Eine relativ große Gedenkstätte ist an einem Eingang zum Westpark entstanden, nachdem ein 21-Jähriger dort erschossen worden war. © Kevin Kindel
Viele Polizei-Einsätze

Häufig Ärger – und dann sogar ein Toter: Was ist los mit dem Westpark?

Ein versuchter Raub, eine gefährliche Körperverletzung mit vielen Beteiligten und ein getöteter 21-Jähriger. Unter den Westpark-Anwohnern gehen die Meinungen über die Situation auseinander.

Der Westpark ist auf der Internetseite der Stadt Dortmund beschrieben als „eine zentral gelegene, ruhige, beschauliche Erholungsanlage“. In den vergangenen Wochen hat sich aber ein anderer Eindruck geboten.

In den vergangenen Wochen hat es immer wieder große Polizeieinsätze vor Ort gegeben. Eine illegale Party ist aufgelöst worden, es gab Ruhestörungen und Sachbeschädigungen an einem Biergarten. Am vergangenen Wochenende eskalierte die Situation dann.

Die Polizei ermittelt wegen eines Raubversuchs, einer gefährlichen Körperverletzung mit acht Verletzten – und hat eine Mordkommission eingerichtet, weil ein 21-Jähriger an der Rittershausstraße bei einem Streit erschossen worden ist. Ein Gleichaltriger ist festgenommen worden. Von der Staatsanwaltschaft waren am Montag (14.6.) bis 18.30 Uhr keine neue Erkenntnisse zu erfahren.

„Abends würde ich hier nicht mehr hingehen“

Wird die Situation am Westpark schlimmer? Dazu gehen die Meinungen der Anwohner auseinander.

Eine 63-Jährige erzählt auf einer Parkbank, dass der erschossene junge Mann aktuell sicherlich Gesprächsthema Nummer eins in der Nachbarschaft sei. „Es sagen alle, dass es mehr geworden ist“, meint sie.

Sicherlich habe der Park eine Zeit hinter sich, in der es durch regen Drogenhandel hier nicht wirklich schön gewesen ist. „Abends würde ich hier im Moment nicht mehr hingehen“, sagt die Frau aber, die seit den 80er-Jahren in der Nähe wohnt, zur aktuellen Lage. Wann sich die Situation verändert habe, könne sie nicht genau sagen. Vielleicht vor ungefähr fünf Jahren. Die Lockerung der Corona-Regeln sei jetzt jedenfalls auffällig gewesen.

Das bestätigt auch Polizeisprecher Torsten Sziesze: „Wir gehen davon aus, dass die neu zurückgewonnene Freiheit zu mehr Einsätzen führt.“ Viele Menschen zieht es aktuell nach draußen, viele trinken Alkohol. Da komme es auch zu mehr Ärger. Aber: „Die Qualität der Delikte ist nicht nach oben gegangen“, so Sziesze. Es komme nicht auffallend häufiger zu schweren Straftaten.

Die Zahl der Drogendelikte sei rückläufig, Raubüberfälle kämen nur vereinzelt vor. Ein Tötungsdelikt wie das aus der Nacht zu Samstag (12.6.) sei deshalb herausragend, weil sie so besonders selten vorkommen.

Das „Möllern“ zieht Auswärtige an

Das abendliche Geschehen in dem Park ist eng verbunden mit dem „Möllern“, das in den vergangenen Jahren immer bekannter geworden ist. Lockere Treffen auf der Möllerbrücke, mit Getränken von umliegenden Kiosken. Ohne Eintritt und ohne Dresscode kann man hier den Abend verbringen und ist unter Leuten.

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist dieses häufig gut besuchte Event offenbar auch eine Art Sehenswürdigkeit für Auswärtige geworden. Als im Mai noch die Ausgangssperre galt, ist der Autor dieses Textes auf der Möllerbrücke mal gefragt worden, wo es denn in der Nähe etwas zu essen gebe. Die fragenden jungen Frauen waren aus Witten und Wetter extra mit dem Zug nach Dortmund gekommen, weil sie vom „Möllern“ gehört hatten.

„Das kommt alle Jubeljahre mal vor“

Relativ entspannt bewertet die Situation ein 50-jähriger Anwohner, der seit der Kindheit in dem Quartier lebe. „Das ist schon immer so gewesen“, meint er. Beim Westpark handele es sich eben um einen zentralen Punkt, an dem junge Leute die Freizeit im Grünen verbringen. Schwere Straftaten hätten aus seiner Sicht nicht Überhand genommen: „Das kommt alle Jubeljahre mal vor.“

Das einzige, was einen 31-jährigen Anwohner störe, sei, dass alle möglichen Parkbesucher jetzt eigene laute Musikboxen mitbringen. Vor etwa acht Jahren sei man aber noch ständig gefragt worden, ob man Gras kaufen will. „Das gibt es praktisch gar nicht mehr“, sagt er.

Ähnlich geht es einer 26-Jährigen, die erst vor zwei Jahren nach Dortmund gezogen ist. Weil es nicht so viele Orte in der Innenstadt gebe, an denen man sich treffen kann, findet sie es nachvollziehbar, dass es im Westpark auch relativ viel Ärger gibt.

Sicherlich habe sie ein komisches Gefühl, wenn jemand in der Nachbarschaft erschossen werde – vor allem weil erst im Mai 2020 ein Mann an der nahen Adlerstraße ums Leben kam. Doch die 26-Jährige sagt: „Ich bin nicht ängstlich.“ In einer Großstadt komme so etwas wohl leider vor.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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