Die Angeklagte will sich nun doch erst später zu den Vorwürfen äußern. © Martin von Braunschweig
Totschlagsprozess

Grundschüler ist wichtiger Zeuge in Totschlagsprozess

In aufgeheizter Atmosphäre ist am Schwurgericht der Totschlagsprozess gegen eine 35-jährige Frau aus Wickede fortgesetzt worden. Vor allem die Angehörigen des Opfers kochten vor Wut.

Die Angeklagte selbst will sich entgegen früherer Ankündigungen doch noch nicht so bald selbst zu den Vorwürfen äußern. Am ersten Verhandlungstag hatte Verteidiger Ulrich Bambor lediglich bestätigt, dass seine Mandantin sich daran erinnere, am Tattag ein Messer gegen ihren Lebensgefährten eingesetzt zu haben. Dass dieser wehrlos auf dem Bett lag, glaube sie aber nicht.

Die Richter müssen nun versuchen, anhand von Zeugenaussagen zu rekonstruieren, was genau am 12. März in der Wohnung in Wickede vorgefallen ist. Auf die wichtigste Aussage werden sie allerdings verzichten müssen. Der bei der Tat anwesende Sohn der Angeklagten hat erklärt, dass er nicht gegen seine Mutter aussagen wolle und deshalb auf sein Verweigerungsrecht bestehe.

„Die lügt doch wie gedruckt“

So war es am Mittwoch an den Eltern der Angeklagten, die Einzelheiten der Beziehung zu schildern. Was die 61-jährige Hausfrau und der zwei Jahre ältere Maschinenschlosser aussagten, sorgte vor allem bei den Angehörigen des Opfers immer wieder für Unmut.

Als die Mutter schließlich behauptete, der inzwischen bei ihnen lebende Junge habe bisher keinerlei Einzelheiten vom Tattag geschildert, platzte einigen Zuschauern fast der Kragen. „Die lügt doch wie gedruckt“, war noch einer der harmlosesten Sprüche, die zu hören waren.

Sohn setzte Notruf ab

Tatsächlich soll der Grundschüler bei der Polizei gesagt haben: „Daddy liegt hier voller Blut auf dem Boden, weil Mama ihn mit dem Messer gestochen hat.“ Unmittelbar nach der Tat hatte der Junge zunächst seine Großeltern angerufen und dann selbstständig die Polizei und einen Krankenwagen alarmiert.

Die Angehörigen sind davon überzeugt, dass die zur Tatzeit betrunkene und unter dem Einfluss von Kokain stehende Angeklagte ihren Lebensgefährten erstochen hat, als dieser nichtsahnend auf dem Bett lag. Der Vater der Angeklagten, der als erster am Tatort eingetroffen war, behauptete jedoch: „Ich kam rein, da kam mir meine Tochter in die Arme gelaufen. Sie hat gesagt, dass er sie gerade wieder geschlagen habe.“

Wer hatte ein Alkoholproblem?

Während die Eltern in ihren Zeugenaussagen immer wieder darauf zu sprechen kamen, dass der später Getötete wohl viel Alkohol getrunken habe, schreiben die Angehörigen des Opfers dieses Problem vor allem der Angeklagten zu. „Wenn sie getrunken hatte, wurde sie richtig aggressiv“, hieß es im Gericht. Bei einer Blutprobe nach der Festnahme der 35-Jährigen stellten die Ärzte einen Alkoholwert von über 2,6 Promille fest.

Der Prozess vor dem Schwurgericht wird auf jeden Fall noch bis zum neuen Jahr dauern.

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