Hannibal-Tiefgarage: Mieter dürfen zu ihren Autos

Zwei Wochen nach Großbrand

Fast zwei Wochen nach dem Brand am Hannibal sind die Mieter der Tiefgarage am Mittwoch erstmals zu ihren Autos gelassen worden. Zuvor war die Garage gesperrt, niemand wusste, wie es um seinen Wagen steht - für die Besitzer war der Besuch wie ein Lotteriespiel.

DORTMUND

, 03.02.2016, 18:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kaum jemand weiß, was aus „seinem Auto“, aus „seiner Garage“ geworden ist. Am Eingang gibt es Schutzmasken, zwei verschiedene Arten werden verteilt. Wer eine größere Maske bekommt, hat schlechtere Karten - es ist der erste Hinweis darauf, wie stark es im jeweiligen Garagenbereich gebrannt hat' tag='.

Die Oldtimerfreunde sind früh dran, gegen 10 Uhr treffen sie sich am Hannibal. Offiziell kennen sie den Termin gar nicht, Post von der LEG als Vermieter haben sie noch nicht bekommen – doch durch Telefonketten haben sie erfahren, dass heute, am 3. Februar, die Großgarage zum ersten Mal für die Mieter geöffnet wird.

Feuer wurde gelegt

Bisher waren nur Feuerwehrleute hier, anschließend die Brandermittler der Polizei. Das Feuer ist gelegt worden' tag=', soviel ist mittlerweile klar. Gleichzeitig brach es an „mehreren Stellen“ aus, ein technischer Defekt oder Selbstentzündung werden inzwischen ausgeschlossen. Entsprechende Hinweise hatte es bereits am Brandtag gegeben, inzwischen sind sie offiziell bestätigt.

Matthias Meyer interessiert das im Moment nicht so sehr, Kerstin Gieselmann auch nicht. Sie wollen wissen, was mit ihren Fahrzeugen ist, Meyer hat einen alten Opel, Gieselmann einen himmelblauen Käfer. Auf dem Weg in die Garage zittern ihre Hände.

An der Garageneinfahrt müssen sie sich vor einem LEG-Mitarbeiter ausweisen. Und unterschreiben, dass sie die jeweiligen Garagen bis nächste Woche Freitag geleert haben werden. Andere Mieter sind schon vor Ort, tragen Dinge aus der Garage, jemand kommt mit zwei H-Milchtüten und einer Kiste Rotkäppchen-Sekt ans Tageslicht.

Zugerußte Autos

Es riecht verschmort in der Garage, ansonsten sieht erst einmal alles aus, wie man sich so eine Einfahrt vorstellt. Bis auf einen Wagen, den man sehen kann, wenn man um eine Kurve schaut: Wahrscheinlich hat er eine dunkle Farbe, der Audi. Ganz genau kann man das nicht sagen, schwarz zugerußt steht er da, der Lack, die Scheiben, durch die man nicht hindurchblicken kann. Es ist diese Farbe, die jetzt auch in Mode ist hier in der Nordstadt, dieser stumpfe Lack – nur ist es hier keine Absicht sondern eine Brandfolge.

Meyer läuft mit einem weiteren Garagenbesitzer in die eine Richtung, Gieselmann mit einem anderen Oltimerfreund in die andere, ihre Garagen liegen weit auseinander. Es sind schwere Meter, mit eiligen Schritten schweigend gegangen, sie wollen jetzt wissen, was aus ihren Schätzchen wurde.

Die Decken sind verrußt im hinteren Bereich, teilweise stehen dort Autogerippe, bei denen man nur noch vermuten kann, wie sie einmal aussahen, als sie noch fahrtüchtig waren. Das da vorne zum Beispiel könnte ein runder Corsa gewesen sein. Und der da hinten, das war wohl mal ein 5er BMW. Dann steht Kerstin Gieselmann vor ihrer Garage, man kann durch Schlitze hineinsehen. Und ja, da ist noch etwas Bläuliches zu sehen.

Die Garagentür geht nach oben. Was dort steht, sieht aus wie ein Käfer. Die Reifen sind heile, der Lack ist dunkel, aber dass er mal blau war, das kann man noch erkennen. Gut, die Chromleisten hat es erwischt, da hat es sich dunkel hineingefressen. Doch alles in allem sieht der Wagen von außen so aus, als sei er kein Totalschaden. Wie das von innen sein wird, ob der Qualm durch die Lüftungsschlitze in den Wagen gekrochen ist und sich in die Polster gelegt hat, ist jetzt noch unklar.

Oldtimer ist Totalschrott

Meyers Opel sieht, so sagt er, als er um die Ecke kommt, auch „ganz gut aus“. Was man halt so sehen kann auf den ersten Blick. Dafür hat es den roten, eckigen Kadett von Meyers Bekannten erwischt. Es war ein 70er Modell, „unverschweißt und unverbastelt, alles original“. Die Schutzfolie ist mit dem ehemals roten Lack verbacken. „Totalschrott“ sagt sein Besitzer, auch wenn man ihn nicht kennt, ist zu spüren, dass er ergriffen ist. „Komm, mach zu“, sagt er zu Meyer.

Mit dem Frust kommt der Zorn. Die Oldtimerfreunde sehen sich um, sehen Gerümpelhaufen in den Garagen und schauen sich das Wrack des BMW an. „Ein Gasfahrzeug“ sei der, wird vermutet, da die Motorhaube hochgerissen wurde. Gasfahrzeuge seien in der Tiefgarage aber verboten. Genauso, wie das Gerümpel, laut Mietvertrag dürften hier nur Autos abgestellt werden.

Höhe des Sachschaden ist noch nicht geklärt

Seitens der LEG, dem Vermieter des Hannibals und der Tiefgarage, obliege „die Versicherung der abgestellten Fahrzeuge ihren jeweiligen Haltern und ist generell nicht in Stellplatz-Mietverträgen geregelt“. Das würde auch eine eventuelle Reinigung der Fahrzeuge betreffen.

Generell würde die LEG viel im Bereich der Brandprävention tun: „Unter anderem sensibilisieren wir unsere Mieter dafür, keine potenziellen Brandlasten unrechtmäßig zu lagern.“ Wie hoch der Sachschaden ist, weiß die LEG noch nicht.

14 Wohnungen sind immer noch gesperrt

Nach wie vor gesperrt sind als Brandfolge die 14 Wohnungen in der Lauenburger Straße 2. Laut LEG wird die Sanierung noch „einige Zeit in Anspruch nehmen“. Die Mieter wurden in „Hotels, Pensionen, Apartments sowie bei Freunden oder Verwandten untergebracht

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