Wirtschaftlich war das Jahr auch für den Einzelhandel eine Katastrophe. Umso erstaunlicher, dass ein neues Modehaus in Dortmund eröffnen soll. © Stephan Schütze (Symbolbild)
Reaktionen auf Lockdown-Pläne

Harter Lockdown wäre „eine Katastrophe für den Einzelhandel“

Schon vor Weihnachten sollen alle Geschäfte abseits des Lebensmittelhandels in den Lockdown. Das wünscht sich Ministerpräsident Armin Laschet. Die Reaktion der Wirtschaft fällt einhellig aus.

Am Vormittag hatte IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann als Studiogast von Radio 91.2 noch vor den Folgen eines harten Lockdown gewarnt. Dann drohe eine größere Pleitewelle, stellte er fest. „Es sind keine Puffer mehr da“, sagte er.

Wenige Stunden später wurden die Sorgen Dustmanns sehr real. Denn NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kündigte am Freitagmittag (11.12.) einen Lockdown mit Schließung aller Geschäfte abseits des Lebensmittelhandels an – und das „schnellstmöglich“.

Wichtiges Weihnachtsgeschäft

Die Reaktionen der Wirtschaftsvertreter fielen einhellig aus. „Das ist eine Katastrophe für den Einzelhandel“, sind sich IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber, Thomas Schäfer als Geschäftsführer des Handeslsverbandes Westfalen und der Cityring-Vorsitzende Tobias Heitmann einig.

Das wichtige Weihnachtsgeschäft sei für den Handel jetzt schon bescheiden, sagte Schäfer. Wenn jetzt vor Weihnachten alles dicht gemacht werde, werde „die Gefahr, dass die Geschäfte das nicht überleben, immer größer“. Es müsse auf jeden Fall rechtzeitig und in ausreichender Höhe Kompensationszahlungen geben, mahnte IHK-Präsident Dustmann.

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber stellte aber auch den Sinn der Geschäftsschließungen in Frage. Es gebe bislang keine Belege, dass der Einzelhandel bei der Verbreitung der Corona-Infektionen eine große Rolle spiele.

Unglücklich sei zudem der Zeitpunkt der Bekanntgabe am Freitagmittag durch die Landesregierung, stellte Schreiber fest.

Auch das sehen Thomas Schäfer und Tobias Heitmann ähnlich. Die Politik hätte eher Vorkehrungen mit Blick auf absehbar steigende Infektionszahlen im Winter treffen müssen, meint Heitmann. Dabei denkt der Cityring-Vertreter etwa an die umstrittene Fortsetzung des Präsenzunterrichts an den Schulen – der jetzt unmittelbar vor Weihnachten ebenfalls ausgesetzt wird. „Die Politik hat nur reagiert statt agiert“, kritisiert Heitmann.

Für diesen Samstag stellen sich die City-Händler auf jeden Fall noch einmal auf einen Ansturm der Weihnachtseinkäufer ein, zumal unklar ist, ab wann der Lockdown in der kommenden Woche gelten soll. „Die Panik bei den Kunden wird größer“, fürchtet Schäfer mit Blick auf die Kurzfristigkeit der Entscheidung. Und gerade Panikkäufe wollte Ministerpräsident Armin Laschet nach eigenen Worten ja eigentlich verhindern.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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