Grüne Wahlempfehlung unnütz? Alle Grünen-Hochburgen gingen an Westphal

mlzOberbürgermeister-Stichwahl

Thomas Westphal von der SPD hat die OB-Stichwahl eindeutig gewonnen - auch dort, wo man es nach der Empfehlung der Grünen nicht unbedingt vermutet hätte. Ein Blick in die Statistik.

Dortmund

, 28.09.2020, 17:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Ende war es zwar knapp, aber eindeutig: SPD-Kandidat Thomas Westphal siegte bei der Stichwahl um das Oberbürgermeister-Amt in Dortmund mit 75.755 Stimmen gegen CDU-Mann Andreas Hollstein, der auf 70.005 Stimmen kam.

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Dabei legte Westphal im Vergleich zum ersten Wahlgang vor zwei Wochen um 190 Stimmen zu, Hollstein um 15.500 Stimmen - ein Plus von 28 Prozent.

Interessant ist die Frage, ob die Wahlempfehlung der Grünen Andreas Hollstein eher genutzt oder geschadet hat. Dazu liefert eine Wahlanalyse der städtischen Statistiker interessante Hinweise.

Starke Zugewinne für Hollstein

Fakt ist: Die hohe Zahl an zusätzlichen Stimmen für Andreas Hollstein trotz niedrigerer Wahlbeteiligung spricht dafür, dass er aus anderen Lagern Anhänger dazu gewonnen hat. Und das besonders in Wahlkreisen, in denen die Grünen bei der Kommunalwahl stark waren, wie in der westlichen Innenstadt und Teilen des Stadtbezirks Hombruch.

Allerdings: Nur in acht von 40 Dortmunder Wahlkreisen lag Hollstein vor Westphal. Außer der Gartenstadt, die zum Stadtbezirk Innenstadt-Ost gehört, liegen alle im Südwesten der Stadt.

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Auf Stadtbezirks-Ebene liegt Hollstein in den drei südlichen Stadtbezirken Aplerbeck, Hörde und Hombruch vorn. Im Bereich Hombruch aber auch nur, weil er im Wahlkreis Kirchhörde, Lücklemberg und Bittermark mit 66,9 Prozent ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis erzielt hat. In den anderen drei Wahlkreisen in Hombruch zwischen Brünninghausen und Eichlinghofen mit eher schwarz-grüner Prägung liegt Westphal knapp vorn.

Auch die vier Innnenstadt-Wahlkreise, in denen im ersten Wahlgang die Grünen-Kandidatin Daniela Schneckenburger vorn lag, sind allesamt an Westphal gegangen. Besonders dazugewonnen hat Westphal in der Nordstadt, wo er ein um rund 30 Prozentpunkte höheres Ergebnis erzielt hat als vor zwei Wochen.

Westphal punktet bei Briefwählern

Ein interessantes Phänomen spricht aber dafür, dass sich doch einige Grünen-Wähler die Empfehlung für Andreas Hollstein zu Herzen genommen haben. Denn es fällt auf, dass SPD-Kandidat Thomas Westphal bei der stark genutzten Briefwahl besser abschneidet als im Gesamtergebnis. Dabei ist die Briefwahl sonst eher eine Domäne der CDU-Wählerschaft, erklären die Statistik-Experten der Stadt.

Umgekehrt erreichte Hollstein am Sonntag in den Wahllokalen ein etwas höheres Ergebnis als bei der Briefwahl - also bei den eher kurzentschlossenen Wähler. Möglicherweise kam die erst am Dienstagabend vor der Wahl ausgesprochene Empfehlung der Grünen für Hollstein zu spät, um die Briefwähler zu erreichen.

Wieder niedrige Wahlbeteiligung

Einmal mehr enttäuschend ist die Wahlbeteiligung. 47,1 Prozent waren es bei der Hauptwahl am 13. September, zur Stichwahl nun noch 32,6 Prozent. Das heißt, dass nur jeder dritte Wahlberechtigte seine Stimme abgegeben hat. Der schwache Trost ist, dass die Beteiligung um 1,7 Prozentpunkte höher ausfälllt als bei der Stichwahl vor sechs Jahren.

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Besonders niedrig war die Beteiligung erneut in der Nordstadt, wo im Schnitt nur 13,2 Prozent der Wahlberechtigten gewählt haben. Wahleifrigster Stadtbezirk ist Hombruch mit 43,4 Prozent.

Der Blick auf die Entwicklung der Wahlbeteiligung lässt aber auch denSchluss zu, dass viele Grünen-Wähler ins Lager der Nichtwähler gegangen sind. Denn in den Grünen-Hochburger in der westlichen Innenstadt fällt der Rückgang der Wahlbeteiligung besonders deutlich aus, auch, wenn sie insgesamt über dem Durchschnitt liegt.

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Diese Erfahrung hat auch Ulrich Langhorst gemacht. Viele traditionelle Grünen-Wähler, so vermutet der Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, haben sich wohl schwer damit getan, ihr Kreuz hinter die Buchstaben CDU zu machen. Die Wahlempfehlung für CDU-Kandidat Andreas Hollstein haben am Ende also zu wenige Grünen-Wähler beherzigt.

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