Im Polizeipräsidium an der Markgrafenstraße ist am Montag (8.3.) die Kriminalstatistik vorgestellt worden. © Kevin Kindel
Polizei-Statistik

Großstadt-Vergleich: Dortmund hat die meisten Straftaten pro Einwohner

Die Polizei Dortmund freut, dass die Zahl der Straftaten nur gering angestiegen ist. Dabei ist die Entwicklung anderswo deutlich positiver. Unsere Grafik zeigt einen unrühmlichen Spitzenplatz.

„Auch im Corona-Katastrophen-Jahr: Kriminalität in Dortmund verharrt auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 15 Jahren.“ Das ist die Überschrift der Pressemitteilung der Polizei Dortmund zur gerade veröffentlichten Jahresbilanz. Allerdings zeigen die Zahlen auch, dass andere Städte mehr Grund zur Freude haben.

Die sogenannte Häufigkeitszahl beschreibt das Verhältnis der Straftaten pro Einwohner. In Dortmund hat es pro 100.000 Einwohner im Jahr 2020 demnach 10.500 Straftaten gegeben. Weil die Stadt gewachsen ist, ist dieses Verhältnis etwas besser als im Vorjahr (10.515), obwohl 42 Straftaten mehr angezeigt wurden.

Köln hat neuerdings ein besseres Verhältnis als Dortmund

Für einen Vergleich betrachten wir die fünf größten Städte Nordrhein-Westfalens und bemerken, dass diese Zahl in anderen Städten deutlich stärker gesunken ist. Bisheriger negativer Spitzenreiter war jahrelang die Millionenstadt Köln – in der es jetzt aber nur 10.416 Taten pro 100.000 Einwohner gab. Die Metropole am Rhein zieht also an Dortmund vorbei.

Auf Platz drei liegt die Landeshauptstadt Düsseldorf mit 10.028. Dann folgt eine relativ große Lücke auf Duisburg (8641) und Essen (7472). Duisburg ist übrigens die einzige der genannten Städte, in der die Häufigkeitszahl angestiegen ist.

Bei der Präsentation der Statistik auf diese anderen Städte angesprochen, sagte Walter Kemper, Leiter der Direktion Kriminalität: „Wir haben sogenannte Vergleichsgruppen.“ Unter anderem vergleiche man auch diese Häufigkeitszahl mit den oben genannten Städten.

Konkrete Zahlen nannte er nicht – zum Zeitpunkt des Gespräches lagen sie unserer Redaktion noch nicht vor. Man wolle nicht in Konkurrenz zu den anderen Behörden stehen, so Kemper, die Entwicklung sei „meistens gleichförmig, in dem einen Bereich etwas besser, in dem anderen schlechter“. Aus seiner Sicht sei nicht zu erkennen, dass eine der Großstädte besonders ausreißt: „Sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.“

Polizeipräsident Gregor Lange ergänzte, dass die Polizei Dortmund mit der seit einigen Jahren stabilen Aufklärungsquote immer Erster oder Zweiter in der Vergleichsgruppe sei. „Da brauchen wir, glaube ich, keinen Vergleich zu scheuen“, so Lange. 57 Prozent aller Straftaten sind im Jahr 2020 in Dortmund laut Polizei aufgeklärt worden.

Meinung

War die Arbeit der Polizei Dortmund im vergangenen Jahr nun besser oder schlechter als zuvor? Die Kriminalstatistik liefert darauf keine pauschale Antwort. Die Polizei will die Stadt natürlich sicherer machen und die Zahl der Straftaten senken. Manche Delikte fallen aber erst durch intensive Ermittlungen auf, dazu gehören etwa Kinderpornografie oder Drogendelikte. Dann steigen die Fallzahlen. Die direkt involvierten Personen zeigen diese Taten in der Regel nicht an – anders als etwa das Opfer eines Fahrraddiebstahls. Wer eine Bewertung der Zahlen erwartet, muss damit leben, dass die Antwort nicht klar schwarz oder weiß sein kann.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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