Das Impfzentrum in der Warsteiner Music Hall auf Phoenix-West geht noch nicht wie geplant am 1. Februar in Betrieb. © Oliver Schaper
Impfungen gegen Corona

Großer Ärger über Impf-Stopp – Dortmunder Impfzentrum startet später

Bis zum 1. Februar soll es in Nordrhein-Westfalen wegen Impfstoff-Mangels keine neuen Corona-Impfungen mehr geben. Auch die Impfplanung in Dortmund ist davon massiv betroffen.

Bei Dr. Reinhard Büker klingelte am Mittwoch (20.1.) unaufhörlich das Telefon. Der ärztliche Leiter des Dortmunder Impfzentrums wurde vom verkündeten Impf-Stopp völlig überrascht. Alle Impfpläne für diese und die nächsten Wochen sind über den Haufen geworfen.

„Das wird vor allem logistisch eine Herausforderung“, sagte Büker in einer ersten Reaktion, bevor er sich aus seiner Praxis in Huckarde auf den Weg ins Impfzentrum nach Hörde machte, um dort die Lage zu erkunden. „Die ganze Logistik und Personalplanung muss jetzt angepasst werden“, berichtete er dann am Abend.

Start im Impfzentrum verschoben

Klar ist: Der eigentlich für den 1. Februar geplante Start des Impfzentrums in der Warsteiner Music Hall verschiebt sich um eine Woche – wie in ganz NRW. „Die Betriebsaufnahme der Impfzentren und die Erstimpfungen für die Über-80-Jährigen starten dann ab dem 8. Februar – eine Woche später als in der bisherigen Planung vorgesehen“, erklärte eine Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums auf Anfrage.

Dr. Reinhard Büker koordiniert die Corona-Impfungen in Dortmund.
Dr. Reinhard Büker koordiniert die Corona-Impfungen in Dortmund. © Schaper (A) © Schaper (A)

Die Landesregierung habe die Impfplanung anpassen müssen, weil Hersteller Biontech etwa 100.000 Impfdosen weniger liefere als ursprünglich geplant. Die Vergabe von Impfterminen für die über 80-Jährigen, die als erste geimpft werden sollen, soll trotzdem am 25. Januar (Montag) starten, heißt es aus dem Ministerium.

Auch der Versand der Briefe an alle über 80-Jährigen in Dortmund ist nach Auskunft der Stadt weiterhin für den 23. Januar geplant. Anmeldungen sollen am 25. Januar ab 8 Uhr online unter www.116117.de und telefonisch unter 0800 116 117 02 möglich sein.

Ansturm auf KVWL-Seite

Organisiert werden die Impfungen von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), die ebenfalls von der Nachricht aus Düsseldorf überrascht wurde. Man erwarte in Kürze einen Erlass des Ministeriums zu der Entscheidung und zum weiteren Vorgehen, erklärte KVWL-Sprecherin Vanessa Pudlo.

Auch wenn die KVWL selbst viele Fragen nicht beantworten konnte, brach ihre Corona-Internetseite am Nachmittag unter zu großem Ansturm zusammen und war nicht abrufbar.

Besonders betroffen vom Impf-Stopp sind schon jetzt die Pflegeheime, in denen Bewohner schon seit Ende Dezember geimpft werden, und die Krankenhäuser. Dort waren die Impfungen von medizinischem Personal, das unmittelbaren Kontakt zu Covid-Kranken hat, erst in dieser Woche gestartet – oder sollten in diesen Tage beginnen.

So wie im Klinikum Westfalen mit den Knappschaftskrankenhäusern in Brackel und Lütgendortmund. „Alle geplanten Impfungen sind nun storniert“, erklärte Pressesprecher Klaus-Peter Wolter auf Anfrage. Man hoffe, dass man Anfang Februar mit den Impfungen für die Beschäftigten starten könne, die ganz oben auf der Prioritätenliste stehen.

Ärger in den Krankenhäusern

Ebenfalls betroffen sind die Krankenhäuser der Kath. St. Lukas Gesellschaft, zu der das Katholische Krankenhaus Dortmund-West und das Josefs-Hospital in Hörde gehören. „Wir sind sehr enttäuscht und fühlen uns im Stich gelassen“, erklärte Geschäftsführer Clemens Galuschka.

„Während an anderer Stelle umfangreich geimpft wurde, bleiben unsere Ärzte und Pflegenden, die an der Front Corona-Patienten versorgen, bis auf weiteres ohne Impfschutz“, kritisiert Galuschka. „Das ist eine sehr unbefriedigende Situation für alle, die sich Tag für Tag in der Behandlung von infizierten Patienten engagieren und sich dabei selbst einer Ansteckungsgefahr aussetzen.“

Die Medizinerin Dr. Nanni Hunn aus Huckarde ist ebenfalls verärgert über die Impf-Pause. Sie hatte in der vergangenen Woche die ersten Heimbewohner im Altenzentrum St. Antonius geimpft. „Für meine Patienten bedeutet das eine längere Wartezeit auf den langersehnten Impfstoff“, sagt Hunn.

Sie hofft, dass die Verzögerung der Impfung nicht zur Folge hat, dass der Lockdown erneut verlängert werden muss. „Das wäre für viele Menschen sehr schlimm“, sagt Hunn.

Zweite Impfung ist gesichert

Sorgen gab es auch, ob die zweite Impfung, die drei Wochen nach dem ersten Impftermin ansteht, gesichert ist. Das ist sie, versichert Reinhard Büker. „Die zweite Impfung findet Stand jetzt statt“, sagte der Leiter des Impfzentrums am Abend. „Der Impfstoff liegt parat.“

Seine Hoffnung ist, dass es Anfang Februar mit den Impfungen generell schnell weitergeht. Das Impfzentrum in der Warsteiner Music Hall sei startbereit. „Wir können hier von jetzt auf gleich loslegen“, erklärt der Mediziner. Er gibt sich trotz des jetzt verkündeten Impf-Stopps für zwei Wochen generell optimistisch. „Meine Hoffnung ist, dass bis Ende des Jahres, jeder der geimpft werden will, geimpft sein kann“, sagt Büker.

Talk zum Thema Impfen bei „Clubhouse“

  • Das Klinikum Dortmund nutzt die neue Social-Media-App „Clubhouse“ zu einem Audio-Talk zum Thema Corona-Impfung. Unter dem Titel „DocClub: Fragt Corona-Experten zu Impfung & Co.“ beantworten Experten Fragen von Zuhörern.

  • Als Gäste angekündigt sind Prof. Dr. Carsten Watzl, Immunologe am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der TU Dortmund und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, und Privatdozent Dr. Bernhard Schaaf, Direktor der Klinik für Pneumologie und Infektiologie im Klinikum Dortmund. Moderiert wird der Talk von Marc Raschke.

  • Der „Audio-Talk“ läuft am Donnerstag (21.1.) um 17 Uhr über „Clubhouse“-App.
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Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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