Taubenzüchter Heigl in Not: sein Taubenschlag muss weg

mlzBrieftauben

Helmut Heigl züchtet Tauben. Fast sein Leben lang. Er gehört zu den Besten im Westen. Seine Tauben sind schön und schnell. Doch jetzt ist die Idylle bedroht. Die Tauben müssen weg.

Kirchlinde

, 28.10.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Helmut Heigl ist rund um den Pilgermannsweg aufgewachsen. Von seinem Garten aus kann er das Dach sehen, in dem sein Vater schon vor rund 50 Jahren Tauben züchtete. Heigl selbst hat als Jugendlicher auch gezüchtet, dann ließ der Beruf keine Zeit. 2002 packte ihn das Brieftaubenvirus erneut. Damals richtete er sich mit Erlaubnis des Besitzers ein idyllisches Refugium auf einem Stück Brachland ein, fünf Gehminuten von seinem Haus entfernt. Sein Bruder hatte da ebenfalls einen Schlag, ein anderer züchtete dort Hühner, ein Dritter hielt Kanarienvögel.

Es wird gebaut, die Auflage ist deutlich

Doch damit ist jetzt Schluss. Weil der Besitzer bauen will, hat das Amt - so der Bauherr Michael Dietzel - die Auflage gemacht, dass die Lauben und Verschläge verschwinden müssen, weil die im „Außenbereich“ stehen würden, der frei bleiben müsse. Im Oktober 2020 müssen die Schläge weg sein.

Heigls Bruder Gottfried hat die Taubenzucht bereits aufgegeben, Hühner und Kanarienvögel sind auch schon weg. Aber aufgeben will Helmut Heigl nicht: „Ich gehe im nächsten Jahr in Rente und die Tauben sind mein Hobby. Man kommt raus, trifft andere Leute. Ich kann mich den ganzen Tag mit den Brieftauben beschäftigen.“

Taubenzüchter Heigl in Not: sein Taubenschlag muss weg

Mit großer Fachkenntnis züchtet Helmut Heigl Brieftauben. Hier begutachtet er die Flügel einer Taube. © Irene Steiner

Brieftaubenzucht ist seine Leidenschaft und Helmut Heigl ist erfolgreich. „Ich gehöre zu den Besten in Westfalen“, sagt er ein wenig stolz und eine prachtvolle Urkunde in Metall - mit Medaille - weist ihn und seinen Bruder als Ruhrgebietsmeister 2016 aus, als beste unter 1200 Züchtern.

Taubenzüchter Heigl in Not: sein Taubenschlag muss weg

Viele Urkunden und die prachtvolle Tafel des Ruhrgebietsmeisters weisen Heigl und seinen Bruder Gottfried als besonders erfolgreiche Taubenzüchter aus. © Irene Steiner

Seit Monaten bemüht sich Heigl darum, einen neuen Standort für seinen Schlag zu finden - bisher vergeblich. Wer verpachtet, hat Angst vor dem Dreck, den die Tauben machen sollen.

Brieftauben machen keinen Dreck

Doch Heigls Tauben machen keinen Dreck: „Brieftauben sind was ganz anderes als Stadttauben“, sagt Heigl. Seine Tauben lässt er einmal am Tag fliegen, dann sind die rund eine Stunde unterwegs, bevor sie in den Schlag zurückkehren. Und dort koten sie in der Regel auch.

Taubenzüchter Heigl in Not: sein Taubenschlag muss weg

Aufgeräumt wirkt der Schlag, die Tiere können sich frei darin bewegen. Zum Koten gehen sie auf den Rost, der Kot fällt dann durch. © Irene Steiner

Bildschöne Vögel

Bildschön und gesund sind die Tiere. Jeden Sommer kommen 30 bis 40 Jungtiere dazu, die im Folgejahr bei den Flügen der Reisevereinigung (RV) West mitfliegen. Die nicht so schnellen Vögel landen in der Futterkammer des Dortmunder Zoos.

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"Kleiner Theo" heißt der schönste Täuberich im Schlag von Helmut Heigl. © Irene Steiner

Bisher ist die Suche nach einem neuen Standort vergeblich

Heigl hat sich schon viel umgehört, um einen neuen Platz für seinen Schlag zu finden. Dass das vermutlich nicht mehr so bequem sein kann wie jetzt, wo der Schlag direkt vor der Haustür ist, ist ihm klar. Er hätte die Tauben gern in seinem geräumigen Garten hinter seinem Zechenhaus untergebracht. Aber dafür bekommt er keine Genehmigung. Obwohl das Dach, in dem der Vater Tauben hielt, im Nachbargarten steht.

Taubenzüchter Heigl in Not: sein Taubenschlag muss weg

Im Nachbargarten steht noch der Schuppen, in dessen Dach Heigls Vater schon Tauben hielt. © Irene Steiner

Doch vielleicht ergibt sich eine andere schöne Lösung: „Ich habe mit Zeche Zollern gesprochen. Bergbau und Brieftaubenzucht gehören doch zusammen. Es wäre schön, wenn ich da meinen Schlag aufstellen könnte, ich könnte dann auch den Besuchern etwas über die Tauben erzählen“, sagt Heigl. Denn die Brieftauben galten bei den Bergleuten ja als „Rennpferde des kleinen Mannes“.

Die Sprecherin des Industriemuseums, Christiane Spänhoff, hält das nicht für ausgeschlossen: „Wir haben ja einen Arbeitergarten hier auf der Zeche, vielleicht wäre das eine Möglichkeit“, schrieb sie an diese Redaktion und versprach, die Kontaktdaten von Helmut Heigl an die Leiterin des Industriemuseums, Anne Kugler-Mühlhofer, weiterzuleiten.

Kontakt zu Helmut Heigl

Unabhängig davon kann sich jeder, der ein kleines Stück Grün (ca. 100 qm) anbieten will, auf das Heigl seinen Schlag setzen kann, bei dem Züchter melden unter Tel. 0231 671415 oder unter 0172-2710343.

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