Hahn auf, Hahn zu

Aplerbeck Das Leben als Sanitär-Armatur hat sicher nicht besonders viele Reize. Einmal befestigt, muss sie einiges über sich ergehen lassen.

08.01.2008, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hahn auf, Hahn zu

Ob an der Badewanne, in der Dusche oder am Spültisch in der Küche. Das Prozedere ähnelt sich, Abläufe wiederholen sich tausendmal. Wasser marsch, Wasser stopp, kalt oder warm und dies Tag ein Tag aus. Und wehe es zeigt sich die kleinste Undichtigkeit. Dann geht es dem zumeist chromblitzenden Mitbewohner mit einer Zange an die Eingeweide.

Die Anforderungen an eine Armatur sind enorm. Der Verbraucher will geprüfte Qualität zu einem annehmbaren Preis - und halten muss es. Die Langlebigkeit ist ein Kaufkriterium. Und ob so ein Wasserspender wirklich hält, was der Händler verspricht, dass zeigt sich auf den Prüfständen des Materialprüfungsamts NRW in der Marsbruchstraße.

Hier, in der unscheinbar aussehende Halle 5, geht es den Armaturen an den Kragen - und wie. Mit modernster Messtechnik und auf rechnergesteuerten Prüfständen wird das Sanitärprodukt auf seine Alltagstauglichkeit geprüft. An einem der ziemlich strapazierten Test-Objekte, einer Küchen-Armatur, wird gerade der Schwenk-Auslauf getestet. Bedeutet: der Schwenk-Arm wird genau 80 000 Mal von links nach rechts bewegt. Immer in derselben Geschwindigkeit, "und das eine Woche lang, 24 Stunden am Tag", erklärt Laborleiter Dietmar Klein. Mechanische Dauer-Funktionsprüfung heißt das im Materialprüfungsamt. "Dies ist eigentlich keine Pflicht", sagt Diplom-Ingenieur Dietwald Jansen, "aber die Hersteller, die sich von der Qualität etwas abheben, legen schon Wert auf eine Funktionsprüfung."

Einen Raum weiter hat gerade ein Roboter eine Badezimmerarmatur in der Mangel. Der Einhebelmischer ist an dem Greifarm des maschinellen Gehilfen befestigt und der vollzieht mit einer stoischen Ruhe ein und dieselben Bewegungen.

Hahn auf, Hahn zu, immer und immer wieder. "Wenn die Geräte den Test durchlaufen haben, sind sie eigentlich nicht mehr zu gebrauchen", sagt Jansen. Dabei ist die mechanische Prüfung nur ein kleiner Teil von dem, was so eine Sanitärarmatur über sich ergehen lassen muss.

Das Materialprüfungsamt ist bei den Kunden ein wichtiger Anlaufpunkt zur Produktkontrolle geworden. Dabei sei es ganz wichtig, so Martina Fahnemann (Foto/Marketing), dass es keine Behörde - sei, sondern ein Dienstleistungs-Unternehmen, dass sich als Partner und Lotse für die Hersteller versteht, die ihre Produkte auf dem europäischen Binnenmarkt anbieten wollen und sie durch den "Normen-Dschungel" geleitet.

Gut auch für die Verbraucher, die ein auf Herz und Nieren getestetes Produkt im Laden vorfinden. Schlecht aber für den Einhebelmischer, der immer noch vom Roboter bearbeitet wird. Hahn auf, Hahn zu ... jöb

<p>Roboterhelfer im Labor. Mit stoischer Ruhe, immer dieselbe Bewegung. Bauerfeld</p>

<p>Roboterhelfer im Labor. Mit stoischer Ruhe, immer dieselbe Bewegung. Bauerfeld</p>

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