Heimspiel-WG: Was macht diese Wohngemeinschaft in Hörde so besonders?

mlzWohnen in Hörde

Ab jetzt sind sie ein gutes Stück selbstständiger: Acht junge Erwachsene mit Beeinträchtigungen sind in eine Wohngemeinschaft in Hörde gezogen. Der Name steht für ihre BVB-Leidenschaft.

Hörde

, 13.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein möglichst selbstbestimmtes Leben für junge Erwachsene mit Beeinträchtigungen ist das Ziel der Wohngemeinschaft „Heimspiel“ in der Hochofenstraße. Vier Frauen und vier Männer sind hier in die eigenen vier Wände gezogen. Unterstützt werden sie von der Diakonie, die die Bewohner rund um die Uhr betreut.

Bewohner sind seit Jahren befreundet

Die Mitglieder der Wohngruppe kennen sich bereits seit vielen Jahren aus der Christopherus-Schule. „Nach der Schule wollten sie gerne zusammenbleiben“, erklärt Detlef Harms, Vorsitzender des Vereins Zusammenspiel Phoenix, einer Elterngruppe, die das Projekt ins Leben gerufen hat.

„Aus dem Elternhaus ausziehen ist für die meisten Menschen ein großer, aber normaler Schritt im Leben. Doch für viele Menschen, die wir betreuen, ist das nicht ganz so einfach“, erklärt Julia Boßmeyer, Leiterin des Ambulant Betreuten Wohnens „Mittelpunkt“ der Diakonie Dortmund.

Julia Boßmeyer (r.), Leiterin des Ambulant Betreuten Wohnens „MittelPunkt“ der Diakonie Dortmund, freut sich mit den Mitarbeitenden der „Heimspiel“-WG über den Neubau an der Hörder Hochofenstraße.

Julia Boßmeyer (r.), Leiterin des Ambulant Betreuten Wohnens „MittelPunkt“ der Diakonie Dortmund, freut sich mit den Mitarbeitenden der „Heimspiel“-WG über den Neubau an der Hörder Hochofenstraße. © Diakonie

Die Diakonie-Mitarbeiter mussten sich etwas umstellen. In der Regel suchen sie ihre Klienten zu Hause auf, um sie nach Bedarf zu unterstützen. Die Elterngruppe wandte sich an die Diakonie, um gemeinsam eine Wohnlösung zu schaffen. Zusammen mit einer Stiftung wurde dann das Projekt „Heimspiel“ entwickelt. „Das Haus entspricht den Bedürfnissen der zukünftigen Bewohner“, erklärt Tim Cocu, Pressesprecher der Diakonie.

Neubau ist bezogen – Bewohner leben in acht Apartments

Der Elternverein „Zusammenspiel Phoenix“ wurde 2019 gegründet. Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Sie wollen den 22- bis 23-jährigen Bewohnern helfen, soweit es geht, selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu leben. „Wir haben uns beim Bau an aktuellen Untersuchungen orientiert, die zeigen, wie Beeinträchtigte leben möchten“, beschreibt Harms.

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Nach einer zweijährigen Planungs- und Bauzeit und einer leichten Verzögerung aufgrund der aktuellen Corona-Maßnahmen wurde das Haus nun bezogen. Im Erdgeschoss gibt es ein Büro, eine rollstuhlgerechte WG-Küche und einen großen Gemeinschaftsraum mit Außenterrasse. Auf den beiden weiteren Etagen leben die Bewohner in acht Apartments.

Die Finanzierung erfolgte durch Wohnbau-Fördermittel, die Aktion Mensch und eine Stiftung. Die Bewohner haben Unterverträge abgeschlossen und finanzieren ihre Wohnungen so selbst.

Projekt ist zukunftsweisend

Für Julia Boßmeyer ist das Projekt Heimspiel zukunftsweisend: „Laut Bundesteilhabegesetz sollen Menschen mit Behinderungen freier entscheiden können, wo sie leben wollen und von wem sie Leistungen in Anspruch nehmen.“ Die WG sei für die Bewohner sicherlich ein großer Schritt in diese Richtung.

Der Name „Heimspiel“ wurde von den Bewohnern selbst ausgesucht. Er steht für ihre BVB-Begeisterung und verweist spielerisch auf ihr neues Zuhause.

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