Dr. Stefan Bonnenberg ist Hausarzt in Dortmund-Marten. Zur Infektionssprechstunde trägt er Maske, Handschuhe und Kittel. © Björn Althoff
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Hausarzt über Corona-Tests: „Wird in Kauf genommen, dass wir viele nicht erwischen“

Wie viele Corona-Fälle tauchen auf? Wie viele bleiben unentdeckt? Ein Hausarzt aus Dortmund sagt: Jetzt soll er weniger Tests machen als noch vor zwei Wochen. Der Grund: andere Vorgaben.

Er hat die Sprechstunden geteilt, so wie viele Hausärzte. Jeden Tag, fünf Mal pro Woche, bietet Dr. Stefan Bonnenberg spezielle Infektionssprechstunden an. Nur dann können diejenigen, die eventuell Corona haben, zu seiner Praxis an der Haumannstraße in Dortmund-Marten kommen.

Zu seiner Praxis wohlgemerkt, nicht direkt in seine Praxis. Einzeln und mit Abstand wird draußen gewartet. Bonnenberg und sein Team warten drinnen, in spezieller Schutzkleidung, und bitten die Patienten nacheinander hinein. Gibt es Fragen, öffnen sie das Fenster. Die Praxis liegt glücklicherweise im Erdgeschoss.

„Vor zwei Wochen wären es noch deutlich mehr Abstriche gewesen“

„Ich hatte heute 15 Patienten in der Infektionssprechstunde“, sagt Bonnenberg, „und ich habe nur bei Dreien einen Abstrich gemacht. Vor zwei Wochen wären es noch deutlich mehr gewesen.“

Bis dahin habe man bei allen Menschen mit Husten und Schnupfen sicherheitshalber einen Rachenabstrich gemacht, um diejenigen auf das Coronavirus zu testen. „Jetzt sollen wir nur noch schwerere Fälle abstreichen. Oder Leute aus dem Gesundheits- oder Pflegebereich. Oder Leute, die mit Risikopatienten in Kontakt sind.“

Neue RKI-Kriterien als Reaktion auf viele Erkältungen

Das liegt an den neuen Kriterien, die das Robert-Koch-Institut am 11. November herausgegeben hat. Ganz grob vereinfacht steckt die Überlegung dahinter: Im Herbst und Winter sind so viele Menschen erkältet oder haben eine normale Grippe, dass die Corona-Tests nicht ausreichen. Und die Kapazitäten in den Laboren erst recht nicht.

Alles ja nachvollziehbar, findet Bonnenberg: „Ich sehe das ganz sachlich. Es ist ja nicht so, dass etwas vertuscht werden soll. Das überhaupt nicht.“

Sinkende Zahlen bedeutet nicht zwingend weniger Infektionen

Aber ihm ist es schon ein Anliegen zu verdeutlichen, dass diese neue Vorgabe für die Tests eine Auswirkung auf die Fallzahlen hat. „Hier wird ja ganz bewusst in Kauf genommen, dass wir sehr viele nicht erwischen. Und ich finde, darüber wird leider überhaupt nicht gesprochen.“

Wenn also nun Corona-Fallzahlen stagnieren oder sogar sinken, würde das nicht bedeuten, dass sich das Virus weniger stark verbreite. Vielleicht spüre man es nur nicht mehr so stark auf.

Infektionsketten werden nicht mehr nachvollziehbar

Bonnenberg denkt an die tägliche Umsetzung, „Ich würde bestimmt ein Viertel mehr abstreichen“, sagt er. Für die Arztpraxen bedeutet das mehr Unsicherheit, ob nicht ein vermeintlich ungefährlicher Patient nicht doch unentdeckt Corona-positiv war.

Und natürlich gelte auch: Wo man Fälle nicht entdeckt, hat man auch keine Ahnung mehr von Infektionsketten.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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