, die dann in den Impfstoff kommen.

Einzelteile reichen, um das Immunsystem zu stärken gegen das echte Virus.

Das Problem jedoch: Die Herstellung dauert rund sechs Monate. Und auf Vorrat werde eben nichts produziert, da sich die Influenza-Viren rasch veränderten.

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Anfrage aus Bayern: Ist noch Impfstoff bei euch?

Wie die Menschen im Herbst 2020 reagierten, nach einem halben Jahr Corona, das konnte im März noch niemand sagen. Dass sich nun viele unsicherer fühlen und doch eher zur Impfung – auch gegen Grippe – kommen wollen, das war nicht vorhersehbar.

Gisela Ausbüttel weiß, dass die Nachfrage nun extrem groß ist. Selbst eine Kollegin aus Bayern habe sich gemeldet: Habt ihr noch Influenza-Impfstoff? Sie sagte Nein: „Dieser Impftourismus hat insgesamt zugenommen, auch innerhalb Dortmunds.“

„Grippeimpfung schützt nicht vor Erkältung“

Denn eigentlich vertritt Ausbüttel einen einfachen Standpunkt: „Mein Fokus ist immer die ordnungsgemäße Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln.“ Und da sie auch Inhaberin der „Apotheke im eks“ ist, also im Einkaufszentrum Scharnhorst, bedeutet das: „Wie viele Leute wohnen jetzt in Scharnhorst? Wie viele können wir versorgen?“

Und auch: Wer muss eigentlich geimpft werden? Wer ein fittes Immunsystem habe, keine Vorerkrankungen und nicht älter sei, der brauche auch keine Impfung, findet sie.

Zumal eins auch klar sein müsse: „Die Grippeimpfung schützt nicht vor der Erkältung.“

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