Dr. Stefan Bonnenberg ist Hausarzt in Dortmund-Marten. © Björn Althoff
Covid-19

Hausärzte dürfen noch nicht zur Corona-Impfung: „Ziemlich ärgerlich“

Hausärzte haben oft mit Corona-Verdächtigen zu tun, zur Covid-Impfung dürfen sie aber noch nicht. „Ziemlich ärgerlich“, sagt einer von ihnen. Zumal manche Hausärzte dann doch schon dürfen.

Wer bekommt gleich zu Beginn eine Corona-Impfung? Neben den Menschen in Seniorenheimen sind das diejenigen, die im Rettungsdienst arbeiten, in den Krankenhäusern oder in der Palliativmedizin.

Die Hausärzte? Sind erst in Kategorie 2 dran – und viele ärgert das. „Ich finde es schon doof“, sagt beispielsweise Dr. Stefan Bonnenberg, „weil ich selbst jeden Tag die Leute abstreiche.“ Dementsprechend hoch sei auch sein eigenes Risiko, findet Bonnenberg, sich in seiner Praxis in Marten anzustecken.

Über-80-Jährige früher geschützt als Hausärzte

Das gelte nicht nur für ihn selbst, sondern auch für seine Mitarbeiter. „Ich finde es ziemlich ärgerlich. Ich finde, wir sollten auch zu denen gehören, die on top sind.“

So wie Bonnenberg sehen es viele niedergelassene Ärzte in Dortmund. Doch sie gehören nun einmal nicht zu denjenigen, die das Robert-Koch-Institut als Personen „mit einem besonders hohen Expositionsrisiko“ einstuft. Sie haben nur ein „hohes“, sind dadurch früher dran als die meisten anderen Menschen im Land, aber eben nicht ganz zu Beginn, auch erst nach allen Menschen über 80. Die sind in Kategorie 1 einsortiert.

Bis März oder April werde das also nichts für ihn, schätzt Bonnenberg. Und bis dahin seien es sicherlich noch viele Abstriche bei Corona-Verdächtigen.

Wer aktiv impft, rutscht in Kategorie 1

Dr. Miriam Gizbili hingegen hat Glück. Auch sie hat eine Praxis in Dortmund, gemeinsam mit zwei Kollegen an der Saarlandstraße in der südlichen Innenstadt. Sie kann aber sagen: „Ich habe die erste Impfung schon hinter mir.“

Der Grund: Gizbili gehört zu denjenigen, die für Senioreneinrichtungen zuständig sind und dort selbst aktiv gegen das Coronavirus impfen. Dadurch ist sie von Kategorie 2 in Kategorie 1 gerutscht.

Dr. Reinhard Büker koordiniert die Corona-Impfungen in Dortmund.
Dr. Reinhard Büker koordiniert die Corona-Impfungen in Dortmund. © Schaper (A) © Schaper (A)

Impfzentrums-Leiter: „Man muss differenzieren“

„Man muss differenzieren“, unterstreicht Dr. Reinhard Büker. Als Leiter des Impfzentrums auf Phoenix-West ist er auch dafür zuständig, wer wann dran ist mit der Impfung. Allerdings natürlich nur innerhalb der Kategorien. Die sind politisch festgelegt, Büker handelt also nach diesem Plan.

Differenzieren also: Geht ein Hausarzt nur in eine Senioreneinrichtung zu einem Patienten, reicht das nicht für Kategorie 1. Kümmert er sich dort aber flächendeckend um die Impfung der Bewohner, geht er also von einem zum anderen, wird auch er recht schnell geimpft.

„Wir haben es doch in Italien gesehen“, unterstreicht Büker. Dort hätten Menschen von außen das Coronavirus in Heimen verteilt – mit tödlichen Folgen. Übrigens: Auch die Impfärzte seien erst dann dran, wenn noch eine Dosis vom angebrochenen Impfstoff übrig sei.

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Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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