Guido Baranowski geht nach 35 Jahren Pionierarbeit im Technologiezentrum von Bord. © Gregor Beushausen
Verdienstkreuz-Träger

Guido Baranowski: Der Gründer des Technologiezentrums hört auf

Er ist ein Pionier des modernen Dortmund: Ohne Guido Baranowski wäre das Technologiezentrum an der Technischen Universität nicht denkbar. Dabei hätte er Dortmund einst beinahe verlassen.

Guido Baranowski (67) geht mit der Zeit, empfängt in Jeans und Sneakers. Vor Jahren ist er mal als „bodenständiger Trendsetter“ charakterisiert worden. Eine Beschreibung, der Baranowski durchaus zustimmt. Er war tatsächlich der Trendsetter für Dortmund, Anfang der 80er und in den darauffolgenden Jahren. Die Stadt und das östliche Ruhrgebiet steckten in einer tiefen Krise. Bier, Kohle und Stahl waren als tragende Säulen der Industrie weggebrochen. Und nun?

Den Stadtspitzen schwebte ein Technologiezentrum vor. Eines, in dem junge Unternehmen neue technologische Produkte erforschen, sie entwickeln und mit Hilfe der Wissenschaft zur Marktreife bringen.

Baranowski, damals noch in der Privatwirtschaft tätig, bewarb sich und schrieb ein Konzept. „Die Idee war, in die Praxis abgewanderte Wissenschaftler zur Uni zurück zu holen, Kontakt zu Unternehmen aufzubauen und Ausgründungen aus der Privatwirtschaft zu fördern“, erklärt Baranowski.

Die Uni, damals von großen, freien Flächen umgeben, bildet das Rückgrat. Was so scheinbar simpel daherkommt, hat zu einer der größten Erfolgsgeschichten Dortmunds geführt: Heraus kam die Blaupause für den Aufbruch der Stadt ins Technologiezeitalter.

Er drängte sich nie ins Rampenlicht

Seit seinem Start 1985 hat sich das Technologiezentrum (TZ) inmitten des Wissenschafts- und Technologiecampus zu einem der bedeutendsten Europas entwickelt. Mit namhaften Instituten und rund 300 techonologie-orienterten Firmen mit 13.500 Mitarbeitern.

Die „Keimzelle TZ“ hat mittlerweile europa- und weltweit tätige Unternehmen wie den Autozulieferer Elmos hervorgebracht oder Boehringer Ingelheim Microparts, die Inhalatoren (Zerstäuber) für die Humanmedizin herstellen.

Eine Erfolgsgeschichte, die Baranowski als Gründervater und Geschäftsführer maßgebend mitgeschrieben hat. Wie nebenbei hat er auch am Aufbau des TZ in Dresden mitgewirkt. „Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist die Entwicklung in Dortmund zum Selbstläufer geworden“, sagt er.

Baranowski ist mehrfach ausgezeichnet worden, trägt das Bundesverdienstkreuz erster Klasse und erhielt den Dortmunder City-Ring. Dennoch hat er sich nie ins Rampenlicht gedrängt und einen Platz in vorderster Reihe beansprucht. Seriös, unaufgeregt und mit besten Kontakten zu Wissenschaft und Wirtschaft – so hat er seinen Job über mehr als 35 Jahre erledigt.

Zwei Jobangebote hat er abgelehnt

Und ja, natürlich hatte es Diskussionen über Dortmunds neue Marschroute ins High-Tech-Zeitalter gegeben, damals. „Wir mussten diese Entwicklung erstmal in die Köpfe der Menschen bekommen“, sagt Baranowski in seinem Büro im TZ-Gebäude an der Emil-Figge-Straße. „Biomedizin in Dortmund – das war durchaus umstritten“, räumt er ein.

In der Ecke stehen gepackte Umzugskartons. Insgesamt würden es zwölf, sagt Baranowski. Er wird sie alle mitnehmen, genau wie seine digitalen Speicherdaten. Ob das auch für den orangefarbenen Stuhl hinterm Schreibtisch gilt, lässt er offen. Es ist, weiterer Ausweis für seine fast schon legendäre Bescheidenheit, noch immer jener Stuhl, den er seit 35 Jahren besetzt.

Schreibtisch und Stuhl stammen noch aus den Anfängen des TZ im Jahr 1985 und genießen fast schon Kultstatus.
Schreibtisch und Stuhl stammen noch aus den Anfängen des TZ im Jahr 1985 und genießen fast schon Kultstatus. © Gregor Beushausen © Gregor Beushausen

Dabei hätte er wechseln können: Das Angebot, als Wirtschaftsförderer nach Berlin zu gehen, lehnt er jedoch ebenso ab wie einen Wechsel zur Ceaser-Stiftung nach Bonn. Aber es war knapp. Baranowski schmunzelt: „Zwei Tage vor der Aufsichtsratssitzung in Berlin habe ich abgesagt“, erzählt er. „Aus familiären Gründen.“

So ist er in seiner Heimat Fröndenberg geblieben und hat die Erfolgsgeschichte seiner Wahlheimat Dortmund einfach fortgeschrieben. Dabei konnte er sich auf den Rückhalt der TZ-Gesellschafter (Stadt Dortmund, IHK, Handwerkskammer, TU, FH und Kreditinstitute) stets verlassen. „Unsere Beschlüsse waren immer einstimmig“, erzählt Baranowski. Man merkt: Darauf ist er durchaus stolz.

TZ sorgt für Steuereinnahmen

Wie er eben auch stolz ist, dass für die Stadt Dortmund durch das TZ ein Steueraufkommen von jährlich rund 40 Millionen Euro erwachse. Seit der Gründung 1985 seien 250 Millionen Euro öffentliche Mittel in die TZ-Infrastruktur (Gebäude, Gerätschaften) geflossen. Hinzu kämen rund 1,2 Milliarden Euro aus privaten Händen, zählt Baranowski auf.

Und die nächsten 70 Millionen Euro stehen auch schon an. Für den Ausbau des Biomedizin-Zentrums, des Zentrums für Produktionstechnik und des Zentrums für Logistik… Noch kurz vor seinem Ruhestand am Jahresende ist Baranowski ganz in seinem Element. Und man fragt sich wann der vierfache Familienvater es eigentlich geschafft hat, nebenbei tausende Kilometer auf seinem Rennrad abzuspulen? Oder sich seinem weiteren Hobby, dem Schachspiel hinzugeben?

Viel lieber erklärt Baranowski anhand der Luftaufnahme an seiner Bürowand die weitere Ausdehnung des TZ über die B1 hinweg ins Weiße Feld nach Oespel hinein. Sein Finger fährt über Straßen und Landschaften.

Dieser Mann will in den Ruhestand? Baranowski lächelt vielsagend. Er habe noch Ehrenämter auszufüllen, sagt er. Also hat er prompt ein Büro gemietet. Dort, wo einst alles begann – an der Emil-Figge-Straße 76. Das neue Zentrum für Logistik soll dort hin, sechs Geschosse. Das Büro von Baranowski wird ungefähr 20 Quadratmeter groß sein.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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