Kommen größere Außenbereiche als Lösung für die Gastronomie-Krise?

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Bei einer Erweiterung der Außenbereiche von Biergärten und Restaurants könnten dort wieder mehr Gäste bedient werden. Gastronomen unterstützen den Ansatz, haben aber auch eine Sorge.

Dortmund

, 25.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Umsätze in der Gastronomie seien nach den Einschränkungen wegen des Coronavirus auf nur noch 25 bis 35 Prozent im Vergleich zur Normalität gesunken, sagt Lars Martin, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Westfalen. Um eine Pleitewelle zu vermeiden, wollen aktuell viele deutsche Städte ihren Gastronomen unter die Arme greifen. Unter anderem durch eine Vergrößerung der Außenbereiche und Terrassen von Restaurants, Biergärten und Co.

Im Sommer mehr Kundschaft

Die Rechnung, die diesen Plänen zugrunde liegt, ist einfach: „Wenn es in einem Biergarten von 100 Quadratmetern Größe vor den Einschränkungen wegen des Coronavirus zehn Tische gab, standen die in der Regel relativ eng. Dieselbe Nutzung der Fläche ist jetzt nicht mehr möglich“, erklärt Martin: „Um den Abstand von 1,5 Metern zwischen den Tischen einhalten zu können, mussten viele Gastronomen große Teile der Außenbestuhlung in den Keller räumen.“

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Vergrößere man die zur Verfügung stehende Fläche, so könne, gerade wenn sich die Hoffnung auf einen schönen Sommer erfüllt, in dem sich die Leute ohnehin lieber draußen als im Innenbereich aufhalten, auch wieder mehr Kundschaft empfangen werden.

Noch kein Zeitplan vom Ordnungsamt

In Düsseldorf gibt es eine diesbezügliche Neuregelung bereits. Gehwege, Parkplätze und – zu bestimmten Tageszeiten – sogar Fahrbahnen sollen als Erweiterung der Außengastronomie dienen. Das Dortmunder Ordnungsamt erarbeite derzeit ebenfalls ein Konzept, so Stadtpressesprecher Maximilian Löchter.

Die zur Verfügung stehenden öffentlichen Wegeflächen seien allerdings zumeist sehr begrenzt, sagt Löchter weiter. Viele Gastronomen nutzten schon jetzt die maximale zur Verfügung stehende Fläche. Außerdem müsse, insbesondere auf Fahr- und Gehwegen, sichergestellt sein, dass Verkehrsteilnehmer nicht durch Tische und Stühle der Gastronomen gefährdet werden.

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Ganz unkompliziert ist es also nicht, das Konzept auf den Weg zu bringen. Einen genauen Zeitplan veröffentlicht das Ordnungsamt daher noch nicht.

Der Dehoga hofft auf eine schnelle Lösung. „Wir haben einen recht eindringlichen Appell an die Städte gerichtet und diese sind nun bemüht, etwas zu unternehmen“, so Lars Martin. Dortmund und Düsseldorf bilden dabei laut Dehoga keine Ausnahmen. Dass große Teile der Gastronomie verschwinden, wolle zum Glück keine Stadt.

Schmerzminderung nicht überall möglich

Detlef Lotte, der das Restaurant „Schönes Leben“ im Kreuzviertel betreibt, wusste vor einem Gespräch mit dieser Redaktion noch nichts von den Plänen.

Grundsätzlich sieht er in der Idee aber einen positiven Ansatz. „Aber nicht alle haben die Möglichkeit, zu erweitern“, merkt er an. „Ein kleiner Biergarten im Kreuzviertel zum Beispiel, vor dem noch ein 1,5 Meter breiter Gehweg freibleiben muss – der hat da keine Chance.“

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Trotzdem: „Wo die Möglichkeit besteht, kann man so zusätzliche Einnahmen schaffen, sozusagen zur Schmerzminderung“, sagt er. Außerdem habe die Erfahrung gezeigt, dass das Coronavirus im Freien weniger gefährlich sei als im Innern. „Wir können trotzdem nicht erwarten, dass wir dadurch wieder auf 100 Prozent unserer Umsätze kommen“, sagt Lotte. Das liege unter anderem daran, dass die Leute vorsichtig seien.

Ganz schwarz sieht Lotte aber nicht für die Zukunft der Dortmunder Gastronomiebranche: „Wenn es keine schlimmen Rückschläge gibt, können wir sukzessive vorgehen, um die Lockerungen und damit auch unsere Umsätze wieder zu steigern“, sagt er. Dabei wünscht er sich allerdings, dass etwas mehr auf die Vernunft vertraut wird - und weniger auf langsame Bürokratie.

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