Gute Freunde leisten seit 60 Jahren Hilfe für moderne Kunst in Dortmund

mlzMuseum Ostwall

Gute Freunde sind wichtig. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Institutionen. Das Museum Ostwall hat gute Freunde. Und die haben in 60 Jahren viel geleistet.

Dortmund

, 17.05.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tue Gutes und rede darüber, lautet ein Grundsatz der PR-Arbeit. Die „Freunde des Museums Ostwall“ reden nicht unbedingt, sie zeigen aber anschaulich, was sie Gutes getan haben - mit einer kleinen, aber feinen Ausstellung im Schaufenster des Museums Ostwall (MO) im U-Turm.

Wobei: Eigentlich legt der gesamte Rundgang durch die neu konzipierte Sammlungsschau „Body and Soul“ Zeugnis von der ganz besonderen Freundschaft ab, die Dortmunder Bürger mit „ihrem“ Museum für moderne Kunst verbindet.

Denn das Ankaufsverzeichnis im Katalog zur Ausstellung „Zuhause bei Freunden!“, der zugleich eine Art Jubiläumsschrift ist, zeigt, dass die Freunde-Gesellschaft in den 60 Jahren ihres Bestehens an der Anschaffung vieler Werke beteiligt war, die heute zu den besonderen Schätzen des Museums gehören.

Neue Anschaffungen für Museums-Sammlung

„Ein Gemälde Max Beckmanns zählt ebenso dazu wie eine Skulptur von Hans Arp, eine Zeichnung von August Macke oder knapp 500 Objekte und Dokumente aus der Fluxus-Sammlung Wolfgang Feelischs“, heißt es dazu im Katalog. Als Geschenk zum 60. Geburtstag unterstützten die Freunde jetzt die Anschaffung von drei Werken der US-amerikanischen Fotokünstlerin Nan Goldin.

Drei Werke der Fotografin Nan Goldin wurden mit Hilfe des Freunde-Vereins neu angeschafft.

Drei Werke der Fotografin Nan Goldin wurden mit Hilfe des Freunde-Vereins neu angeschafft. © Oluver Schaper

Die Geschichte der Freundschaft reicht aber sogar noch weiter als 60 Jahre zurück. Schon bei der Gründung der Kunstsammlung in den Überresten des alten Kunstgewerbemuseums am Ostwall wurde Direktorin Leonie Reygers von kunstinteressierten Bürgern unterstützt, die sich zur Vereinigung „Freunde Neuer Kunst“ zusammengeschlossen hatten.

Sie regten 1960 schließlich die offizielle Gründung der Stiftergesellschaft zur Förderung des Museums am Ostwall an, die später in „Freunde des Museums Ostwall“ umbenannt wurde.

Dankes-Wand für Mitglieder

271 Mitglieder, davon 21 Firmen, zählt der Verein aktuell. Verewigt sind die meisten von ihnen auf einer „Dankes-Wand“ auf der vierten Etage des U-Turms. Kurze Filmsequenzen, die über einen Bildschirm flimmern, zeigen Porträts von Vereinsmitgliedern und Aktivitäten des Freundeskreises. Auch ein neues Infoblatt, das zum 60. Geburtstag erschienen ist, liegt hier aus.

Eine eigene Ecke auf der vierten Etage des U-Turms ist den Freunden des Ostwallmuseums gewidmet, die von Benjamin Sieber als Vorsitzender und Antje Utermann als Geschäftsführerin vertreten werden.

Eine eigene Ecke auf der vierten Etage des U-Turms ist den Freunden des Ostwallmuseums gewidmet, die von Benjamin Sieber als Vorsitzender und Antje Utermann als Geschäftsführerin vertreten werden. © Oliver Volmerich

„Wir sind Multiplikatoren, um zu zeigen, dass es sich lohnt, Kunst am Ort zu fördern“, erklärt der Vorsitzende Benjamin Sieber. Dabei ist nicht nur materielle Hilfe wichtig, wie auch die stellvertretende Museumsdirektorin Regina Selter feststellt.

Vermittlung und Forschung

Zu den Aktivitäten des Vereins gehört deshalb neben der Unterstützung von Ankäufen für die Sammlung auch Hilfe bei der Vermittlung und Forschung. Schon in den 1990er Jahren trieben die Freunde die Erforschung der informellen Kunst voran. Seit 2016 unterstützt der Verein Bildungsprogramme mit Schülern und Studierenden. „Für uns ist es wichtig, dass das Profil des Museums geschärft wird“, erklärt Geschäftsführerin Antje Utermann.

Die Förderung der informellen Kunst ist ein besonderes Anliegen des Freunde-Vereins.

Die Förderung der informellen Kunst ist ein besonderes Anliegen des Freunde-Vereins. © Oliver Schaper

„Es gibt kaum einen Freundeskreis, der so dauerhaft und intensiv mit einer Institution zusammenarbeitet“, stellt der geschäftsführende Direktor der Dortmunder Kulturbetriebe, Dr. Stefan Mühlhofer, lobend fest.

Warten auf neue Museumsleitung

Dabei ist die Freunde-Gesellschaft auch kritischer Begleiter bei der Entwicklung des Museums. Durchaus mit Sorge sehen die Museums-Freunde etwa die Vakanz bei der Leitung von U-Turm und Museum seit dem Weggang von Edwin Jacobs vor fast einem Jahr. „Das U und vor allem das MO leidet immer noch unter den Geburtsfehlern von vor zehn Jahren“, sagt Benjamin Sieber.

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Jetzt sollen Verwaltung und künstlerische Leitung getrennt werden. Während mit Stefan Heitkemper ein kaufmännischer Leiter gefunden ist, warten nicht nur die Museums-Freunde weiter auf einen neuen künstlerischen Kopf.



Die Ausstellung „Zuhause bei Freunden!“ ist bis zum 30. August im Museum Ostwall im U-Turm, Leonie-Reygers-Terrasse, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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