Hannibal-Mieter drohen mit Hungerstreik

Wegen Evakuierung

Mieter des geräumten Wohnblocks Hannibal in Dorstfeld hatten auf Facebook diskutiert, ihren Protest gegen die Evakuierung in die Innenstadt zu tragen. Deshalb kam die Stadtspitze am Montag zu ihnen nach Dorstfeld - mit einigen Angeboten.

DORTMUND

, 02.10.2017, 20:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hannibal-Mieter drohen mit Hungerstreik

Jörg Süshardt vom Sozialamt war am Schluss der Info-Veranstaltung umringt von Hilfesuchenden.

Die Wogen schlugen zwischenzeitlich hoch bei der Infoveranstaltung, zu der die Stadt die Hannibal-Bewohner in die Arbeitswelt-Ausstellung in Dorstfeld (DaSA) eingeladen hatte. Rund 150 Mieter machten in der Stahlhalle zweieinhalb Stunden lang ihrem Ärger und ihrem Frust Luft. Mit Transparenten wie „Wir sind auch Menschen, keine Verbrecher“. Und Worten: „Wir werden verarscht. Wir wollen nach Hause.“

Die Wut richtete sich allerdings weniger gegen den Vermieter Intown, der trotz Einladung zu der Info-Veranstaltung nicht erschienen war. Die Bewohner sahen eher die Schuld bei der Stadt. Sie verstehen nicht, warum sie aufgrund schwerer Brandschutzmängel nicht in ihre Wohnungen dürfen und sehen sich nun mit einem Berg von Problemen konfrontiert, für die sie nichts können.

Einige Menschen drohen mit Hungerstreik ab Mittwoch

Ihr Zorn gipfelte in der Androhung einer kleinen Gruppe, am Mittwoch vor dem Hannibal in den Hungerstreik zu treten. Die Frage ist, ob es wirklich soweit kommt.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Rainer Stücker vom Mieterverein versuchten, die Wogen zu glätten, nachdem Ludger Wilde, Planungsdezernent und Leiter des städtischen Krisenstabs, noch einmal Abläufe und Beweggründe für die Evakuierung des Hannibals am 21. September geschildert hatte.

Übernachtungen in Notunterkünften und Autos

Mehr als 800 Menschen hatten innerhalb weniger Stunden ihre Wohnungen verlassen müssen. Ein Teil übernachtet in Notunterkünften oder in Autos. Die Stadt solle Hotelzimmer zur Verfügung stellen, lautete eine Forderung.

Die anwesenden Mieter bezweifeln, dass das Hochhaus evakuiert werden musste. „Ein Krieg“ zwischen der Stadt und Intown, so vermuten sie, sei der Grund für die Räumung, nicht die „Gefahr für ihr Leib und Leben“, wie Wilde und Sierau wiederholt betonten. Wilde: „Wir hatten keine Wahl.“

Noch ist kein Rückzugstermin in Sicht

Wie lange die Mieter nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können, konnte die Stadt nicht beantworten. Dazu müsste Vermieter Intown erst erklären, wann er die Brandschutzmängel beheben will. Nachdem die Mieter ihre Probleme geschildert hatten, boten aber OB Sierau und der Leiter des Sozialamtes, Jörg Süshardt, eine Reihe von Hilfen an, die über die bestehenden hinausgehen.

Unter anderem soll der Info-Point vor dem Hannibal zum Beratungszentrum aufgestockt werden, und die Möglichkeit zur Begehung der einzelnen Wohnungen, etwa um einen Umzug vorzubereiten, soll am Wochenende abends bis 22 Uhr ausgeweitet werden.

Finanzielle Hilfen von der Stadt bei Härtefällen

Beim Transport der Kinder zur Kita oder Schule will die Stadt in Härtefällen die Taxikosten übernehmen, bei einem möglichen Umzug allen Betroffenen finanziell und unbürokratisch helfen sowie Bewohnern die Brandschutzmängel vor Ort erläutern. Auch eine E-Mail-Adresse für Fragen wurde eingerichtet (hannibal@dortmund.de) sowie eine Internetseite' type='' href='http://hannibal.dortmund.de.

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