Hamsterkäufe: Laut Toilettenpapier-Experte „kein Grund zur Panik“

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Dennis Strugholz, Geschäftsführer der Wickeder Firma Ruhrfalz, verzeichnet eine starke Nachfrage beim Klopapier. Doch auch ein anderes Produkt ist seit der Coronakrise äußerst gefragt.

Wickede

, 22.10.2020, 11:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zum zweiten Mal im Jahr 2020 ist das Toilettenpapier in aller Munde. Im März sorgte es für Schlagzeilen, als die Kunden in Supermärkten oftmals vor leeren Regalen standen.

Und auch jetzt, in der zweiten Corona-Welle, hamstern viele die vermeintlich raren Rollen fürs WC. Doch die große Nachfrage nach Klopapier betrifft nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Händler wie das Wickeder Unternehmen Ruhrfalz.

„Es geht wieder los“

„Es geht wieder los“, sagt Dennis Strugholz, Geschäftsführer der Ruhrfalz GmbH, der mit tissue24.com einen der größten deutschen Onlineshops für Falthandtücher, Handtuchrollen und eben besagtes Toilettenpapier betreibt. „Die Nachfrage ist deutlich gestiegen, im Onlinebereich verzeichnen wir gegenüber den Vormonaten momentan sicherlich ein Plus von 300 Prozent.“

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So könnte der Eindruck entstehen, gerade Hersteller und Händler von Klopapier gehörten zu den Profiteuren der Corona-Krise. Doch dem sei nicht so, sagt Strugholz: „Die Menschen, die jetzt mehr kaufen, leiden ja nicht an einem Magen-Darm-Virus, sodass letztlich auch nicht mehr Toilettenpapier benötigt wird.“

Kunden bekamen Torschlusspanik

Vielmehr handele es sich bei so extrem hohen Nachfragen wie im März eher um eine Art Teufelskreis. Manche Menschen hätten damals wohl eine Torschlusspanik bekommen, weshalb auch die anderen, weniger hamsterfreudigen Kunden zwangsläufig mehr von dem Papier einkaufen mussten: „Sonst wären sie in die Bredouille gekommen.“

Ab Mai sank die Nachfrage

Das hatte Folgen, die der Normalverbraucher eben nicht mitbekommt. „Im Mai und im Juni war die Nachfrage dann geringer als sonst, da viele bereits reichlich Toilettenpapier eingekauft hatten“, erinnert sich der Geschäftsführer, „denn der Verbrauch war ja nicht höher.“ Erst ab Juli habe sich die Lage dann wieder normalisiert.

Die Firma Ruhrfalz vertreibt auch die umweltfreundliche Linie "Green Hygiene", bei der die Produkte ganz alltägliche Namen wie Jupp oder Rolf tragen. Passt auf jeden Fall - im doppelten Sinne - zum Ruhrpott.

Die Firma Ruhrfalz vertreibt auch die umweltfreundliche Linie "Green Hygiene", bei der die Produkte ganz alltägliche Namen wie Jupp oder Rolf tragen. Passt auf jeden Fall - im doppelten Sinne - zum Ruhrpott. © Michael Schuh

Aber kann es noch einmal zu solch einer Ausnahmesituation wie im März kommen? Strugholz schüttelt den Kopf: „Das glaube ich nicht.“ Denn damals habe es eine Kettenreaktion gegeben: In Ländern wie Polen seien Schulen und Kitas geschlossen worden, sodass Eltern ihre Kinder betreuen mussten und in den Papierfabriken weniger Personal zur Verfügung gestanden habe.

Lange Staus vor den Grenzen

Zudem gab es kilometerlange Staus vor den Grenzen und somit weniger Transporte nach Deutschland - und auch die Paketdienste seien aufgrund der allgemeinen Auftragslage nicht nachgekommen.

„Und das alles bei einer um 1000 Prozent gestiegenen Nachfrage“, verdeutlicht der Experte, warum es letztlich zu Engpässen kam.

Ein krisensicheres Produkt

Aus den damaligen Fehlern hätten viele Unternehmen aber gelernt, sagt Strugholz und verweist auf das Ruhrfalz-Zentrallager in Erfurt mit 2000 Palettenstellplätzen: „Die Lager sind voll und auch der Einzelhandel ist nun besser aufgestellt. Eine erhöhte Nachfrage wird es geben - aber keinen Grund zur Panik.“

Und generell sei Toilettenpapier ja ein krisensicheres Produkt, erläutert der Geschäftsführer schmunzelnd: „Das ist digital nicht zu ersetzen.“

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Bei einem anderen Produkt der Branche ist der Absatz aber tatsächlich kontinuierlich gestiegen - wenn auch weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt.

„Gerade bei gewerblichen Abnehmern wie Restaurants, Sonnenstudios oder Arztpraxen, die zu unserer Zielgruppe gehören, geht der Trend immer mehr zu Papierhandtüchern“, sagt Strugholz.

Hände häufiger waschen

Die Menschen wollten auf öffentlichen Toiletten schlichtweg nichts mehr berühren, sondern nur noch Papier aus dem Spender ziehen. Und noch einen weiteren Grund für den gestiegenen Verbrauch kennt der Geschäftsführer: „Die Leute waschen sich inzwischen einfach häufiger die Hände.“ Virologen und Politiker werden es mit Freude zur Kenntnis nehmen.

Von der Maschine zum Verbrauch

  • Auch die Dortmunder Firma Ruhrfalz GmbH lässt ihre Produkte in Polen herstellen.
  • Dabei baue das Unternehmen auf das Prinzip „Von der Maschine direkt zum Verbrauch“, wodurch Zwischenhändler wegfielen, sagt Dennis Strugholz.
  • So hätte Ruhrfalz im März 2020 länger Toilettenpapier liefern können als viele Mitbewerber: „Doch irgendwann wurde es auch bei uns knapp.

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