Seit wenigen Wochen rattern schwere Güterzüge durch Huckarde und bringen die Anwohner um den Schlaf. Normalerweise fährt hier nur die S-Bahn. Beschwerden bei der Bahn stoßen auf taube Ohren.

Huckarde

, 29.09.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitten in der Nacht zittern die Wände. Zwischen 2 und 4 Uhr nachts, wenn die S-Bahn Pause macht, kämpfen sich alte Diesel-Loks die Anhöhe hoch, scheppern und schnaufen auf den alten Gleisen. „Es hört sich an, als würde hier Technik aus den 50-ern eingesetzt. Ruhig schlafen kann man dabei nicht“, berichtet Anwohner Uwe Thieß aus der Therwingenstraße. Von seinem Garten aus blickt er auf die S-Bahnstrecke zwischen Wischlingen und Westerfilde. Seit einem Monat ärgert er sich über die Güterzüge, die seines Erachtens nichts in einem Wohngebiet verloren haben: „Es gibt genug Industrie-Bahnanlagen am Hafen. Bisher war es hier ruhig. Warum müssen die jetzt ihre alten Geräte durch Huckarde jagen?“

Die Bahn darf auf ihren Gleisen tun, was sie möchte

Vor eineinhalb Jahren rollten die Güterzüge bereits durch das Wohngebiet. Das ging aufgrund von Bauarbeiten jedoch nur ein paar Tage so. Die Bahn hatte die Güterzug-Umleitungen - damals wie heute - nicht bei den Anwohnern angekündigt. Damals hatte Uwe Thieß die eher pampige Auskunft von der Bahn bekommen, dass sie auf ihren Gleisen machen könne, was sie wolle:

„Sie, werter Herr Thieß, wohnen an einer Bahnstrecke mit regelmäßigem S-Bahnverkehr und gelegentlichem Güterverkehr. Das kennen Sie und haben sich wahrscheinlich darauf eingestellt“, hieß es vor zwei Jahren. „Gemäß §14 des Allgemeinen Eisenbahngesetzes können alle Eisenbahnverkehrsunternehmen zu jeder Tages- und Nachtzeit das Schienennetz diskriminierungsfrei in allen Bereichen nutzen“, erklärte die Bahn dem Anwohner damals nach mehreren Anfragen.

Beim aktuellen Konflikt hat er noch nicht weiter nachgebohrt. Und auch bei der örtlichen Politik ist das Problem noch nicht angekommen. Weder Bezirksbürgermeister Harald Hudy noch Verwaltungsstellen-Chef Frank Führer wussten bis zur Anfrage dieser Redaktion von den nächtlichen Transporten. Hudy stellte aber in Aussicht, dass in der Bezirksvertretung eine offizielle Anfrage an die Bahn gestellt werden könnte. Man könne aber nicht voraussehen, wie lange die Bahn brauche, um zu antworten.

Bahn veröffentlicht Lärm-Karten

Die Bahn betreibt online ein Lärmschutz-Portal. Dort wird unter anderem über leise Gleise und Lärmschutzwände informiert. Lärmschutzwände wären aber für Thieß keine Option. Er wünscht sich, dass die Güterzüge wieder ganz aus Huckarde verschwinden. Die Bahn veröffentlichte eine bundesweite Lärm-Karte, auf der deutlich wird, dass es vielerorts zu laut ist - auch an besagter S-Bahn-Strecke. Es gibt eine bundesweite Initiative gegen Bahnlärm sowie kleinere örtliche Vereine, die sich zu diesem Zweck gebildet haben. In Huckarde haben sich die Anwohner bisher nicht zusammengeschlossen. Dabei ist der Lärm weit zu hören: „Eine Bekannte wohnt im Oskarweg in zweiter Reihe. Das ist auf der anderen Seite der Gleise. Selbst die hört nachts die Züge“, erzählt eine Anwohnerin.

Güterzüge rütteln Anwohner aus den Betten

Laut der Lärmkarte wohnt Uwe Thieß (Pfeil) im roten Bereich - und das, obwohl auf der Karte der aktuelle Güterverkehr noch nicht berücksichtigt wird. © Eisenbahnbundesamt

Tagsüber ließe sich der Lärm noch verdrängen, so Thieß. Nachts jedoch wackeln die Wände. Selbst nach Mitternacht fahren die Züge mit einer Frequenz von etwa vier Zügen pro Stunde. Bei offenem Fenster zu schlafen, sei da nicht möglich. Auch Familie Kastrup, die ein paar Häuser weiter wohnt, leidet unter dem Bahnlärm. „Ich schlafe nach hinten raus und höre die Züge trotzdem. Auch Fernsehen kann man nicht, wenn die Züge vorbeirauschen. Das sind richtig lange Schwertransporte. Die Wände wackeln sogar“, sagt Gabriele Kastrup.

Auf unsere Anfrage zum aktuellen Güterverkehr auf den Gleisen in Huckarde, hat die Deutsche Bahn bisher nicht reagiert.

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