„Gullydeckel-Coups“: Mutmaßliches Banden-Mitglied gibt Teilgeständnis ab

mlzLandgericht Dortmund

Vor zwei Jahren sorgte eine Einbrecherbande in Dortmund, Lünen und Selm für Wut und Verzweiflung. Tatwerkzeug war stets ein kiloschwerer Gullydeckel. Jetzt steht ein 24-Jähriger vor Gericht.

Dortmund, Lünen, Selm

, 16.11.2020, 17:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem Teilgeständnis hat am Montag (16.11.) am Dortmunder Landgericht der Prozess gegen ein weiteres mutmaßliches Bandenmitglied einer berüchtigten „Gullydeckel-Bande“ begonnen, die 2017 und 2018 in Tankstellen, Lottobuden und Getränkemärkten in Dortmund, Lünen und Selm abgeräumt hat.

Der 24-jährige Angeklagte gab über seinen Anwalt zu, im August 2018 gemeinsam mit Komplizen in einer Lottoannahmestelle an der Dortmunder Preinstraße mit der Gullydeckel-Masche Zigaretten im Wert von 1500 Euro erbeutet zu haben.

Schmiere gestanden - Angeklagter gibt Teilgeständnis ab

„Der Angeklagte räumt ein, damals Schmiere gestanden zu haben“, sagte Verteidiger Lutz Pinner. Die erbeuteten Zigaretten seien später zu Geld gemacht worden, das wiederum sofort für weitere Drogenkäufe draufgegangen sei. Verteidiger Pinner: „Die Drogensucht ist bei meinem Mandanten die Wurzel allen Übels gewesen.“

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Bei den mitangeklagten „Gullydeckel-Coups“ am 24. November 2018 in Selm (Aral-Tankstelle an der Kreisstraße) und am 18. Dezember 2018 in Lünen (Aral-Tankstelle an der Cappenberger Straße) will der junge Familienvater aber angeblich seine Finger nicht im Spiel gehabt haben.

Gleiches soll für einen zerstörerischen Gullydeckel-Einbruch in einem Getränkemarkt in Dortmund-Eichlinghofen gelten. „Er hat mit gegenüber versichert, dass er bei all diesen Taten nicht dabei gewesen ist“, erklärte Verteidiger Lutz Pinner.

Von Komplizen belastet

Zwischenzeitlich bereits verurteilte Täter haben den Angeklagten dagegen als Mittäter benannt und belastet. Bei der Tankstelle in Selm waren damals laut Anklage Zigaretten im Wert von 4600 Euro, in Lünen im Wert von 1700 Euro und bei dem Getränkemarkt in Eichlinghofen im Wert von 400 Euro mitgenommen worden.

Auch mit einem ebenso mitangeklagten Raubzug am 22. August 2018 in einer Privatwohnung in Dortmund-Hombruch will der Angeklagte im Grunde nichts zu tun haben. Er sei zwar vor Ort gewesen, aber nur um Drogen zu kaufen, hieß es.

Dass Komplizen einen seinerzeit in der Wohnung schlafenden Mann jedoch mit einer Brechstange, einem Hammer und einer Spielzeugpistole bedroht haben sollen, will der 24-Jährige erst später mitbekommen haben. Nichtsdestotrotz tue ihm das Geschehen dort „fürchterlich leid“, sagte Verteidiger Lutz Pinner.

Unterbringung in Entziehungsklinik wird geprüft

Mit Blick auf eine eigene Drogenabhängigkeit des Angeklagten soll im Prozess auch geprüft werden, ob der 24-Jährige einen Teil einer möglichen Haftstrafe in einer geschlossenen Entziehungsklinik verbüßen muss.

Der Angeklagte (U-Haft seit Juni) will nach eigenen Angaben „unbedingt raus aus dem bisherigen Leben“. Sein im August zur Welt gekommenes Kind hat er aufgrund der Haftsituation noch nicht gesehen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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