Haus- und Heilmittel gegen Corona? Verbraucherschützer bewerten Angebote

mlzCoronakrise in Dortmund

Bei der Suche nach Schutz gegen das Coronavirus stoßen viele Menschen auf Tipps oder teure Heilmittel. Dortmunds Verbraucherschützer haben eine Liste erstellt und geben Einschätzungen ab.

Dortmund

, 02.04.2020, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei der Frage, wie man sich am besten vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen kann, gehen viele Menschen im Internet auf die Suche nach Tipps und Mitteln, die gegen eine Infektion helfen. „Zum großen Teil stoßen Ratsuchende dort auf haarsträubenden Unsinn und wirkungslose Produktempfehlungen“, so Helene Schulte-Bories von der Dortmunder Beratungsstelle der Verbraucherzentrale.

„Falschinformationen werden von Scharlatanen gestreut und verbreitet, die Ratsuchenden das Geld aus der Tasche ziehen wollen“, warnt die Verbraucherzentrale NRW. „Es gibt derzeit kein Haus-oder Nahrungsergänzungsmittel, das eine Infektion mit dem Virus verhindern kann.“

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Dagegen sei es besonders in dieser Situation sinnvoll, etwas für das Immunsystem zu tun, sagt Helene Schulte-Bories. Dazu gehörten gesunde Ernährung, Verzicht auf Rauchen und Alkohol sowie Bewegung an der frischen Luft. „Es gibt aber kein Zaubermittel gegen Corona.“

Das schreibt die Verbraucherzentrale zu den im Netz angepriesenen Heilmitteln:

Nahrungsergänzungsmittel und Pflanzenstoffe: Heilmittel, die Pflanzenstoffe enthalten – etwa Vitalpilze, Zistrosenextrakt, Rhodiola (Rosenwurz) oder Grüntee, aber auch Bienenprodukte wie Propolis –, werden derzeit verstärkt beworben. Die Stoffe sollen vor einer Infektion mit dem Corona-Virus schützen.

Es gibt keine Studien, die eine Wirksamkeit von bestimmten Pflanzen, Vitaminen oder Mineralstoffen belegen. Ratsuchende sollten deshalb jedem Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel misstrauen, das mit dem Begriff „Corona“ wirbt. Ein Gesundheitshinweis – etwa „schützt vor Viren“ – ist strikt verboten.

Auch Rosenwurz gehört zu den empfohlenen Wundermitteln.

Auch Rosenwurz gehört zu den empfohlenen angeblichen Wundermitteln. © picture-alliance / obs

Zwiebeln und Ingwer: Aufgeschnittene Zwiebeln in der Wohnung zu verteilen, ist Humbug. Die Knollen saugen keine Bakterien und Viren aus der Luft auf. Zwiebeln wie auch Knoblauch enthalten zwar Sulfide, die zu den gesundheitsfördernden sekundären Pflanzenstoffen gehören und sich positiv auf das Immunsystem auswirken können. Das Virus vertreiben können sie nicht.

Gekochter Ingwer auf leeren Magen gegessen kann ebenfalls nicht helfen, eine Coronaviren-Erkrankung zu heilen. Dieser Aussage wurde schon Anfang des Jahres von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) widersprochen.

Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel: Schokolade, Brot oder Nudeln können die Darmwände porös machen, weil sie vielfach den Klebestoff Gluten enthalten. Diese Behauptung hält sich hartnäckig. Die angebliche Begründung: Da die Darmschleimhäute mit den Schleimhäuten der oberen Atemwege in Verbindung stehen, würden diese ebenfalls durch glutenhaltige Nahrungsmittel geschwächt und anfälliger für Viren. Hierzu fehlt der Beweis.

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Kokosöl und ayurvedische Gewürze: Morgens und abends einen Teelöffel Kokosöl auf der Zunge zergehen lassen, diese vorbeugende Maßnahme soll helfen, Coronaviren zu vertreiben. Diese Behauptung ist Unsinn. Gewürze wie Safran, Kurkuma, Zimt oder auch Zitronengras dürfen gerne ins Essen, einen Schutz vor dem Coronavirus bieten sie nicht.

Tee mit Ingwer oder verschiedenen Kräutern können sich positiv auf die Gesundheit auswirken, nicht aber das Virus abwehren.

Tee mit Ingwer oder verschiedenen Kräutern können sich positiv auf die Gesundheit auswirken, nicht aber das Virus abwehren. © dpa

Thymian- und Salbei-Tees: Diese Tees sind traditionelle Pflanzenarzneimittel bei Erkältung. Eine Infektion mit dem Coronavirus ist jedoch schwerwiegender und keine Erkältung. Die Tees dienen der Linderung von Beschwerden bei Husten und Schnupfen und eignen sich nicht zur Vorsorge.

Reichlich heißes (Knoblauch-)Wasser trinken: Heißes Wasser (mit mehr als 60 Grad) führt eher zu Verbrennungen in Mund und Speiseröhre, bevor es Viren im Magen-Darm-Trakt erreicht. Auch das Gurgeln mit einer Essig-Salz-Lösung schützt nicht vor Infektion.

Was derzeit wirklich hilft

Die offiziellen Hygienevorschriften – wie Abstand zueinander halten, regelmäßiges, gründliches Händewaschen mit Seife und Sonne tanken sind einfache aber wirksame Tipps.

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